Antriebstechnologien

Verbrenner bei VW, BMW und Mercedes: Welche Klassiker verschwinden sollen – und welche nicht

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V6-Benziner wie zum Beispiel von Mercedes haben in Deutschland Tradition. In Europa hat diese Gattung keine Zukunft.
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Verbrenner sind vom Aussterben bedroht? Offenbar nur bestimmte Arten. Von welchen Motoren wir uns verabschieden müssen und wie die deutschen Autokonzerne planen.

München – Wenn es um Antriebstechnologien geht, befinden sich Verbrennungsmotoren auf dem absteigenden Ast: Aufgrund der Abgase gelten sie als wenig zukunftstauglich. Stattdessen sollen Elektroautos das dominante Konzept sein, wenn es um möglichst klimaneutrale Mobilität geht.

Weil diese Maxime jedoch nur innerhalb der EU eine oberste Maxime des Verkehrssektors ist, stehen hiesige Autobauer wie Volkswagen, BMW und Mercedes vor einer unsicheren Zukunft: Denn Europa steht gerade mal für knapp 20 Prozent des weltweiten Automarkts.

Wenn es nach einem Bericht des Handelsblatts geht, fahren die drei Konzerne trotzdem die Investitionen in traditionelle Antriebskonzepte deutlich runter.

BMW elektrifiziert Modellangebot – hauptsächlich in Europa

Dabei droht offenbar zwei traditionellen Verbrenneraggregaten langfristig das Ende: Sechszylindern und besonders Dieselmotoren. Während Selbstzünder, die lediglich in Europa eine große Rolle spielen, bald gänzlich verschwinden sollen, sind die Zukunftsaussichten bei den Benzinern anders.

BMW beabsichtigt demnach, für die neue 5er-Modellreihe (seit Ende 2023) in Europa jedes zweite Fahrzeug mit Elektroantrieb auszuliefern, während die restlichen Varianten durch elektrifizierte Verbrenner (Vierzylinder-Benziner und Diesel als Mildhybrid) sowie Plug-in-Hybride abgedeckt werden.

Global sehe die Motorenstrategie anders aus: Rund 60 Prozent des 5er-BMW sollen mit Verbrennungsmotoren ausgestattet werden. Für bedeutende Märkte wie die USA werden insbesondere klassische Sechszylinder-Motoren verbaut – produziert in Steyr (Österreich).

EU plant Verbrennerverbot – USA und China gehen anderen Weg

„Die Premiumhersteller werden versuchen, die Sechs- und Achtzylinder als leistungsstarke Plug-in-Hybride möglichst lange im Markt zu halten, denn die großen Benziner laufen vor allem in den USA sehr gut“, wird Dietmar Voggenreiter von der Beratungsagentur Horváth in dem Bericht zitiert. 

Die Regulierung auf EU-Ebene mit immer strengen Schadstoffvorgaben und dem drohenden Verbrenner-Aus bewegt Autokonzerne dazu, zweigleisig zu planen. „Ein Verbot gibt es zunächst 2035 nur für Europa, in den USA und China ist die Entwicklung sehr viel offener“, führt der frühere Audi-Vorstand aus.

Was diese These belegt: In den Vereinigten Staaten könnte Donald Trump wieder an die Macht kommen, dann werden Verbrenner mutmaßlich eine „Renaissance“ erleben. China peilt die Klimaneutralität im Verkehrssektor erst im Jahr 2060 an – auch dort ist ein Ende also noch nicht absehbar.

Im Video: Laut einer Umfrage stellen Verbrennermotoren für die meisten Autokäufer die bevorzugte Antriebsgattung dar

Mercedes kann es sich noch nicht leisten, auf Benziner zu verzichten

Mercedes will künftig angeblich bei Kompaktklasse-Neuheiten auf Diesel und Plug-in-Hybride verzichten: Die Antriebe der Modellreihen CLA, GLA und GLB sollen laut Handelsblatt stattdessen vollelektrisch oder mit Benziner entwickelt werden. Trotzdem bleiben die Stuttgarter dem Verbrennermotor offenbar länger treu als geplant: Das liegt mitunter daran, dass es im Bereich Elektroautos Probleme gibt und der Fokus beim Absatz insbesondere auf dem US-Markt liegt, wo hauptsächlich Benziner gefragt sind. 

Aus diesem Grund verschwindet diese Antriebsart noch lange nicht aus dem Portfolio: So werden deswegen auch die Achtzylinder M176 und M177 weiterentwickelt, weil sie in renditestarken Modellen verbaut sind und diese nach wie vor beliebt sind.

Verbrenner in Europa: Zukunft ungewiss – Mercedes und Co. sorgen vor

Das Portfolio an Benzinmotoren bleibt im Hause Mercedes-Benz den Angaben zufolge umfangreich, egal ob Vier- oder Sechszylinder. Mit dem chinesischen Konzern Geely entwickelt und produziert man sogar gemeinsam Drei- und Vierzylinder. 

