VonPatricia Huberschließen
Für mehr bezahlbaren Wohnraum fordern die Sparkassen eine Abschaffung der Grunderwerbsteuer für bestimmte Käufer. Auch Grenzen für die Förderung sollten aufgeweicht werden.
Berlin – Der Wohnungsmangel in Deutschland ist immens. Die Ampel-Regierung hatte zwar im Koalitionsvertrag den Bau von jährlich 400.000 neuen Wohnungen angepeilt, davon 100.000 Sozialwohnungen – dieses Ziel liegt aber derzeit in weiter Ferne. Dieses Jahr rechnet die Baubranche mit höchstens 250.000 fertiggestellten Wohnungen.
Gewerkschaften forderten abermals ein milliardenschweres Sondervermögen für den Wohnungsbau. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) kündigte an, den Neubau von Einfamilienhäusern mit einem neuen Förderprogramm anzukurbeln. Die Sparkassen hätten einen anderen Vorschlag, um der Wohnungskrise zu begegnen.
Wohnungsbau-Förderung: Sparkassen fordern Steuervorteil
Für mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland sprechen sie sich für eine steuerliche Entlastung beim Immobilienkauf aus. Die Zinsbelastung sei derzeit etwa viermal so hoch wie vor einem Jahr und die Kosten ließen das Eigenkapital schon vor Baubeginn schmelzen, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Helmut Schleweis, am Dienstag in Hannover. „Deshalb sollte die Grunderwerbsteuer zumindest für selbstgenutztes Wohneigentum abgeschafft werden.“
Mindestens aber sollten Freigrenzen eingeführt werden. „Eine verbesserte staatliche Förderung des privaten Eigentumerwerbs würde einen weiteren wichtigen Anreiz zur Schaffung privaten Wohnraums liefern“, betonte Schleweis. Zudem müssten die Einkommensgrenzen für die Wohnungsbauförderung dringend angepasst werden.
Sparkassen: Bezahlbarer Wohnraum eine der entscheidenden Herausforderungen
Schleweis äußerte sich anlässlich des 27. Deutschen Sparkassentags am Mittwoch und Donnerstag in Hannover, wo rund 2700 Teilnehmende aus der Sparkassen-Familie, Politik und Wirtschaft erwartet werden. Redner sind unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde.
Ausreichender bezahlbarer Wohnraum ist den Sparkassen zufolge eine von mehreren entscheidenden Herausforderungen für Deutschlands Zukunft. Wichtig seien auch eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, eine faire Vermögensverteilung und die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, heißt es in der „Hannoverschen Erklärung“ der Sparkassen-Finanzgruppe. Eine breite soziale Teilhabe sei hier der wichtigste Erfolgsfaktor. (ph/reuters)
Rubriklistenbild: © Rene Traut / IMAGO

