Sinneswandel: Verkauft VW in Deutschland bald auch Autos „Made in China“?
VonMarkus Hofstetter
schließen
Der VW-Konzern will mit Xpeng zusammenarbeiten, um Elektroautos für den chinesischen Markt zu bauen. Die neuen Modelle könnten aber auch in Europa auftauchen.
Shanghai - VW hat in China einen schweren Stand, die Verkaufszahlen brechen vor allem bei Elektroautos ein. Das Absatzziel von 200.000 E-Autos in diesem Jahr scheint mit bisher 62.400 verkauften Einheiten unerreichbar. Ein Grund für das Desaster ist, dass chinesische Autokäufer hohe Erwartungen an den Funktionsumfang von Elektrofahrzeugen haben. VW trifft den chinesischen Geschmack bei Ausstattung, Vernetzung und Infotainmentsystemen einfach nicht.
Zusammen mit Xpeng sollen Elektroautos für China in China gebaut werden
Einen Ausweg aus der Misere sieht VW in der Zusammenarbeit mit einem chinesischen Konkurrenten. So soll der Rückstand gegenüber den starken einheimischen Elektroautobauern wie BYD aufgeholt werden. Als Partner hat sich VW Xpeng ausgesucht. Für 700 Millionen US-Dollar wollen die Wolfsburger knapp fünf Prozent der Anteile an dem chinesischen Autohersteller kaufen, die Zustimmung der Behörden steht allerdings noch aus.
VW könnte ein gemeinsam mit Xpeng in China entwickeltes und gebautes Elektroauto nach Europa exportieren. Der im FAW-Volkswagen Automotive-Werk in Tianjin gebaute SUV-Modell Tayron ist nur für den chinesischen Markt bestimmt.
Gemeinsam wollen sie zwei Elektro-Modelle der Mittelklasse entwickeln, die 2026 auf den chinesischen Markt kommen sollen. Sie sollen im VW-Werk im ostchinesischen Hefei in der Provinz Anhui vom Band rollen. „Lokale Partnerschaften sind ein wesentlicher Baustein der „in China für China“-Strategie des Volkswagen-Konzerns. Damit beschleunigen wir jetzt den Ausbau unseres lokalen Elektro-Portfolios und bereiten uns gleichzeitig auf den nächsten großen Innovationssprung vor“, sagte Ralf Brandstätter, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG für China.
Abkehr von VW von der „in China für China“-Strategie: Export nach Europa steht im Raum
Mit dieser Strategie ist VW nicht allein. Auch die Schwestermarke Audi sieht Handlungsbedarf und weitet die Zusammenarbeit mit dem lokalen Joint-Venture-Partner SAIC aus. Gemeinsam will man Premium-Elektroautos bauen.
Elektroauto-Markt in China boomt: Zehn Marken, die Sie kennen sollten
Bei der Bekanntgabe der Kooperation Ende Juli sprach Brandstätter noch explizit von einer „in China für China-Strategie“. Doch Konzernchef Oliver Blume hat diese Aussage nun relativiert. „In unserer Rahmenvereinbarung mit Xpeng besteht die Möglichkeit, auch den Schritt aus China herauszugehen“, sagte er in der Automobilwoche. Ob damit auch der Export der in China entwickelten Autos nach Europa und Deutschland gemeint ist, ließ Blume offen. Zunächst konzentriere man sich auf das Geschäft in China.
Abkehr von VW von der „in China für China“-Strategie: Der Cupra Tavascan könnte als Vorbild dienen
Der Export von in China gebauten VW-Elektromodellen scheint jedoch nicht abwegig zu sein. So hat die Seat-Tochter Cupra ihr Modell Tavascan zwar in Barcelona entwickelt und designt, gebaut wird das SUV-Coupé auf Basis des MEB-Baukastens aber bei Volkswagen im chinesischen Anhui. Von dort aus wird auch der weltweite Vertrieb erfolgen.