VonMarkus Hofstetterschließen
Premium- und Oberklasse-Modelle haben bisher das Monopol auf autonomes Fahren. VW und Bosch wollen durch ihre Partnerschaft diese Technologie demokratisieren.
München – In Europa sind immer mehr Fahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen ausgestattet. Laut dem „Europe Autonomous Vehicle Tracker Q1 2025“ des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research waren im ersten Quartal dieses Jahres 67 Prozent der verkauften Neuwagen mit einem System für autonomes Fahren der Stufe 1 oder 2 ausgestattet. Autonomie der Stufe 2 ist demnach in Fahrzeugen der mittleren bis oberen Preisklasse weit verbreitet und erreichte im ersten Quartal 2025 eine Verkaufsdurchdringung von 38 Prozent, gegenüber 33 Prozent im ersten Quartal 2024.
VW und Bosch entwickeln Autopilot für den Massenmarkt: Nur wenige Level-3-Systeme werden verkauft
Derzeit sind Mercedes-Benz mit der S-Klasse und EQS sowie BMW mit den 7er-Modellen die einzigen europäischen Automobilhersteller, die ein zertifiziertes Level-3-System anbieten. Allerdings ist die Nachfrage gering. So waren im ersten Quartal 2025 weniger als 0,5 Prozent der in Deutschland verkauften Neufahrzeuge Level-3-fähig. Laut Counterpoint Research liegen die Ursachen in den hohen Systemkosten von rund 6000 Euro und den noch eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten, wie beispielsweise einer Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung und der Beschränkung auf Autobahnen.
Level-3-Systeme sind bei europäischen Anbietern bisher nur in Oberklassemodellen verfügbar. Cariad, die Automotive-Software-Marke des VW-Konzerns, und Bosch wollen das ändern. Im Jahr 2022 haben sie die „Automated Driving Alliance” ins Leben gerufen, um gemeinsam Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen bis hin zu einem Level-3-System für den Massenmarkt zu entwickeln. Diese sollen so kosteneffektiv sein, dass sie für alle zugänglich sind und sich in alle Fahrzeugsegmente integrieren lassen.
Autonomes Fahren in fünf Stufen
Level 1: Es umfasst Assistenzsysteme wie den Tempomaten mit Abstandsregelung oder die Spurverlassenswarnung.
Level 2: Autos können die Längs- und Querführung unter Umständen alleine übernehmen. Die Aufsicht liegt aber noch beim Fahrer, der stets aufmerksam bleiben und die Hände am oder in der Nähe des Lenkrads haben muss.
Level 3: Hier kann der Fahrer die Augen von der Straße nehmen und sich kurzfristig mit etwas anderem beschäftigen. Er muss aber nach kurzer Vorwarnung jederzeit bereit sein, das Kommando zu übernehmen.
Level 4: Hier können sich Fahrer auf Teilstücken ganz auf andere Dinge konzentrieren oder sogar schlafen.
Level 5: Beim völlig autonomen Fahren ist kein Fahrer mehr nötig. Diese Roboterautos brauchen auch keine Lenkräder oder Pedale mehr.
VW und Bosch entwickeln Autopilot für den Massenmarkt: Mitte 2026 soll Level 2 erreicht werden
In einem ersten Schritt soll das System von VW und Bosch im kommenden Jahr Level 2 erreichen. „Mitte 2026 wird die Software, die wir gemeinsam entwickelt haben, für den Einsatz in Serienfahrzeugen bereit sein“, kündigt Mathias Pillin, Entwicklungschef der Automobilsparte von Bosch, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an. Danach soll möglichst schnell die Stufe 3 erreicht werden.
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Langfristig sollen Millionen von Fahrzeugen der Volkswagen Group – vom Volumen- bis zum Premiumsegment – mit diesen gemeinsam entwickelten Fahrfunktionen der Level 2 und 3 ausgestattet werden. Darüber hinaus wird Bosch diese skalierbare Lösung auch anderen Automobilherstellern zur Verfügung stellen.
VW und Bosch entwickeln Autopilot für den Massenmarkt: Die Konkurrenz ist groß
Außereuropäische Anbieter sind allerdings schon weiter. So bietet die Google-Tochter Waymo im Silicon Valley und in Los Angeles bereits Fahrten mit fahrerlosen Robottaxis an. Tesla hat erst vor kurzem die ersten Robotaxis in Austin in Betrieb genommen.
Der US-Mobilitätsdienstleister Lyft und das chinesische Technologieunternehmen Baidu haben Anfang August mitgeteilt, im nächsten Jahr einen Robotaxi-Service in Deutschland und dem Vereinigten Königreich starten zu wollen. Und der chinesische Elektroautohersteller BYD kündigte im Februar an, mit dem „God’s Eye“ genannten System das automatisierte Fahren anzubieten.
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