Weniger Gehalt auf dem Konto: Löhne steigen langsamer – auch wegen Trump
VonUlrike Hagen
schließen
Donald Trumps Zoll-Politik macht sich in der Lohnentwicklung bemerkbar. Ökonomen liefern erste Zahlen zu den Auswirkungen auf die Gehälter – und geben Prognosen ab.
Köln – Eigentlich sah es gar nicht so schlecht aus für die Gehälter 2025 – doch dann kamen politische Turbulenzen und die verheerende Handelspolitik von Donald Trump dazwischen. Eine aktuelle Analyse zeigt nun: Beschäftigte müssen sich mit einer geringeren Lohnerhöhung zufriedengeben als prognostiziert. Ursache ist die große Unsicherheit in Unternehmen, nicht zuletzt auch bedingt durch Trumps Zölle, die Deutschlands Wirtschaft treffen – und damit indirekte Auswirkungen auf die Gehälter haben. Experten wagen weitere Prognosen.
Donald Trumps Zoll-Politik macht sich in der Lohnentwicklung bemerkbar: In Unternehmen herrscht große Unsicherheit – Ökonomen liefern erste Zahlen zu den Auswirkungen auf die Gehälter.
Donald Trumps Wirtschafts-Chaos und Ampel-Aus: Das sind die Auswirkungen auf die Löhne
Die Löhne in diesem Jahr steigen viel zaghafter als geplant. Das zeigt der neue „Faktencheck Gehaltsentwicklung“ von Kienbaum, für den 670 Firmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden. Vor sechs Monaten veröffentlichte das Beratungsunternehmen seine Gehaltsentwicklungsprognose für das Jahr 2025: Damals wurde die durchschnittliche Gehaltserhöhung in Deutschland auf 3,8 Prozent geschätzt, die neuen Analysen korrigieren die Zahlen auf 2,9 Prozent nach unten.
„Seit der Gehaltsentwicklungsprognose im vergangenen September ist wahnsinnig viel passiert“, berichtet Michael Kind, Mitarbeiter an der Studie, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA: „Erst der Ampel-Bruch im November, dann gewann Donald Trump die Wahlen“. Mit bekannten Folgen: Der neue US-Präsident zettelte einen globalen Handelskrieg an. „Die Unsicherheit in den Betrieben ist groß, viele Firmen budgetieren vorsichtig, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt – und ob sie sich die Gehaltssteigerungen überhaupt erlauben können“, so Kind.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Trumps Zoll-Politik setzt viele Unternehmen unter Druck: Löhne und Arbeitsplätze betroffen
Die Auswirkungen der Trump‘ schen Zoll-Politik kommen nicht überraschend: Simulationsrechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hatten vorgezeichnet, dass die zweite Trump-Ära die EU und Deutschland teuer zu stehen kommen wird: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte in den ersten beiden Jahren nach Einführung der Zölle dadurch gut ein Prozent niedriger ausfallen als ohne eine solche Zolleskalation, so die Berechnungen.
„Unsicherheit pur“: Trumps Zölle treffen Deutschland – es hat laut Experten Folgen für die Löhne
Doch auch die innenpolitischen Turbulenzen drückten auf die Lohnentwicklung. Michael Kind berichtet, dass die Telefone in dem auf Gehaltsberatungen spezialisierten Unternehmen Kienbaum im ersten Quartal des Jahres gar nicht mehr aufgehört hätten zu klingeln: „Es war beeindruckend, wie viele Kunden wissen wollte, ob die ursprüngliche Gehaltsprognose von 3,8 Prozent angesichts der brisanten Wirtschaftslage noch passend sei“.
Stand heute würde ich davon ausgehen, dass die Herbstprognosen unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegen werden – bei etwa 3 Prozent.
Es herrsche „Unsicherheit pur“, viele hätten sich aufgrund der mangelnden Planungssicherheit von großen Gehaltssteigerungen in der Breite abgesehen: „Selbst die Tarifabschlüsse, beispielsweise bei der IG Metall mit zwei Prozent mehr Lohn sind unerwartet niedrig ausgefallen“.
Überdurchschnittliche Lohnzuwächse nur in der IT-, Immobilien- und Finanzbranche
Zwischen den Branchen zeigten sich jedoch erhebliche Unterschiede. In der IT-Branche stiegen die Gehälter durchschnittlich um 4,3 Prozent. Auch in der Immobilienwirtschaft und im Finanzsektor ging es mit 3,8 Prozent bzw. 3,6 Prozent durchschnittlicher Lohnsteigerung ordentlich bergauf. Deutlich weniger „Mehr“ gab es dagegen in der Automobilbranche (1,7 Prozent) sowie im Medienbereich, der Metallindustrie und im Bergbau (jeweils 2,1 Prozent).
In der zweiten Jahreshälfte 2024 ist erstmals wieder die Anzahl der Erwerbstätigen gesunken. Das wird die Lohnentwicklung der abhängig Beschäftigten ebenfalls bremsen.
Experten mit Prognose: Gehälter steigen auch zukünftig langsamer
Ökonom Kind erwartet, dass die Gehaltsentwicklung auch im kommenden Jahr eher gebremst verläuft. Er wagt eine Prognose: „Stand heute würde ich davon ausgehen, dass die Herbstprognosen unter dem Niveau der vergangene Jahre liegen werden – bei etwa 3 Prozent“. Tatsächlich sei es aber „wenig seriös“, genaue Vorhersagen zu treffen, „denn vieles hängt nicht nur von den Wirtschaftsentscheidungen der USA ab, sondern auch davon, was die neue Bundesregierung auf den Weg bringt.“
„Schwierige Gemengelage“ drückt auf die Gehälter: Gebremste Lohnentwicklung
Ulrike Stein, Lohnexpertin beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) spricht von einer „insgesamt schwierigen Gemengelage“ für die Wirtschaft, die es wahrscheinlich macht, dass Lohnsteigerungen auch in der nächsten Zeit hierdurch gedämpft werden dürften: „In der zweiten Jahreshälfte 2024 ist erstmals wieder die Anzahl der Erwerbstätigen gesunken. Das wird die Lohnentwicklung der abhängig Beschäftigten ebenfalls bremsen“, so die Ökonomin gegenüber IPPEN.MEDIA, „eine Investitionsoffensive der neuen Bundesregierung könnte dem jedoch positiv entgegenwirken-“