Besonders Großstadt-Preise ziehen an

Nach zwei Jahren Preisentspannung: Deutsche Wohnimmobilien werden wieder deutlich teurer

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Die Wohnimmobilien-Preise in Deutschland sind im Schnitt erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen. Doch nicht überall ist das schon zu spüren: Regional kann es noch zu spannenden Abweichungen kommen.

Berlin - Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind im Frühjahr erstmals seit zwei Jahren gestiegen. Sie erhöhten sich von April bis Juni bundesweit um durchschnittlich 1,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag (20. September) mitteilte. Das ist das erste Plus seit dem zweiten Quartal 2022. Demnach war „nur noch für Wohnungen in dünn besiedelten ländlichen Regionen ein Preisrückgang zu beobachten“, hieß es. Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich dagegen überall.

Experten sehen eine Trendwende. „Steigende Umsätze am Immobilienmarkt sprechen dafür, dass wir aktuell eine Stabilisierung der Preise erleben, die von Dauer ist“, kommentierte Ökonom Martin Güth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Entwicklung. Der Abwärtstrend dürfte nun beendet sein. Im August und September seien die Hypothekenzinsen spürbar gesunken. „Mit diesem Rückenwind sollte sich die Marktbelebung in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen.“

Regionale Unterschiede: Metropol-Preise legen im Vergleich zum Land stärker zu

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fielen die Preise für Wohnimmobilien im Frühjahresquartal allerdings erneut, wenn auch deutlich verlangsamt: Sie gaben bundesweit um 2,6 Prozent nach. In den sechs Vorquartalen war das Minus mit 3,9 bis 10,2 Prozent noch wesentlich größer ausgefallen.

Eine Baustelle vor Wohnungs-Neubauten: Die Wohnimmobilienpreise ziehen hierzulande wieder an.

In den Top-Sieben-Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart und Düsseldorf) zogen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 2,3 Prozent zum Vorquartal an. Für Eigentumswohnungen mussten dort 1,6 Prozent mehr gezahlt werden. In anderen kreisfreien Großstädten kosteten Ein- und Zweifamilienhäuser 1,3 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten des Jahres, während für Wohnungen 1,4 Prozent mehr gezahlt werden musste. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen wurde für Ein- und Zweifamilienhäuser 0,9 Prozent mehr gezahlt als zu Jahresbeginn, während für Wohnungen drei Prozent weniger fällig wurden.

2023: Mega-Preiseinbruch durch hohe Baukosten - EZB hilft mit Geldpolitik

Im Gesamtjahr 2023 waren die Immobilienpreise um 8,5 Prozent eingebrochen und damit so stark wie noch nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2000. Hohe Finanzierungskosten und teure Baumaterialien gelten als Hauptgründe dafür. Experten zufolge werden die Preise für Wohnimmobilien auch im Gesamtjahr 2024 sinken. Sie dürften um 1,4 Prozent fallen, wie die vierteljährliche Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Immobilienanalysten ergab. 2025 soll es demnach dann einen Anstieg von 2,0 Prozent geben.

Helfen könnte dabei die gelockerte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sowohl im Juni als auch im September ihren Leitzins gesenkt hat. Dies habe „den Rückgang bei den Hypothekendarlehen gestoppt und die Voraussetzung für eine Erholung der Wohnungsnachfrage geschaffen“, sagte Ökonom Kholodilin Konstantin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). (reuters, lf)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg / dpa

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