Bestseller VW Golf: Bei der nächsten Generation wird alles anders
VonPatrick Freiwah
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Der VW Golf ist das meistverkaufte Modell des Herstellers. Mit der nächsten, neunten Generation der Kompaktklasse stehen einschneidende Änderungen bevor.
Wolfsburg/München - Seit Ex-VW-Chef Herbert Diess in Wolfsburg nicht mehr an der Macht ist, hat Volkswagen einige der ursprünglichen Planungen geändert oder ganz verworfen. Davon ist offenbar auch der VW Golf als meistverkauftes Modell der Markenhistorie betroffen.
Thomas Schäfer, Markenchef der Pkw-Sparte, gibt (via Autocar) Einblicke in die Gedankenspiele für die neunte Generation des Bestsellers. Zwar steht im kommenden Jahr erstmal ein Facelift der aktuellen Generation an, schon jetzt gibt es offenbar konkrete Anhaltspunkte, wie der Nachfolger konzipiert wird. Und da gibt es spannende Informationen bezüglich Antrieb und Preis.
Im Interview lässt sich Schäfer spannende Details entlocken: über veränderte Plattform-Pläne, das Thema Kosten und auch die Verwandtschaft zum Audi A3 ist von der neuen Strategie betroffen.
Der neue VW Golf soll ausschließlich als Elektroauto erscheinen. Das für sich genommen ist keine neue Info, allerdings äußert sich der VW-Chef zur bestehenden Modellreihe ID.3 und inwiefern sich die beiden Modelle dann ergänzen. Im Jahr 2028 soll - Stand jetzt - die neue Kompaktklasse erscheinen, Verbrennervarianten (Benzin, Diesel, Hybride) sind dann nicht mehr erhältlich.
Das Besondere: Offenbar wird der nächste Golf das erste Modell, welches auf der neuen SSP-Plattform erscheint. Diese Rolle war ursprünglich für die Serienversion des Projekts “Trinity” vorgesehen, einem geplanten Flaggschiff-Modell. Diese Absicht, die noch aus der Ära Diess und Ex-Markenchef Ralf Brandstätter stammt, ist den Angaben zufolge verworfen worden.
VW: Nächste Golf-Generation mit 800-Volt-Technik und enormer Ladeleistung
Mit dem Wechsel auf eine neue Plattform (weg von der MEB-Architektur) dürfen wir vom VW Golf 9 eine enorme Technologie-Evolution erwarten: Die Rede ist von einem 800-Volt-Bordnetz und Ladeleistungen, die weit über den aktuellen VW-Elektroautos liegen. Das Limit stellt derzeit der neue VW ID.7 in Aussicht, mit einer Ladeleistung von bis zu 200 kW auf Basis der MEB-Plattform.
In Sachen Ladegeschwindigkeit könnte der Akku des Golf 9 (2028) laut Autocar in gerade mal zwölf Minuten von 10 auf 80 Prozent Leistung gebracht werden. Bei den derzeitigen Stromern von Volkswagen nehme dieser Vorgang ca. 35 Minuten in Anspruch. Auch im Bereich autonomes Fahren soll ein Quantensprung anvisiert sein, die Rede ist von Level 4.
VW ID.Golf könnte ähnlich günstig wie Verbrennermodelle werden
In dem Gespräch ist auch vom Preisgefüge des nächsten Golf Elektro die Rede: Die Entwicklungskosten könnten demnach gegenüber den jetzigen Elektromodellen um imposante 30 Prozent gedrosselt werden, was sich auch auf die Anschaffungskosten auswirkt. Für den Konzern sollen dann ähnliche Gewinnmargen wie bei Verbrennermodellen entstehen - und damit die Kaufpreise für die Kundschaft sinken. Ob sich dieses Szenario bewahrheitet? Wir dürfen gespannt sein.
Die neuen Pläne im Hause Volkswagen betreffen auch die Konzernschwester Audi: Als Premium-Pendant befindet sich schließlich seit langem der A3 im Portfolio. Das wird sich aufgrund der Plattform-Pläne angeblich ändern: denn am Rande der IAA gab Oliver Hoffmann, Vorstand im Bereich technische Entwicklung, dem britischen Portal Auskunft über die nächste Generation des Ingolstädters.
VW-Pläne betreffen auch die Konzerntochter Audi und den elektrischen A3
Weil der Hersteller offenbar nicht auf die nächste elektrische Golf-Generation warten möchte (oder kann), sollen beide Modellreihen künftig nicht mehr auf der gleichen Plattform entstehen. Stattdessen könnte etwa ein Jahr früher als der VW Golf 9 der nächste Audi A3 erscheinen (womöglich als A2 e-tron), ausschließlich elektrisch und dem Vernehmen nach auf der dann weiterentwickelten MEB+-Architektur. Die wird von Volkswagen übrigens nur deshalb vorangetrieben, weil sich die Serienreife der ursprünglich für 2026 geplanten SSP-Plattform verzögert.
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Noch ungewiss scheint derweil, inwiefern die kompakten Elektroautos VW ID.Golf (Name noch unbestätigt) und VW ID.3 nebeneinander koexistieren können. Zunächst soll der Golf 9 laut Autocar unterhalb des ID.3 und über dem geplanten VW ID.2 platziert sein, eine Länge von etwa vier Metern aufweisen und flacher sein. Langfristig könnte der ID.3 in die Golf-Familie integriert werden und in ein Verhältnis analog der Golf-Plus-Modelle gerückt werden. Das sei laut Schäfer jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Stein gemeißelt. (PF)