Wirtschaftsministerin in der Kritik

Wirtschaftsministerin Reiche verteidigt ihren Renten-Vorstoß

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Länger arbeiten, später in Rente: Das verlangt Katherina Reiche. Von Kritik aus Opposition, SPD und Teilen der CDU scheint die Wirtschaftsministerin unbeirrt.

Leuna – Für einen Vorstoß zur Rente hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche Kritik nicht nur vonseiten der Opposition einstecken müssen. Auch der Koalitionspartner ihrer CDU, die SPD, äußerte sich empört. Nun verteidigt die CDU-Politikerin ihre Aussage: „Es ist unbestritten, dass wir länger arbeiten müssen“, erklärte Reiche am Montag (28. Juli) bei einem Besuch des Chemiewerks in Leuna erneut.

Reiches Renten-Vorstoß: „Wir müssen mehr und länger arbeiten“ – Kritik auch aus der CDU

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte die Wirtschaftsministerin im Vorfeld erklärt: „Der demografische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Konkret: „Wir müssen mehr und länger arbeiten“, sagte Reiche. Leider verweigerten sich zu viele zu lange der demografischen Realität. „Es kann jedenfalls auf Dauer nicht gut gehen, dass wir nur zwei Drittel unseres Erwachsenenlebens arbeiten und ein Drittel in Rente verbringen.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Zuspruch bekam Reiche von Arbeitgeber-Seite. Kritik kam vom CDU-Sozialflügel (CDA), der Opposition und besagter SPD. CDA-Bundesvize Christian Bäumler sagte, ihre Forderungen hätten keine Grundlage im Koalitionsvertrag. „Wer als Wirtschaftsministerin nicht realisiert, dass Deutschland eine hohe Teilzeitquote und damit eine niedrige durchschnittliche Jahresarbeitszeit hat, ist eine Fehlbesetzung.“

Wirtschaftsministerin Reiche verteidigt ihren Renten-Vorstoß – „müssen länger arbeiten“

Reiche zeigt sich von der Kritik bislang unbeeindruckt: Bei ihrem Besuch im Chemiepark Leuna wiederholte die Wirtschaftsministerin ihre Haltung und erklärte laut Welt-Bericht angesprochen auf die Kritik aus den eigenen Reihen, es sei unbestritten, „dass wir länger arbeiten müssen, Punkt“. Dies, so Reiche, bestreite „im Kern keiner – übrigens auch nicht die Kritiker nicht“. Die Wirtschaftsministerin wiederholte ihre Forderung, dass soziale Sicherungssysteme und demografische Situation „in besseren Einklang“ gebracht werden müssten.

Grüne kritisieren Reiches Renten-Aussage: CDU-Politikerin dresche „ideologisch Phrasen“

Ob Reiche damit recht hat, dass auch unter Kritikern unbestritten sein soll, dass Menschen in Deutschland länger arbeiten müssten, scheint angesichts der Reaktionen auf den Vorstoß zweifelhaft; sofern sich Reiche mit dem Wort „länger“ tatsächlich auf die Lebensarbeitszeit und nicht auf ein Mehr an Arbeitskraft bezieht. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Roloff, erklärte etwa gegenüber dem Spiegel, Deutschland brauche zwar mehr Arbeitskraft, „das kann man aber nicht pauschal über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters erzwingen“.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche rechtfertigt ihren Renten-Vorstoß. (Symbolbild)

Auch Andreas Audretsch, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, äußert sich gegenüber IPPEN.MEDIA zu Reiches Renten-Vorstoß: „Richtig wäre, den Menschen mehr Arbeit zu ermöglichen, die können und wollen.“ Als Beispiele für eine politische Umsetzung dieser Forderung führt der Grünen-Politiker „altersgerechte Arbeitszeitmodelle und finanzielle Anreize“ an, „um länger mehr zu arbeiten“. Aber auch Frauen sollte ermöglicht werden, so viel zu arbeiten „wie sie selber wollen“ – „dafür müsste man Anreize im Steuerrecht schaffen und die Kinderbetreuung besser ausbauen“. Von einer Notwendigkeit des Längerarbeitens ist jedoch keine Rede.

Zu Reiches Renten-Forderung erklärt Audretsch: „Das Renteneintrittsalter steigt bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre. Dass Frau Reiche das einfach ignoriert, zeigt, dass sie sich nicht an der Realität im Land orientiert, sondern ideologisch Phrasen drischt.“ Die Rente mit 67 sei „gerade für viele Menschen, die körperlich hart arbeiten“ bereits jetzt „nur schwer zu schaffen“. Der Vorschlag des Grünen-Politikers: „Um die Rente zu stabilisieren, ist es wichtig, so viele Menschen wie möglich in gut bezahlte Jobs zu bringen. Ein wichtiger erster Schritt wäre, dass sich Frau Reiche für den Abbau prekärer Beschäftigung, insbesondere von Minijobs, einsetzt.“ (pav mit dpa)

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