VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Indien könnte seine Russland-Ölimporte reduzieren. Die US-Zölle zwingen zu einem Umdenken. Für Putin bedeutet das Nachteile.
Neu-Delhi – Indien sieht sich mit einem massiven Zollschock konfrontiert. Die Preise für Waren, die das Land in die USA exportiert, sollen erheblich steigen. Verantwortlich dafür ist der US-Präsident Donald Trump, dem die Annäherung Indiens an Russland seit 2022 missfällt. Die neuen Maßnahmen sollen ein Umdenken bewirken, und erste Reaktionen sind bereits sichtbar.
Plötzlicher Rückfall für Putins Wirtschaft – indische Raffinerien planen angeblich weniger Einkäufe
Indische Raffinerien, die zu den größten Abnehmern von russischem Rohöl zählen, könnten ihre Importe reduzieren. Laut dem Nachrichtenportal Bloomberg planen sie, ihre Käufe zu verringern, kurz bevor die höheren US-Zölle in Kraft treten. Dieser Schritt signalisiert zweierlei: Indien zeigt sich einerseits der Zollpolitik von Trump gegenüber nachgiebig, andererseits will es die Beziehungen zu Russland nicht vollständig abbrechen.
Sowohl staatliche als auch private Raffinerien, darunter der Branchenriese Reliance Industries Ltd., sollen im Oktober nur noch 1,4 bis 1,6 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag erwerben, wie Insider Bloomberg berichteten. Diese Quellen wollten jedoch anonym bleiben.
Zum Vergleich: In der ersten Jahreshälfte kauften die Raffinerien durchschnittlich etwa 1,8 Millionen Barrel täglich. Die Trump-Administration hat sich das Ziel gesetzt, das Handelsdefizit mit Indien zu verringern und den Druck auf den indischen Energiesektor zu erhöhen. Das Büro des U.S. Trade Representative meldete ein Handelsdefizit von über 45,8 Milliarden US-Dollar (etwa 39,4 Milliarden Euro). Am Mittwoch, dem 27. August, sollen neue US-Zölle von 50 Prozent auf eine Vielzahl indischer Produkte in Kraft treten.
Davon sollen 25 Prozent eine Strafe für Indiens umfangreiche Ölimporte aus Russland darstellen. Auf Anfrage von Bloomberg äußerten sich weder das indische Ölministerium noch große Raffinerien wie Reliance, Nayara Energy Ltd., Hindustan Petroleum Corp. und andere.
Konfrontationskurs von Donald Trump – neue Zölle gegen Indiens Wirtschaft
Trump hat zunächst Zölle von 25 Prozent auf indische Waren angekündigt, diese später jedoch auf 50 Prozent erhöht. Die US-Regierung begründete dies mit dem hohen Handelsdefizit und die Unterstützung von Indiens Staatschef Narendra Modi für Russland. Anfang August kritisierte Trump öffentlich Indien und bezeichnete die Wirtschaft des Landes als „tot“. Damit schlug er einen entgegengesetzten Kurs zu früheren US-Administrationen ein.
Zur Erklärung: Mehrere frühere Regierungen, zuletzt die unter Joe Biden, hatten Indien als Gegengewicht zu China in Asien betrachtet und versucht, das Land zu stärken.
Experten warnen, dass Trumps neuer Kurs gegenüber Indien Risiken birgt. „Wir könnten angesichts eines härteren Amerikas ein größeres Tauwetter in den indisch-chinesischen Beziehungen sehen“, erklärte Farma Aamer, Director of South Asia Initiatives beim Asia Society Policy Institute, gegenüber CNN. Dies bedeutet, dass Indien und China möglicherweise enger zusammenarbeiten könnten, wenn sie die USA als gemeinsamen Gegner wahrnehmen. Insider von Bloomberg berichten, dass sich die Zolllast ändern könnte, falls Indien einen Handelsvertrag mit den USA abschließt oder seine Importe aus Russland reduziert.
Indien als Russlands wichtiger Handelspartner – Milliarden fließen in Kreml-Kriegskasse
Nach der russischen Invasion in der Ukraine entwickelte sich Indien zu einem der bedeutendsten Handelspartner für Russland. Im Jahr 2024 erzielte Russland etwa 262 Milliarden US-Dollar aus seinen weltweiten Exporten fossiler Brennstoffe, wovon rund 113 Milliarden auf Indien entfielen. Laut dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) stieg der bilaterale Handel zwischen Indien und Russland von 2023 bis 2024 auf 65,7 Milliarden US-Dollar, was etwa 56,57 Milliarden Euro entspricht.
Indien profitierte in der Anfangsphase von erheblichen Rabatten, die es aushandeln konnte. Gleichzeitig positionierte sich das Land als Stabilisator des Ölpreises: Ohne die umfangreichen Käufe aus Russland wäre der Ölpreis unkontrolliert gestiegen.
Angewiesen auf Öl-Exporte – Russlands Wirtschaft musste bereits Sparmaßnahmen vornehmen
Indien betont regelmäßig, dass es in erster Linie um den besten Deal geht und nicht um ideologische Unterstützung. Russlands Annäherung an China wird in Indien mit Argwohn betrachtet, da Neu-Delhi und Peking seit langem in Grenzstreitigkeiten und innerasiatischen Machtkämpfen verstrickt sind.
Russland leidet unter jeder Reduzierung seiner Ölexporte. Kürzlich musste das Land Investitionen kürzen, da die Produktionsausweitungen des Ölkartells Opec+ den Ölpreis sinken ließen.
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