VonAmy Walkerschließen
Die Ampel-Regierung plant eine Erhöhung der Rentenbeiträge ab 2028. Die Auswirkungen auf den Nettolohn könnten erheblich sein.
Berlin – Die Regierung der Ampel-Koalition hat Pläne für eine signifikante Anhebung der Rentenbeiträge ab dem Jahr 2028. Das geht aus dem Gesetzesentwurf zum Rentenpaket II, das am Dienstag (5. März) vorgelegt wurde, hervor. Es wird erwartet, dass der Beitrag zur Rentenversicherung ab 2028 auf 20 Prozent ansteigt und bis 2035 auf 22,3 Prozent erhöht wird.
Rentenniveau absichern und Rentenbeiträge erhöhen
Die Absicht hinter dieser Maßnahme ist es, die Finanzierung eines dauerhaften Rentenniveaus von 48 Prozent zu gewährleisten. Das Rentenniveau gibt an, welchen Prozentsatz eines durchschnittlichen Gehalts ein Rentner im Durchschnitt als Rente erhält. Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen in Deutschland von 49.260 Euro entsprechen 48 Prozent 23.644,80 Euro, was eine monatliche Bruttorente von 1970,40 Euro ergibt. Die tatsächliche Durchschnittsrente liegt jedoch niedriger: 2023 betrug die durchschnittliche Rente für Rentner und Rentnerinnen 1543 Euro pro Monat. Dies zeigt, dass das Rentenniveau eine rein rechnerische Größe ist und sich nicht unbedingt direkt auf die tatsächliche Rentenhöhe auswirkt.
Gemäß dem Gesetzesentwurf müsste das Rentenniveau ab 2028 erstmals wieder gesenkt werden, wenn keine neue Finanzierungsquelle gefunden wird. Daher hat man beschlossen, die Beiträge zu erhöhen und gleichzeitig die Aktienrente einzuführen, um die Rentenkasse aufzufüllen.
In der Vergangenheit gab es bereits eine Erhöhung der Beiträge auf über 20 Prozent. Zwischen 1997 und 1998 betrug der Beitragssatz 20,3 Prozent und wurde 1999 auf 19,5 Prozent gesenkt. Seit 2011 wurden die Beitragssätze dreimal reduziert.
Laut dem neuen Entwurf werden die Beiträge jedoch erstmals auf über 22 Prozent steigen, bis 2035 auf 22,3 Prozent, wie es in einer Einschätzung der Bundesregierung heißt. Wie sich das auf den Nettolohn eines Einzelnen auswirken kann, haben wir hier berechnet:
| Bruttolohn | Rentenbeitrag bei 18,6% | ... bei 20 % | ... bei 22 % | ... bei 22,3 % |
|---|---|---|---|---|
| 2000 Euro | 186,00 Euro/Monat | 200 Euro/Monat | 220 Euro/Monat | 223 Euro/Monat |
| 3000 Euro | 279,00 Euro/Monat | 300 Euro/Monat | 330 Euro/Monat | 334,50 Euro/Monat |
| 3500 Euro | 325,50 Euro/Monat | 350 Euro/Monat | 385 Euro/Monat | 390,25 Euro/Monat |
| 4000 Euro | 372,00 Euro/Monat | 400 Euro/Monat | 440 Euro/Monat | 446 Euro/Monat |
| 4500 Euro | 418,50 Euro/Monat | 450 Euro/Monat | 495 Euro/Monat | 501,75 Euro/Monat |
| 4800 Euro | 446,40 Euro/Monat | 480 Euro/Monat | 528 Euro/Monat | 535,20 Euro/Monat |
| 5000 Euro | 465,00 Euro/Monat | 500 Euro/Monat | 550 Euro/Monat | 557,50 Euro/Monat |
Kritik am Rentenpaket der Ampel: Rentenreform reicht nicht
Die zusätzliche Belastung kann erheblich sein – bereits jetzt muss eine Person mit einem Bruttolohn von 4000 Euro im Monat 842 Euro an Sozialabgaben zahlen. Mit einem Rentenbeitragssatz von 22 Prozent steigt das auf 910 Euro.
Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, hält die aktuellen Rentenpläne der Bundesregierung für unzureichend. Er äußerte die Hoffnung, dass im Laufe der Legislaturperiode noch Maßnahmen in Richtung private Altersvorsorge ergriffen werden, wie er am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“ sagte. „Das kann und muss man tun“, betonte Werding und verwies auf die ursprünglichen FDP-Pläne für eine Aktienrente.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) planen, ihre Pläne für einen neuen milliardenschweren Kapitalstock für die Rentenversicherung auf dem Aktienmarkt vorzustellen. Dies hat jedoch wenig mit dem FDP-Vorschlag zu tun. Beitragsgelder sind für den Kapitalstock nicht vorgesehen. Die FDP hatte im Wahlkampf dafür geworben, dass zwei Prozent des Einkommens in eine kapitalgedeckte Vorsorge investiert werden.
Werding begrüßte die aktuellen Pläne grundsätzlich. „Das ist im Grunde der Weg, mit einer geänderten Altersstruktur langfristig vorzusorgen“, sagte er. Er wies jedoch darauf hin, dass dies nicht ausreichen würde. Der Experte gab auch zu bedenken, dass die Bundesregierung nur mit bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr rechne, die aus den Erträgen am Aktienmarkt aus dem Kapitalstock in die Rentenkasse fließen sollen. Dies sei bei einem System mit Ausgaben von 400 Milliarden Euro ein sehr kleiner Beitrag und decke die Renten nur für etwa eine Woche ab.
Kevin Kühnert, Generalsekretär der SPD, verteidigte den neuen Rentenplan. Er sagte im RTL/ntv-„Frühstart“, es gehe um Planbarkeit in der gesetzlichen Rente. Die Renten würden weiterhin entsprechend der Lohnentwicklung steigen und zukünftige Rentenbezieher hätten eine Sicherung ihres Lebensstandards. Ohne das Paket wäre dies nicht gewährleistet gewesen. Es sei auch sichergestellt, dass nicht mit den Beiträgen der Versicherten spekuliert werde. „Das Risiko liegt nicht bei den Versicherten“, stellte Kühnert klar.
Mit Material von AFP
Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

