VonAndreas Schmidschließen
Schluss mit 9-to-5: Die Gen Z setzt auf Work-Life-Blending. Arbeit und Freizeit verschmelzen – und das soll produktiver machen.
„Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten.“ Diese Aussage stammt von Friedrich Merz. Der neue Bundeskanzler hatte jüngst eine Debatte über die Arbeitsmoral der Deutschen ausgelöst – und dabei vergessen, dass Work-Life-Balance zusehends außer Mode kommt. Unter der jungen Generation gibt es längst einen neuen Arbeitstrend: das Work-Life-Blending.
Gen Z und Arbeit: „Mittlerweile hat sich der Anspruch geändert“
Die von Merz zitierte Work-Life-Balance meint die strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Man arbeitet montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und hat davor und danach ausschließlich Freizeit, widmet sich seinem Privatleben. Dieses Bild wandele sich jedoch zusehends, beobachtet der Investor Carsten Maschmeyer. „Mittlerweile hat sich der Anspruch geändert – hin zum Work-Life-Blending“, sagt Maschmeyer im Interview mit der Frankfurter Rundschau.
Mit Work-Life-Blending ist gemeint, Arbeit und Freizeit bewusst verschmelzen zu lassen. Während der klassischen Arbeitszeiten ist somit Zeit für Privates. „Es gibt nicht mehr strikt getrennte Zeitfenster, sondern eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit“, erklärt Maschmeyer. Das heißt: „Man kann während der Arbeit einkaufen, zum Friseur gehen oder die Kinder aus der Kita abholen.“ Die Generation Z definiert das Verhältnis zwischen Job und Privatleben neu.
Studien zu Work-Life-Blending: Gen Z wünscht sich mehr Flexibilität beim Arbeiten
Studien zeigen, dass Flexibilität und Selbstbestimmung für die Gen Z zentrale Werte sind. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov wünschen sich junge Menschen heute mehr denn je, Arbeitszeit und -ort selbst zu gestalten.
Fast drei Viertel (71 Prozent) der befragten Gen-Z-Arbeitnehmer gaben an, dass flexible Arbeitsmodelle für sie entscheidend sind. Die „Trendstudie 2025“ des „Instituts für Generationenforschung“ bestätigt dieses Bild. Flexibles Arbeiten gehöre mittlerweile zu den Kernkriterien bei der Jobauswahl. „Mitarbeiter werden sich 2025 noch mehr Flexibilität wünschen“, sagt Studienleiter und Zukunftsforscher Hartwin Maas. „Damit Arbeit sich an die individuelle Lebenslage, insbesondere von Frauen, anpasst und nicht umgekehrt.“
Auch deshalb setzt der Investor in seiner Maschmeyer Group auf Work-Life-Blending. Das sehe wie folgt aus: „Mitarbeiter können später kommen, wenn sie Privates erledigen müssen.“ Aber: „Im Gegenzug erwarte ich, dass sie auch am Wochenende noch auf eine wichtige Mail antworten, wenn es dringend ist.“ Mit Work-Life-Blending werden die Arbeitszeiten also flexibler gestaltet. „Entscheidend ist, dass Ergebnisse zählen, nicht die abgesessene Zeit“, betont Maschmeyer: „Zufriedene Mitarbeiter liefern bessere Resultate.“
Rubriklistenbild: © Montage

