Wachstumswunder?

Russlands Wirtschaft wächst trotz Sanktionen – und hängt den Westen ab

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Die westlichen Sanktionen haben immer größere Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Trotzdem steht ein Wachstum bevor. Russland wächst deutlicher als europäische Länder.

Washington, DC – Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs versuchen die westlichen Staaten, Russland mittels wirtschaftlicher Sanktionen Schaden zuzufügen. Zuletzt gab Russland an, ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent hingelegt zu haben. Eine aktuelle Prognose sieht voraus, dass Russland auch 2024 stärker wächst als der Westen.

IWF sagt Wachstum von Russlands Wirtschaft voraus

2024 soll Russlands Wirtschaft um 3,2 Prozent wachsen. Das berichtete der Internationale Währungsfonds (IWF) unter Berufung auf neue Wirtschaftsdaten. Im Vergleich zum Wachstum im Jahr 2023 von 3,6 Prozent, das einige Experten nach wie vor anzweifeln, würde das einen deutlichen Rückgang bedeuten. Allerdings wachse Russland damit immer noch stärker als viele westliche Länder. Deutschland wiederum stellte der IWF in derselben Prognose ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent in Aussicht.

Russlands Präsident Putin sitzt an einem Tisch (Symbolfoto). Die westlichen Sanktionen haben immer größere Auswirkungen auf die russische Wirtschaft. Trotzdem steht ein Wachstum bevor.

Warum steht die Kreml-Nation so stark da? Erstens, so berichtete der IWF, liegt das an den stabilen Ölexporten des Landes. Zwar versucht der Westen, durch ein Preislimit die russischen Gewinne aus dem Ölexport zu beschränken, aber Wladimir Putin sucht ständig neue Wege, um verschiedene Sanktionen zu umgehen. Beim Ölhandel zum Beispiel greift Russland auf eine Schattenflotte zurück, die das Öl umlegt und am Ende trotzdem in den Westen bringt. Es tobt ein regelrechter Kleinkrieg um die Durchsetzung (vonseiten des Westens) und die Umgehung (vonseiten Russlands) von Sanktionen.

Zweitens sollen die Investments von privaten Unternehmen sowie Unternehmen im Staatsbesitz sowie der „robuste private Konsum“ die russische Wirtschaft stützen. Trotz der westlichen Sanktionen, die wegen des völkerrechtswidrigen Einmarschs Russlands in die Ukraine gegen Putin erlassen wurden, hatte der IWF seine Prognose für das russische Wirtschaftswachstum leicht angehoben. In 2025 soll das Wachstum weiter schrumpfen, aber dennoch höher liegen als noch im Januar vorhergesehen.

Gutes Zeugnis für globale Wirtschaft – aber der Westen schwächelt

Insgesamt, so teilte der IWF weiter mit, sei die globale Wirtschaft „erstaunlich widerstandsfähig“. „Trotz vieler durchwachsener Voraussagen ist die Welt einer Rezession entgangen“, zitierte die BBC den IWF. „Das Bankensystem hat sich widerstandsfähig gezeigt, und die Volkswirtschaften der großen Schwellenländer haben keine plötzlichen Einbrüche erlitten.“

Für Europa und das Vereinigte Königreich steht nunmehr ein Wachstum von 0,5 bevor, prognostizierte der IWF. Das Vereinigte Königreich soll dabei fast die schwächste Performance innerhalb der G7-Nationen hinlegen – nur Deutschland schneidet laut Vorhersage noch schwächer ab.

Westliche Sanktionen zeigen mehr Wirkung auf Russlands Wirtschaft

Trotz der Wachstumsprognose wird Putin auch für das Jahr 2024 mit Problemen in der Wirtschaft rechnen müssen. Wirtschaftsexperten sehen die ersten Anzeichen für den wirtschaftlichen Verfall Russlands. Um die Wirtschaft zu stützen, hatte Putin bereits gewaltige Mengen aus dem russischen Wohlstandsfonds abgezogen, einer eisernen Reserve für Krisenzeiten. Das aktuell erstaunlich starke Wachstum sei keinesfalls nachhaltig, warnte zum Beispiel der frühere Botschafter Rüdiger von Fritsch. Russland gebe 40 Prozent seiner Ausgaben für den Krieg aus – vieles davon gehe buchstäblich in Flammen auf.

Außerdem koste es jede Menge Geld, um die Sanktionen zu umgehen. Anstatt zum Beispiel Öl oder Diamanten direkt nach Europa zu schicken, müsse Russland (zum Beispiel im Falle der Diamanten) den Umweg über China oder Indien gehen, um die Produkte ausreichend zu verschleiern. Diese Kosten tauchen in den Zahlen zum russischen Gewinn aus Diamanten nur selten auf.

Und zuletzt senden die bisherigen Handelspartner Russlands seit einigen Wochen gemischte Signale. Zum Beispiel haben drei große chinesische Banken den Zahlungsverkehr nach Russland beendet. Indien gab bereits an, sich womöglich einen neuen Lieferanten für Öl zu besorgen. Europa eruiert derzeit, wie es mit dem eingefrorenen Milliardenvermögen Russlands umgehen sollte.

Rubriklistenbild: © IMAGO / SNA

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