VonLisa Mayerhoferschließen
In Deutschland werden immer weniger Wohnungen gebaut – trotz Wohnungsnot. Nun verzichtet sogar der Immobilien-Riese Vonovia vorerst auf den Bau Zehntausender neuer Wohnungen.
Berlin – Die Baukrise macht auch vor Deutschlands größten Immobilienkonzern Vonovia nicht halt. Dieser verzichtet nach eigenen Angaben wegen hoher Zinsen und Baukosten vorerst auf den Bau Zehntausender neuer Wohnungen. Zudem spricht sich der Vorstandschef gegen einen Mietenstopp aus.
Vonovia stoppt Bau von 60.000 Wohnungen
„Bei uns liegen Planungen für insgesamt 60.000 Wohnungen in der Schublade“, sagte Vorstandschef Rolf Buch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir machen alles fertig bis zum Baurecht. Und hoffen, dass sich Bauen bald wieder lohnt und rechnet. Dann wollen wir sofort wieder bauen.“
Mit dem Problem steht Vonovia nicht alleine da: Die Zahl der Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen brach im Juli um 31,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurden damit 156.200 Wohnungen genehmigt. Das entspricht einem Rückgang um 27,8 Prozent auf 156.200. Die Bundesregierung hat sich eigentlich das Ziel von jährlich 400.000 Wohnungen gesetzt, um dem wachsenden Bedarf vor allem in den Großstädten zu begegnen. Das dürfte sie nach Einschätzung von Fachleuten aber deutlich verfehlen.
Aus Sicht von Buch fehlen in Deutschland derzeit sogar mehr als eine Million Wohnungen. „Meine Schätzung ist: Wir brauchen 700.000 Wohnungen im Jahr, auch wegen der zunehmenden Zuwanderung.“ Das Problem seien also nicht eine Million Wohnungen, sondern dass in sehr kurzer Zeit mehrere Millionen Wohnungen fehlten.
Baukosten zu hoch – Vonovia-Chef gegen Mietenstopp
Doch derzeit stockt es überall beim Bau neuer Wohnungen. Denn: Früher hätten die Baukosten bei 3000 Euro pro Quadratmeter gelegen, heute seien es 5000 Euro, erklärt eine Unternehmenssprecherin. „Unsere durchschnittliche Miete im Bestand liegt bei rund 7,50 Euro, bei uns wohnen viele Menschen mit mittleren oder geringen Einkommen. Deshalb achten wir auch bei Neubauten auf bezahlbare Mieten um die 10 bis 12 Euro.“ Die hohen Bau- und Finanzierungskosten würden demnach zu einer Miete von 20 Euro pro Quadratmeter im Neubau führen. „Das können sich aber viele Menschen nicht mehr leisten“, hieß es.
Von einem Mietenstopp, wie ihn die SPD-Spitze Ende August in einem Beschlusspapier gefordert hatte, hält Buch allerdings wenig. „Allein die Diskussion erschwert schon neue Investitionen. Ein tatsächlicher Mietenstopp würde dazu führen, dass noch weniger gebaut wird als jetzt schon.“
Mit Material der dpa und Reuters
