China-Hersteller boomt und wildert im Premium-Segment - Kampfansage an BMW, Mercedes und Audi
VonPatrick Freiwah
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Deutsche Premiumhersteller sehen sich in China wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Mit Li Auto erwächst ein Anbieter, der den heimischen Markt in Windeseile erobern möchte.
Peking/München - Der Wettbewerb auf dem größten (und lukrativen) Automarkt China ist im Jahr 2023 härter denn je. Im massentauglichen Spektrum sieht sich Volkswagen nicht nur mit Tesla konfrontiert, auch heimische Hersteller erleben im Reich der Mitte einen steilen Aufschwung. Dass es auch für deutsche Premiumanbieter in Asien wesentlich schwerer geworden ist, zeigen die sinkenden Verkaufszahlen und steigende Preisnachlässe, die seit geraumer Zeit eingesetzt haben.
Autobauer aus China leisten deutschen Rivalen in der Heimat nun erbitterten Widerstand und schnappen sich Marktanteile zurück, die vormals der ausländischen Konkurrenz gehörten. Mit Li Auto klinkt sich medienwirksam ein weiterer Anbieter in die Riege der Herausforderer ein - und das mit selbstbewussten Absichten. „Wir wollen bis 2024 die Nummer eins unter den Premium-Automarken in China werden“, ließ Konzernchef Li Xiang jüngst gegenüber Investoren verlauten (via Wirtschaftwoche).
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Das Besondere ist mitunter: Li Auto existiert erst seit 2015 und erlebte in der jüngsten Vergangenheit einen rasanten Aufstieg. In den ersten sieben Monaten des Jahres verzeichnete der Hersteller mit Sitz in der chinesischen Hauptstadt Peking einen Produktionsanstieg um 145 Prozent, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Seit 2020 verkauft Li Auto (in der Heimat trägt die Firma den Namen von Gründer Li Xiang) Neuwagen, 2022 gelang abermals mit 133.246 Einheiten ein neuer Absatzrekord. Als Bestseller hat sich besonders das Hybrid-SUV Li One erwiesen, eines der meistverkauften Autos in China.
Schon im kommenden Jahr möchte das Unternehmen in der Heimat die meisten Modelle im Premiumsegment absetzen, gelingen soll das mit einer größeren Erweiterung des Produktangebots. Bei drei von vier geplanten Auto-Neuheiten handelt es sich um E-Autos - also jener Gattung, die zum Schwund deutscher Hersteller in der Volksrepublik führt, bevor über Jahrzehnte erfolgreich Fahrzeuge mit Verbrennermotor verkauft wurden.
Automarkt China: Aussichten für deutsche Hersteller trüben sich
Wie die China Association of Automobile Manufacturers erklärte, legten die deutschen Premiummarken BMW, Mercedes und Audi auf dem Automarkt China im ersten Halbjahr monatliche Verkaufszahlen zwischen 31.500 und 70.000 hin, Tendenz sinkend. Wenn Li Auto schon bald auch höherpreisige Modelle im qualitativ hochwertigen Bereich auf den Markt bringt, dürften sich die Absatzaussichten für Europas Autobauer weiter trüben. Dass die ambitionierte Ansage des Firmenchefs von Li Auto nicht abwegig ist, darauf lässt die Prognose schließen, dass Li Auto im dritten Quartal 100.000 Fahrzeuge ausliefern möchte.
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Zumindest müssen Anbieter wie Volkswagen und Co. vorerst nicht befürchten, dass der junge chinesische Rivale auch auf Überseemärkte expandiert. Laut dem Portal Elektroauto-news.net plane Hersteller Li Auto bis 2025 die Fokussierung auf den chinesischen Heimatmarkt. (PF)