Am oberen Ende soll allerdings der Zwölfzylinder in den Ruhestand geschickt werden, dieses Aggregat wird laut Insidern nicht weiterentwickelt. Ebenfalls vom Aussterben bedroht ist offenbar der hauseigene Sechszylinder-Diesel (OM656), weil die Produktionsrate (jährlich rund 55.000 Einheiten in Deutschland) eher niedrig sei. Insgesamt sollen bei Mercedes die Investitionen im Bereich Verbrenner schon bis 2026 massiv gesenkt werden.

Dabei geht es bei der Antriebstechnologie immer um den Spagat, zwischen Europa und anderen Kontinenten zu unterscheiden. Allerdings könnten sich diese Vorzeichen ändern, sollte sich an der EU-Strategie bezüglich Elektrifizierung etwas ändern: Politiker wie Friedrich Merz zweifeln an der Richtigkeit und wollen das Verbrenner-Aus kippen.

VW setzt noch lange auf Vierzylinder – Renault mit neuer Motorentaktik

Und wie plant Volkswagen die Abkehr von traditionellen Antriebspfaden? Die Entwicklung neuer Verbrenner soll bis 2026 beendet werden und der Verkauf von Benzin- und Dieselmotoren 2033 beendet. Allerdings bewahren sich die Wolfsburger offenbar einen Trumpf, der noch lange in zahlreichen Modellen zum Einsatz kommt: Der Vierzylindermotor 1.5 TSI Evo2 wird noch Jahre eine „tragende Säule“ sein und in kleinen bis mittelgroßen Fahrzeugen zum Einsatz kommen. 

