Neubaustandard EH 40

Vor Baugipfel: Habeck lässt wichtige Vorgabe für Neubau fallen

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Die Baubranche steckt in einer handfesten Krise. Wirtschaftsminister Habeck sieht nun von härteren Klimaschutzvorgaben beim Neubau ab.

Berlin – Vor dem geplanten „Wohnungsbaugipfel“ an diesem Montag im Kanzleramt rückt Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) von härteren Vorgaben zur Dämmung von Neubauten ab. Es sei „nicht mehr für nötig“ den Standard EH 40 bei der Dämmung neuer Häuser einzuführen, so Habeck. Die von der Baubranche immer wieder kritisierten Pläne werden damit wohl bis Ende 2025 nicht kommen.

Wirtschaftsminister Habeck sieht von härteren Klimaschutzvorgaben beim Neubau ab. (Archivbild)

Habeck: Ampel rückt von Neubaustandard EH 40 ab 2025 ab

 „Mit der Einführung des Gebäudeenergiegesetzes ist sichergestellt, dass Neubauten ab 2024 klimafreundlich heizen. Deshalb halte ich es nicht mehr für nötig, jetzt auf die Schnelle den neuen Standard EH 40 einzuführen“, sagte der Grünen-Politiker, der auch Klimaschutzminister ist, der Nachrichtenagentur Reuters. „Das kann noch warten, vor der EU-Gebäuderichtlinie macht es auch keinen großen Sinn. Daher sehe ich diesen neuen Standard in dieser Legislaturperiode nicht mehr.“

Eigentlich ist im Koalitionsvertrag des Ampel-Bündnisses für 2025 als vereinbarter Neubaustandard EH 40 vorgesehen, nach dem Neubauten nur 40 Prozent der Primärenergie im Vergleich zu einem Standardbau brauchen dürfen. Das senkt zwar Energiebedarf und Klimagasausstoß, steigert aber Baukosten.

Baubranche steckt in der Krise – Bauvorhaben auf Eis

Durch Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation haben sich aber seit dem Abschluss des Koalitionsvertrags viele Faktoren geändert. So haben stark gestiegene Finanzierungs- und Baukosten den Neubau in Deutschland deutlich ausgebremst. Vor wenigen Tagen hatte etwa der Immobilienkonzern Vonovia vermeldet, Zehntausende geplante Bauvorhaben lägen derzeit auf Eis. Nach Analyse des Finanzierungsvermittlers Interhyp begraben derzeit auch Bürgerinnen und Bürger scharenweise ihren Traum vom eigenen Haus.

Um der kriselnden Baubranche zu helfen, rückt die Ampel nun vom Koalitionsvertrag ab. Gefordert hatte dies zuvor schon Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Damit bleibt es beim Effizienzhaus-Standard EH 55, der wegen der staatlichen Förderung praktisch der Standard für Neubauten ist. 

Habeck: „Für so manche Familie droht der Traum vom eigenen Haus zu platzen“

Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hatte zuletzt bereits bessere Abschreibungsmöglichkeiten auf den Weg gebracht. In der Immobilienbranche hieß es am Wochenende, bei der Wohneigentumsförderung von Familien soll die Einkommensgrenze von 60.000 auf vermutlich 90.000 Euro erhöht werden. Die Branche kritisierte, es gebe aber insgesamt nur kleinteilige Hilfsmaßnahmen der Regierung.

Habeck sagte Reuters, die hohen Zinsen und die Inflation seien eine schwere Belastung für die Branche. „Aufträge brechen ein und für so manche Familie droht der Traum vom eigenen Haus zu platzen. Das alles in einer Phase, in der Wohnraum knapp ist und teuer.“ Deshalb müsse bezahlbarer Wohnraum in den Mittelpunkt gestellt werden. „Genauso wichtig ist es, gezielte Impulse für die Baubranche zu setzen, etwa indem wir steuerliche Anreize schaffen, Investitionen vorzuziehen. Auch gezielte Sanierungsanreize sind nötig und werden kommen. Das kann die Baukonjunktur anschieben und Fläche und Energiekosten bei bestehenden Gebäuden sparen.“ Belohnt werden sollen laut Habeck zügige Investitionen. „Langes Warten rechnet sich weniger.“ 

Mit Material von Reuters

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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