Grundrente

Wenn die Rente nicht mehr reicht: Kampf gegen Altersarmut

+
Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Altersrente und keine Mindestrente. (Symbolbild)
  • schließen

Bayern hat die höchste Altersarmutsgefährdungsquote von Frauen im Bundesländervergleich. Hilfe sollte hier die Grundrente bringen – doch der Zuschlag liegt im Schnitt nur bei 86,41 Euro.

München – Drei von vier Frauen in Bayern und rund 43 Prozent der Männer, die 2021 in Rente gingen, müssen mit Altersbezügen auskommen, die unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 1236 Euro liegen. Das geht aus dem Rentenreport des DGB hervor. Laut VdK Bayern sind 24,5 Prozent der Frauen und 18,4 Prozent der Männer über 65 im Freistaat armutsgefährdet.

Grundrentenzuschlag: „Ich habe Existenzängste“

Bayern hat damit die höchste Altersarmutsgefährdungsquote von Frauen im Bundesländervergleich. Hilfe sollte hier die Grundrente bringen – doch der Zuschlag liegt im Schnitt nur bei 86,41 Euro. Und oft weit darunter: Für die Rentnerin Manuela Osterberg (74, Name geändert) etwa, die am Tegernsee lebt, brachte der Brief von der Deutschen Rentenversicherung eine herbe Enttäuschung: Ihr Grundrentenzuschlag liegt nur bei 4,97 Euro! Obwohl sie 35 Jahre als Arzthelferin gearbeitet hatte, kommt sie nur auf eine Rente von 937 Euro. Die knapp fünf Euro im Monat mehr helfen ihr gar nicht, klagt die Seniorin. „Ich habe Existenzängste.“

Der geringe Zuschlag liegt an der vom Gesetzgeber vorgegebenen Berechnungsformel: Der Grundrentenzuschlag wird für Zeiten berechnet, in denen die persönliche Beitragsleistung in der Rentenversicherung mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes der Versicherten betrug. Zeiten mit Beiträgen aus einem Verdienst unter 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes bleiben unberücksichtigt – weshalb besonders viele Frauen, die in Teilzeit oder in Mini-Jobs gearbeitet haben, hier ganz leer ausgehen. Im Jahr 2023 lag der monatliche Durchschnittsverdienst bei rund 3595 Euro. Der monatliche Bruttoverdienst musste somit im Jahre 2023 gerundet bei mindestens 1079 Euro liegen, damit eine solche Zeit für die Berechnung eines Zuschlags berücksichtigt werden kann.

Die Grundrente

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Altersrente und keine Mindestrente. Sie wird bezahlt, falls der Grundrentenbeziehende ohne den Zuschlag gleich viel oder weniger Geld als in der Grundsicherung erhalten würde. Aufgrund des aktuellen Rentenwerts (Stand Juli 2023) kann der monatliche Zuschlag derzeit maximal 460,60 Euro betragen. Anspruch auf Zahlung eines Grundrentenzuschlags zur Rente hat, wer mindestens 33 Jahre gearbeitet und dabei unterdurchschnittlich verdient, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat.

In Bayern haben 147.384 Senioren Anspruch auf diesen Zuschlag, davon 80,2 Prozent Frauen (Stand 31. Dezember 2022). Beantragen muss man die Grundrente nicht: Die Finanzbehörden übermitteln die Einkommensdaten jedes Jahr automatisch (außer bei Rentnern im Ausland oder mit Kapitalerträgen). Der durchschnittliche Grundrentenzuschlag für Männer in Bayern liegt bei 88 Euro im Monat, bei Frauen bei 95 Euro.

Zudem gibt es Einkommensgrenzen: Das eigene Einkommen durfte vergangenes Jahr 1317 Euro (2055 Euro für Ehepaare) nicht überschreiten. 2024 wird der Freibetrag bei 1375 Euro bei Alleinstehenden und 2145 Euro bei Paaren liegen. Aus all diesen Gründen profitieren weit weniger Menschen von der Grundrente als von der damaligen Großen Koalition 2020 versprochen: „1,4 Millionen Menschen haben in Zukunft einen Anspruch auf eine grundlegende Rente“, kündigte SPD-Chefin Saskia Esken damals an. Tatsächlich sind es heute nur 1,1 Millionen. Ohne die Einkommensprüfung, auf die die Union gedrängt hatte, hätten etwa 2,3 Millionen Menschen Anspruch auf den Renten-Zuschlag gehabt.

DIW: „Die Grundrente hilft, aber sie unterstützt zu wenig Leute“

Von den rund 660.000 Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen (also auf staatliche Hilfe angewiesen sind), erhalten laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur knapp 31.000 eine Grundrente. „Die Grundrente hilft, aber sie unterstützt zu wenig Leute“, sagte DIW-Experte Peter Haan in der Süddeutschen Zeitung. Nur 4,3 Prozent der rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner erhalten laut DIW den Zuschlag.

Besonders bitter: Der bürokratische Aufwand für die Grundrente ist enorm. Anja Piel aus dem Vorstand der Deutschen Rentenversicherung beziffert die Verwaltungskosten für die Grundrente auf knapp ein Fünftel der Gesamtkosten von 1,3 Milliarden Euro. „Wir appellieren daher erneut an den Gesetzgeber, die Regelungen zur Grundrente zu vereinfachen. Gerade die Vorgaben zur Anrechnung von Kapitaleinkünften sind unnötig kompliziert geraten und erfordern einen hohen Prüfaufwand, der in keinem vernünftigen Verhältnis zum erwarteten Nutzen steht“, erklärte Piel.

Teil 2 der großen tz-Serie: Grundrente – für viele eine Enttäuschung

Kommentare