Ungewollt kinderlos

Wenn der Arbeitgeber die Samenspende zahlt: Diese Firma unterstützt Mitarbeitende beim Kinderwunsch

  • schließen

Viele Paare wünschen sich ein Kind, werden aber ohne medizinische Hilfe nicht schwanger. Die Kosten für Behandlungen sind teuer - und Krankenkassen zahlen nicht alles. Ein Unternehmen will da jetzt helfen.

Darmstadt – In Deutschland ist nach Angaben des Familienministeriums jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Die Gründe dafür können vielschichtig sein, doch oft kommen diese Paare nicht um medizinische Unterstützung herum, wenn sie ihren Kinderwunsch erfüllen wollen. Und da spielen auch die Kosten eine Rolle: je nachdem, wofür man sich entscheidet, können die Kosten zwischen 700 und 10.000 Euro pro Behandlung liegen. Und meistens braucht es mehr als eine, bis es mit einer Schwangerschaft klappt.

Merck zahlt ab Oktober 2023 Behandlungen in Deutschland

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen auch nicht alle Kosten. Zudem sind die Bedingungen dafür sehr streng, sodass viele Paare – vor allem LGBTQ-Paare – die Kosten am Ende doch ganz zahlen müssen. Deswegen etabliert sich nun auch in Deutschland ein Programm, das in den USA schon sehr häufig vorkommt: Das Unternehmen kommt für die Kosten der Behandlungen ihrer Mitarbeitenden auf. Hierzulande ein noch seltenes Phänomen – aber eines, für das sich der Chemie- und Pharmariese Merck jetzt starkmachen will.

„Als langjährig führendes Unternehmen und Pionier auf dem Gebiet der Fertilität wissen wir um die enorme emotionale und finanzielle Belastung, die Unfruchtbarkeit für die betroffenen Menschen und Familien darstellen kann. Wir freuen uns deshalb sehr, unsere Mitarbeitenden mit dem „Fertility Benefits“-Programm bei der Erfüllung ihres Kinderwunschs unterstützen zu können“, sagt Belén Garijo, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Merck, am Mittwoch (13. September). Ab Oktober 2023 werde das Programm in mehreren Ländern, in denen Merck Standorte hat, ausgerollt. Darunter ist auch Deutschland.

Übernommen werden die Kosten für verschiedene Behandlungen, darunter Fruchtbarkeitstests, In-Vitro-Fertilisationsbehandlungen (IVF) oder Hormontherapien. Vor allem IVF kann für Paare sehr teuer werden: Bei dieser Behandlung wird die Eizelle einer Frau außerhalb der Gebärmutter befruchtet und dann danach wieder eingepflanzt. Häufig braucht es mehrere Versuche – und pro Behandlung können fünfstellige Beträge anfallen. Eine finanzielle Unterstützung vom Arbeitgeber könnte da bei vielen positiv entgegengenommen werden. Das Angebot Mercks soll nicht nur für direkte Mitarbeitende gelten, sondern auch für deren Partner oder Partnerin.

Anforderungen der Krankenkassen sind hoch

Für die Firma Merck macht das Angebot auch deswegen Sinn, weil Fruchtbarkeitsbehandlungen zum Portfolio des Unternehmens gehören. Merck Healthcare GmbH stellt eine Reihe von Produkten zur Behandlung von Unfruchtbarkeit her. Noch dazu gibt es, anders als bei den Krankenkassen, keine Bedingungen – außer, dass man bei Merck angestellt oder Partner/Partnerin eines Angestellten sein muss.

Kinderwunsch: Viele Paare sind ungewollt kinderlos. Eine Fruchtbarkeitsbehandlung kann aber teuer sein.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen sieht das ganz anders aus. So übernimmt die Krankenkasse höchstens 50 Prozent der Kosten – und das nur für verheiratete Paare. Außerdem dürfen bei den Behandlungen nur die Ei- und Samenzellen der beiden Eheleute verwendet werden. Das Alter der Eheleute spielt auch eine Rolle: Frauen dürfen nicht älter als 40, Männer nicht älter als 50 sein. Damit werden sehr viele Paare, vor allem LGBTQ-Paare, ganz aus der Leistungsübernahme ausgeschlossen. Bei privaten Krankenkassen können diese Anforderungen stark abweichen.

Angebote wie das von Merck könnte eine Lücke füllen

Es gibt aber noch weitere Wege, in Deutschland Unterstützung für die Erfüllung des Kinderwunsches zu bekommen. So gibt es eine staatliche Förderung für verheiratete und unverheiratete heterosexuelle Paare, die ungewollt kinderlos sind. Damit kann ein weiterer Teil der Kosten gestemmt werden. Einige Bundesländer bieten für gleichgeschlechtliche Paare noch zusätzliche Unterstützung an – aber nicht überall ist das der Fall.

Damit könnten Angebote wie das von Merck eine Lücke füllen. Noch dazu ist es in Zeiten des Fachkräftemangels möglicherweise ein neuer Weg, um Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden. Wichtig ist auch die Signalwirkung an Mitarbeitende, die das Angebot nicht wahrnehmen werden – aber dadurch das Gefühl bekommen, dass die Firma eine positive Einstellung zum Thema Familienplanung haben. Denn genau davor haben oft Frauen Angst: Dass sie berufliche Nachteile erfahren, wenn der Arbeitgeber vom Kinderwunsch erfährt.

Rubriklistenbild: © All mauritius images

Kommentare