„Bis 2024 die Nummer eins“

China-Hersteller boomt und wildert im Premium-Segment - Kampfansage an BMW, Mercedes und Audi

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Deutsche Premiumhersteller sehen sich in China wachsender Konkurrenz ausgesetzt. Mit Li Auto erwächst ein Anbieter, der den heimischen Markt in Windeseile erobern möchte. 

Peking/München - Der Wettbewerb auf dem größten (und lukrativen) Automarkt China ist im Jahr 2023 härter denn je. Im massentauglichen Spektrum sieht sich Volkswagen nicht nur mit Tesla konfrontiert, auch heimische Hersteller erleben im Reich der Mitte einen steilen Aufschwung. Dass es auch für deutsche Premiumanbieter in Asien wesentlich schwerer geworden ist, zeigen die sinkenden Verkaufszahlen und steigende Preisnachlässe, die seit geraumer Zeit eingesetzt haben.

Autobauer aus China leisten deutschen Rivalen in der Heimat nun erbitterten Widerstand und schnappen sich Marktanteile zurück, die vormals der ausländischen Konkurrenz gehörten. Mit Li Auto klinkt sich medienwirksam ein weiterer Anbieter in die Riege der Herausforderer ein - und das mit selbstbewussten Absichten. „Wir wollen bis 2024 die Nummer eins unter den Premium-Automarken in China werden“, ließ Konzernchef Li Xiang jüngst gegenüber Investoren verlauten (via Wirtschaftwoche).

Li Auto will BMW und Co. 2024 das Fürchten lehren

Das Besondere ist mitunter: Li Auto existiert erst seit 2015 und erlebte in der jüngsten Vergangenheit einen rasanten Aufstieg. In den ersten sieben Monaten des Jahres verzeichnete der Hersteller mit Sitz in der chinesischen Hauptstadt Peking einen Produktionsanstieg um 145 Prozent, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Seit 2020 verkauft Li Auto (in der Heimat trägt die Firma den Namen von Gründer Li Xiang) Neuwagen, 2022 gelang abermals mit 133.246 Einheiten ein neuer Absatzrekord. Als Bestseller hat sich besonders das Hybrid-SUV Li One erwiesen, eines der meistverkauften Autos in China.

Modellneuheit des chinesischen Autoherstellers Li Auto (auch Li Xiang) auf einer Automesse in Guangzhou.

Schon im kommenden Jahr möchte das Unternehmen in der Heimat die meisten Modelle im Premiumsegment absetzen, gelingen soll das mit einer größeren Erweiterung des Produktangebots. Bei drei von vier geplanten Auto-Neuheiten handelt es sich um E-Autos - also jener Gattung, die zum Schwund deutscher Hersteller in der Volksrepublik führt, bevor über Jahrzehnte erfolgreich Fahrzeuge mit Verbrennermotor verkauft wurden.

Automarkt China: Aussichten für deutsche Hersteller trüben sich

Wie die China Association of Automobile Manufacturers erklärte, legten die deutschen Premiummarken BMW, Mercedes und Audi auf dem Automarkt China im ersten Halbjahr monatliche Verkaufszahlen zwischen 31.500 und 70.000 hin, Tendenz sinkend. Wenn Li Auto schon bald auch höherpreisige Modelle im qualitativ hochwertigen Bereich auf den Markt bringt, dürften sich die Absatzaussichten für Europas Autobauer weiter trüben. Dass die ambitionierte Ansage des Firmenchefs von Li Auto nicht abwegig ist, darauf lässt die Prognose schließen, dass Li Auto im dritten Quartal 100.000 Fahrzeuge ausliefern möchte.

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Elektrotransporter von Maxus.
Platz 10 – Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen die chinesischen Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Der Aiways U5.
Platz 9 – Aiways: 2017 ging der Hersteller in China an den Start. Schon zwei Jahre später folgte die erste Niederlassung in Europa. Im selben Jahr kam mit dem U5 das erste Auto in China auf den Markt. 2020 folgte Deutschland.  © Aiways
Der Wey Coffee 01
Platz 8 – Wey: Ihr Debüt feierte die Marke 2016 im Rahmen der Guangzhou Auto Show. Ab 2017 wurden die ersten Autos verkauft. In Europa ist Wey seit 2022 vertreten. Mit dem Coffee 01 will die Tochter von Great Wall in Deutschland durchstarten. Mit dem Plug-in-Hybrid Cooffee 02 legen die Chinesen im Herbst nach. Vertrieben werden die Fahrzeuge vom Importeur Emil Frey. © Wey
Lynk & Co 01
Platz 7 – Lynk & Co: Auch hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich wieder Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wird dabei vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden. Entwickelt und entworfen wurde der Lynk & Co in Schweden bei der Konzernschwester Volvo.  © Lynk & Co
Der MG 4 EV.
Platz 6 – MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke MG. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte für 53 Millionen Pfund Sterling (ca. 61 Millionen Euro). Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
Der Xpeng P7.
Platz 5 – Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. Erst 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa ist Xpeng bisher lediglich in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Der Zeekr 001.
Platz 4 – Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. Zeekr arbeitet zudem mit Waymo an einem vollelektrischen, autonom fahrenden Ride-Hailing-Fahrzeug für die USA. Zusammen mit Mobileeye will man bis 2024 autonomes Fahren in Serie bringen. 2023 soll die Marke in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start feiern. © Zeekr
Der Ora Funky Cat.
Platz 3 – Ora: Wie Wey gehört auch Ora zu Great Wall Motor. Gegründet wurde die Elektro-Tochter erst im Jahr 2018. Trotz ihrer noch recht jungen Geschichte hat die Marke schon für einen Aufreger gesorgt und eine dreiste Kopie des VW Käfer auf den Markt gebracht. In Europa gibt es das Modell jedoch nicht, dafür aber den Funky Cat. © Ora/GWM
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
Platz 2 – NIO: Der Name des 2014 gergründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. Nio,in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“. Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Sein Europa-Debüt gab Nio 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die Elektroautos auch in Deutschland erhältlich. © VCG/Imago
Der BYD Seal.
Platz 1 – BYD: Unter den chinesischen Autobauern ist Built Your Dreams (BYD) fast schon so was wie der Opa. Seit 1995 gibt es das Unternehmen bereits. Autos spielten am Anfang jedoch noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. Erst 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Automobilproduzenten Chinas und der Welt. In Deutschland sind die Chinesen derzeit mit den Modellen Atto3, Han und Tang vertreten. © VCG/Imago

Zumindest müssen Anbieter wie Volkswagen und Co. vorerst nicht befürchten, dass der junge chinesische Rivale auch auf Überseemärkte expandiert. Laut dem Portal Elektroauto-news.net plane Hersteller Li Auto bis 2025 die Fokussierung auf den chinesischen Heimatmarkt. (PF)

Rubriklistenbild: © VCG/Imago

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