VonMartin Premschließen
Stromspeicher sind teuer und erfordern seltene Rohstoffe, deren Abbau meist unter prekären Umständen geschieht. Doch es gibt Alternativen. Ein junges Münchner Unternehmen hat große Pläne.
München - Lithium-Ionen-Batterien sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Sie betreiben Haushaltsgeräte unabhängig vom Stromnetz, treiben Autos an und haben Mobiltelefone, wie wir sie heute kennen, erst ermöglicht. Doch sie haben einen Nachteil. Sie basieren auf Rohstoffen, die selten sind und zum Großteil unter prekären Bedingungen gewonnen werden. Je mehr man sie einsetzt, desto stärker steigert diese Knappheit die Preise.
„Die Welt benötigt Speicher-Alternativen zu Lithium, wenn wir die globale Energiewende realisieren wollen“, sagt Jakob Bitner. Seit neun Jahren forscht der Münchner Jungunternehmer mit seinem Team an einer Batterietechnologie, deren Elektrolyt auf zwei Materialien beruht, deren Vorkommen auf der Welt nicht erschöpft werden können, und die auch in Deutschland reichlich zu finden sind. Eisen und Salz.
Teurer - aber auch leistungsstärker? Neues Chemie-Verfahren verspricht viel
Während sich in „normalen“ Batterien die gesamte Chemie innerhalb einer Zelle befindet, arbeiten die Batterien von Bitners Unternehmen VoltStorage nach dem Redox-Flow-Prinzip. Dabei werden in die Elektrolyte, die beim Laden in der Zelle chemisch verändert werden, in zwei getrennten Kreisläufen gepumpt. Der eigentliche Energiespeicher ist gewissermaßen ein Tank, der beliebig groß werden kann. Apropos Chemie: Die deutsche Chemieindustrie hat mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Gewünscht wird sich Hilfe aus Berlin, doch Kanzler Scholz verhält sich laut Industrie wie „im falschen Film“.
Serienreife Varianten gibt es bereits auf Basis des Metalls Vanadium. „Das ist teurer, bietet aber auch mehr Leistung“, sagt Bitner. Doch genau darauf kommt es ihm letztlich nicht an. Denn Redox-Flow-Batterien sind nicht für den mobilen Einsatz gedacht, sondern als stationäre Speicher, die gewaltige Mengen an Energie aufnehmen und wieder abgeben können.
Stromspeicher-Preis sticht gewöhnliche Batterien aus
Entscheidend dürfte auch der Preisvorteil gegenüber Lithium-Ionen-Batterien sein: Die Stromspeicher kosten nur rund ein Zehntel dessen, was für die heutigen Standard-Batterien verlangt wird. Weiterer Vorteil: Die Technik ist langlebiger und weitaus weniger temperaturempfindlich. Minus zehn bis plus 60 Grad sind kein Problem.
Bitner denkt dabei zunächst an große Solar- und Windparks, die bei starkem Wind oder hoher Sonneneinstrahlung abgeregelt werden müssen, weil niemand den Strom abnimmt. Eisen-Salz-Batterien könnte diese Energie speichern und dabei helfen, mehrere sonnen- und windarme Tage zu überbrücken. Das reicht dann in seinen Augen nahe an die Grundlastfähigkeit heran. 95 Prozent eines Jahres seien damit abzudecken.
Stromspeicher für Haushalte wohl uninteressant
Auch für energieintensive Unternehmen eignen sich die Stromspeicher, als Mittel zur Überbrückung der Zeiten mit rarem und teurem Strom. Allerdings denkt Bitner dabei nicht an Kleinunternehmen oder gar private Haushalte. Man braucht entsprechend große Einheiten.
Alles ferne Zukunftsmusik, wie die Wasserstofftechnologie oder synthetische Kraftstoffe? Nein. VoltStorage ist es am angestammten Standort, einem Gewerbehof im Münchner Stadtteil Sendling, längst zu eng und zieht in ein eigenes Gelände im Münchner Norden. Wenn der Betrieb in die Detmoldstraße aufgenommen wird, solle es auch mit der Eisen-Salz-Technologie soweit sein.
Unternehmen rechnet mit Wachstum
Weiteres Wachstum ist geplant. Derzeit hat das Unternehmen siebzig Mitarbeiter aus 18 Nationen und immerhin 17 offene Stellen. Maschinenbauer, aber auch Materialwissenschaftler, werden gesucht. Wie es weitergeht, ist offen. Bitner kann sich weitere Produktionsstandorte vorstellen, aber auch die Lizenzierung der Technologie an andere Unternehmen ist denkbar.
Die Energiewende ist ein Hightech-Projekt. Aber exotische Materialien und fragwürdige Methoden beim Rohstoffabbau sind nicht in jedem Fall notwendig.