Warum Verbrenner neben E-Autos existieren müssen

Infrastruktur: E-Autos benötigen eine entsprechende Infrastruktur, um aufgeladen zu werden. Derzeit gibt es noch nicht genügend öffentliche Ladestationen, um den Bedarf zu decken. Für lange Strecken oder abgelegene Orte sind Verbrenner daher immer noch die praktikablere Option.
Infrastruktur: E-Autos benötigen eine entsprechende Infrastruktur, um aufgeladen zu werden. Derzeit gibt es noch nicht genügend öffentliche Ladestationen, um den Bedarf zu decken. Für lange Strecken oder abgelegene Orte sind Verbrenner daher immer noch die praktikablere Option. © IMAGO/Robert Poorten
Kosten: E-Autos sind in der Regel teurer als Verbrenner und nicht jeder kann sich diese höheren Kosten leisten. Zudem sind E-Autos nicht in allen Größen und Varianten erhältlich, so dass es für manche Anforderungen noch keine entsprechenden E-Autos gibt.
Kosten: E-Autos sind in der Regel teurer als Verbrenner und nicht jeder kann sich diese höheren Kosten leisten. Zudem sind E-Autos nicht in allen Größen und Varianten erhältlich, so dass es für manche Anforderungen noch keine entsprechenden E-Autos gibt. © IMAGO
Reichweite: E-Autos haben im Vergleich zu Verbrennern immer noch eine begrenzte Reichweite, die oft nicht ausreicht, um lange Strecken zurückzulegen. Auch wenn die Reichweite von E-Autos in den letzten Jahren gestiegen ist, können Verbrenner immer noch eine größere Reichweite bieten.
Reichweite: E-Autos haben im Vergleich zu Verbrennern immer noch eine begrenzte Reichweite, die oft nicht ausreicht, um lange Strecken zurückzulegen. Auch wenn die Reichweite von E-Autos in den letzten Jahren gestiegen ist, können Verbrenner immer noch eine größere Reichweite bieten. © IMAGO/Ralf Homburg
Umwelt: Obwohl E-Autos eine sauberere und umweltfreundlichere Alternative zu Verbrennern sind, müssen auch ihre Produktionsprozesse und ihre Stromversorgung berücksichtigt werden. Bis zur vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energien werden Verbrenner noch benötigt, um den Energiebedarf zu decken.
Umwelt: Obwohl E-Autos eine sauberere und umweltfreundlichere Alternative zu Verbrennern sind, müssen auch ihre Produktionsprozesse und ihre Stromversorgung berücksichtigt werden. Bis zur vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energien werden Verbrenner noch benötigt, um den Energiebedarf zu decken. © IMAGO/Florian Gaertner
Bedienkomfort: Für viele Menschen ist das Fahren eines Verbrenners noch immer vertrauter und einfacher als das Fahren eines E-Autos. Auch wenn sich dies mit der Zeit ändern wird, kann es eine Weile dauern, bis sich die breite Bevölkerung an das Fahren von E-Autos gewöhnt hat.
Bedienkomfort: Für viele Menschen ist das Fahren eines Verbrenners noch immer vertrauter und einfacher als das Fahren eines E-Autos. Auch wenn sich dies mit der Zeit ändern wird, kann es eine Weile dauern, bis sich die breite Bevölkerung an das Fahren von E-Autos gewöhnt hat. © IMAGO/David Munoz
Ladezeit: Das Aufladen eines E-Autos dauert länger als das Betanken eines Verbrenners. Dies kann zu Verzögerungen und Wartezeiten führen, die bei Verbrennern nicht auftreten. Für Menschen, die viel unterwegs sind und nicht auf eine schnelle Mobilität verzichten können, sind Verbrenner daher oft die praktikablere Option.
Ladezeit: Das Aufladen eines E-Autos dauert länger als das Betanken eines Verbrenners. Dies kann zu Verzögerungen und Wartezeiten führen, die bei Verbrennern nicht auftreten. Für Menschen, die viel unterwegs sind und nicht auf eine schnelle Mobilität verzichten können, sind Verbrenner daher oft die praktikablere Option. © IMAGO/Michael Gstettenbauer
Verfügbarkeit von Ladestationen: Auch wenn die Anzahl der öffentlichen Ladestationen zunimmt, sind E-Auto-Fahrer immer noch auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Ladestationen angewiesen. In ländlichen Gebieten oder auf Fernstraßen kann es jedoch immer noch an Ladestationen mangeln, was Verbrenner zu einer zuverlässigeren Wahl macht.
Verfügbarkeit von Ladestationen: Auch wenn die Anzahl der öffentlichen Ladestationen zunimmt, sind E-Auto-Fahrer immer noch auf eine ausreichende Verfügbarkeit von Ladestationen angewiesen. In ländlichen Gebieten oder auf Fernstraßen kann es jedoch immer noch an Ladestationen mangeln, was Verbrenner zu einer zuverlässigeren Wahl macht. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Wartung: E-Autos haben in der Regel weniger bewegliche Teile als Verbrenner, was sie insgesamt wartungsärmer macht. Dennoch können Reparaturen oder Wartungsarbeiten an einem E-Auto teurer und zeitaufwendiger sein als an einem Verbrenner. Für Menschen, die keine Zeit oder das nötige Geld haben, können Verbrenner daher immer noch die bessere Wahl sein.
Wartung: E-Autos haben in der Regel weniger bewegliche Teile als Verbrenner, was sie insgesamt wartungsärmer macht. Dennoch können Reparaturen oder Wartungsarbeiten an einem E-Auto teurer und zeitaufwendiger sein als an einem Verbrenner. Für Menschen, die keine Zeit oder das nötige Geld haben, können Verbrenner daher immer noch die bessere Wahl sein. © IMAGO/Bernd Feil
Reichweite bei schlechtem Wetter: Die Reichweite von E-Autos kann bei extremen Temperaturen oder schlechtem Wetter beeinträchtigt werden. Dies kann zu Problemen führen, insbesondere wenn das E-Auto für lange Strecken eingesetzt werden soll. Verbrenner haben hier einen Vorteil, da sie nicht von solchen Faktoren beeinflusst werden.
Reichweite bei schlechtem Wetter: Die Reichweite von E-Autos kann bei extremen Temperaturen oder schlechtem Wetter beeinträchtigt werden. Dies kann zu Problemen führen, insbesondere wenn das E-Auto für lange Strecken eingesetzt werden soll. Verbrenner haben hier einen Vorteil, da sie nicht von solchen Faktoren beeinflusst werden. © IMAGO/Ray van Zeschau
Flexibilität bei der Energieversorgung: Verbrenner können mit einer Vielzahl von Brennstoffen betrieben werden, darunter Benzin, Diesel, Ethanol oder Wasserstoff. E-Autos sind hingegen auf eine Stromversorgung angewiesen und müssen daher an eine Stromquelle angeschlossen werden. In einigen Gebieten kann die Stromversorgung jedoch instabil sein oder es kann zu Stromausfällen kommen. Verbrenner bieten hier mehr Flexibilität in Bezug auf die Energieversorgung.
Flexibilität bei der Energieversorgung: Verbrenner können mit einer Vielzahl von Brennstoffen betrieben werden, darunter Benzin, Diesel, Ethanol oder Wasserstoff. E-Autos sind hingegen auf eine Stromversorgung angewiesen und müssen daher an eine Stromquelle angeschlossen werden. In einigen Gebieten kann die Stromversorgung jedoch instabil sein oder es kann zu Stromausfällen kommen. Verbrenner bieten hier mehr Flexibilität in Bezug auf die Energieversorgung. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Eine eigene Taktik wendet der französische Autobauer Renault zusammen mit Geely und dem Ölkonzern Aramco aus Saudi-Arabien an: Das Joint-Venture “Horse” beabsichtigt die gemeinsame Motorenproduktion an wenigen Standorten und plant mit einer Steigerung von fünf auf insgesamt acht Millionen Verbrennermotoren für diverse globale Märkte. 

Neben der Verwendung für eigene Marken sollen sich auch andere Hersteller aus dem Regal bedienen können. (PF)

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