- VonOlivia Kowalakschließen
Die Preise für Schokolade sind gefühlt kosmisch. Kakaopreise sind weiterhin auf hohem Niveau. Wann findet der Preisschock endlich ein Ende?
Düsseldorf – Die Preise für Schokolade haben im vergangenen Jahr Rekordhöhen erreicht. Das lag vor allem an dem gestiegenen Weltmarktpreis für Kakao. Im Dezember vergangenen Jahres erreichte dieser ein Hoch von über 12.000 US-Dollar pro Tonne. Mittlerweile hat sich der Kurvenverlauf aber wieder etwas entspannt. Können Verbraucher diesen Winter wieder auf bezahlbare Weihnachtsmänner hoffen? Oder wird die Profitgier der Hersteller die Preise weiterhin auf hohem Niveau halten?
Kakaopreisexplosion: Steigende Gewinne für Schokoladenunternehmen
Die historische Kurve der Kakao-Bohne hat in den vergangenen Jahren eine rasante Fahrt hinter sich. Anfang des Jahres 2024, war der Auftrieb nicht mehr aufzuhalten. Während sich der Kakaopreis über Jahre hinweg relativ stabil zwischen 2.000 und 3.000 US-Dollar gehalten hat, schoss er im April 2024 auf das vierfache. Dem Preisanstieg lagen verschiedenen Faktoren zugrunde: Zum einen fielen in den Hauptanbaugebieten in Afrika die Ernten schwach aus. Schlechte Witterungsbedingungen im Jahr 2023/2024 schmälerten die Ernten. Ein Pilzbefall der Kakaobäume in Westafrika ließen diese weiter schrumpfen. Strukturelle Probleme, besonders in Ghana und Elfenbeinküste, trugen weiterhin negativ zur Preisentwicklung bei.
Die Folge der erschwerten Bedingungen in Anbauländern bekamen Menschen in Deutschland deutlich zu spüren: Bis zu 50 Prozent mehr mussten Verbraucher für einige Marken ihrer Lieblingsschokolade hinblättern. Doch alleine am Ernteausfall soll dies aber nicht gelegen haben. „Als an Weihnachten 2023 schon die Schokoladenpreise stiegen, dachte ich: Den Kakao haben die Hersteller doch noch zum alten Preis gekauft“, sagte Volkswirt Friedel Hütz-Adams der Wirtschaftswoche. „Einige der Schokoladenunternehmen haben ja dann auch steigende Gewinne bekannt gegeben“.
Die Ernte sei in diesem Jahr wieder auf Vorkrisenniveau angekommen, gepaart mir einer schwächeren Nachfrage. Das habe zur Abflachung es Kakaopreises geführt. „Letztlich hätte man sogar erwarten können, dass der Preis noch deutlicher fällt“, fügte Hütz-Adams hinzu. „Dass der Preis aber noch auf diesem generell hohen Niveau liegt, erklärt sich vermutlich schon durch die Verunsicherung, was die nächste Erntesaison bringen wird“. Die Entwicklungen in Ghana seien von entscheidender Bedeutung für die Preisentwicklung.
Klimawandel: Situation für westafrikanischen Kakaobauern weiter volatil
Mittlerweile zeigt die Kakaopreiskurve wieder Entspannung. Die Nachfrage nach Schokolade ist im Sommer allerdings auch schwächer. Momentan liegt der Preis pro Tonne bei etwa 8.000 US-Dollar, so hoch wie vergangenes Jahr an Ostern. Doch auch in diesem Jahr sind die Wetterprognosen verhalten. In Ghana und der Elfenbeinküste werden unterdurchschnittliche Niederschläge und hohe Temperaturen gemessen. Die Situation in den westafrikanischen Ländern ist weiterhin volatil.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werde die Produktion dort in der Saison 2025/2026 um weitere zehn Prozent zurückgehen. Noch im Mai und Juni ging man von einer fünfprozentigen Wachstum aus. „Trotz der Regenfälle war die Sterblichkeitsrate von Blüten und Cherelles (kleine Schoten), die die Größe der nächsten Haupternte bestimmt, im Juni hoch und übertraf unsere Prognosen“, sagte ein Erntemesser der Elfenbeinküste. Dort sei die Ernte auf 1,6 Millionen Tonnen von ursprünglichen zwei Millionen eingebrochen, in Ghana ist sie im Fünfjahresvergleich um die Hälfte geschrumpft.
Experten befürchten Mitnahmeeffekte bei Schokoladenpreise
Ökonom Hütz-Adams geht von leicht sinkenden Schokoladenpreisen für Verbraucher aus, „weil jetzt gerade die Spitzen eingepreist sind“. Trotzdem könnten sogenannte Mitnahmeeffekte die Preise hochhalten, auch bei Discounter-Eigenmarken. Einige Tafeln von Marken wie Lindt, Ritter Sport oder Milka kosteten in diesem Jahr bereits über zwei Euro, dreimal so viel wie Discounter-Eigenmarken. Die hohen Kakaopreise werden seitens zahlreicher Hersteller als Rechtfertigung genutzt, die Preise weiterhin anzuziehen, um Gewinnmargen zu steigern.
Einige Hersteller gehen in ihrer Profitgier sogar noch weiter: Der Schokoladenhersteller Mondelez trickst auch mit Füllmenge und Verpackung. Im Juli erhielt Mondelez den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Milka-Tafel sei in der Füllmenge von 100 auf 90 Gramm geschrumpft und im Preis aber von 1,49 Euro auf 1,99 Euro gewachsen, was einer Preissteigerung von nahezu 50 Prozent entspricht.
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