VonPatricia Huberschließen
Die Inflation in der Türkei belastet die Bevölkerung enorm. Besonders Rentner leiden unter den steigenden Lebenshaltungskosten.
Istanbul – Die Inflation in der Türkei befindet sich seit langem auf einem extrem hohen Niveau. Im Juli lag die Inflationsrate bei 47,8 Prozent, wie die Statistikbehörde Tuik mitteilte. Zum Vergleich: In Deutschland lag sie im Juli dieses Jahres bei 6,2 Prozent. Die enorm hohen Preise belasten die türkische Bevölkerung. Besonders Rentnern geht es schlecht, wie ein Bericht der Tagesschau nun zeigt.
Rentnerin verzweifelt: Mieten stark gestiegen
Es sei „ein Ding der Unmöglichkeit, nur von der Rente zu leben“, erklärt Ayşe Aktaş der Tagesschau. Sie lebt in Istanbul, bekommt eine Rente von 7500 Türkischen Lira. Das entspricht umgerechnet etwa 250 Euro – genauso hoch ist ihre Miete. Hinzu kommen dann noch Kosten für Einkäufe, Strom, Wasser und Co. Wenn sie nicht noch zusätzlich arbeiten würde, könnte sie in der Großstadt nicht überleben.
Besonders in Großstädten wie Istanbul ist die Lage für Rentner schwer. Laut der Tagesschau beträgt die durchschnittliche Miete für eine Wohnung in Istanbul das 1,5-Fache des Mindestlohns. Der Anstieg der Mietpreise innerhalb der letzten vier Jahre liegt bei unglaublichen 700 Prozent. Viele Senioren müssen daher ihren Wohnort verlassen und in eine günstigere Gegend ziehen.
Türkei: Vermieter oftmals in der Zwickmühle
Vielen türkischen Bürgern fehle das Verständnis für die enormen Mieterhöhungen. Doch oftmals seien auch den Vermietern die Hände gebunden. „In der Türkei gelten die Vermieter immer als Bösewichte, aber natürlich sind sie das nicht. Also wir haben offiziell eine Inflation von 83 Prozent. Wie soll man da erwarten, dass 25 Prozent Mieterhöhung für jemanden ausreicht, dessen einziges Einkommen vielleicht aus der Vermietung einer Wohnung besteht“, macht der türkische Journalist Muhammed Kafadar gegenüber dem Deutschlandfunk klar.
Wohnen ist in den türkischen Großstädten zum Luxus geworden. Das ist inzwischen auch bei den Verantwortlichen angekommen. „Wenn die Türkei in den kommenden Jahren keine ernsthaften und möglicherweise revolutionären Schritte zur Lösung der Wohnungskrise unternimmt, wird sich diese Krise vertiefen, und wir werden mit der schwerwiegendsten Wohnungsnot in der Geschichte der Republik konfrontiert sein“, erklärte Buğra Gökce, stellvertretender Generalsekretär der Istanbuler Stadtverwaltung IBB, auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) mit. (ph)
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