„30-mal so viele Bestellungen“

Wegen Insolvenz: Riesiger Run auf die Kult-Gläser von Weck

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Weck-Einmachgläser kennt fast jeder. Doch das Kult-Unternehmen kämpft ums Überleben. Erst vor wenigen Tagen musste Weck Insolvenz anmelden. Das hat einen Run nach den beliebten Gläsern ausgelöst.

Wehr – In vielen Kellern und Vorratsräumen sind sie zu finden: Einkochgläser. Die wohl bekanntesten dieser Behälter stammen von der Firma Weck. Mit Erdbeer-Logo, Markenname und orangefarbenem Dichtring sind sie zum Symbol für das Einkochen von Lebensmitteln geworden. Der Begriff „Einwecken“ steht sogar im Duden. Doch ein Erfolgsgarant ist das nicht: Vergangene Woche musste das Traditionsunternehmen aus dem Süden Baden-Württembergs Insolvenz anmelden.

Weck-Einmachgläser: Auftragsboom nach Insolvenzmeldung

Dass die Kultmarke nun pleite ist, schlug in den Medien hohe Wellen – und hat offenbar für einen Auftragsboom gesorgt. Demnach seien jetzt im Online-Shop massenhaft Weckgläser bestellt worden, teilte der Insolvenzverwalter Thilo Braun auf Anfrage des SWR mit. Am Donnerstag seien bei dem Hersteller der Weckgläser 30-mal so viele Bestellungen eingegangen wie an normalen Tagen, so Braun. „Vielleicht haben die Konsumenten auch Sorge, dass sie die Weckgläser irgendwann nicht mehr bekommen.“

Der Traditionshersteller der Weck-Einmachgläser hat Insolvenz angemeldet.

So läuft auch das Geschäft nach Angaben des Insolvenzverwalters unvermindert weiter. Löhne und Gehälter der Angestellten seien bis einschließlich August über das Insolvenzgeld gedeckt. Das Traditionsunternehmen will sich nun im Insolvenzverfahren neu strukturieren. Betroffen sind die Muttergesellschaft J. Weck GmbH und Co. KG mit Sitz in der Stadt Wehr und die Tochterfirma Weck Glaswerk GmbH mit einem Produktionsstandort in Bonn. 

Insolvenz bei Weck: Niedrige Nachfrage, hohe Energiepreise

Grund für die Insolvenz sind laut Unternehmen die sinkende Nachfrage und die hohen Energiepreise. „Aufgrund der Preissteigerungen des Energieträgers Gas kam es in den letzten Monaten zu erheblichen Belastungen“, wird Geschäftsführer Eberhard Hackelsberger in einer Mitteilung zitiert. „Die Glasherstellung ist energieintensiv und die eingesetzten Schmelzöfen können nicht einfach abgeschaltet werden, ohne dass sie dabei irreparabel beschädigt werden“.

Weck-Chef Hackelsberger führt das Unternehmen in vierter Generation. Der Diplom-Betriebswirt ist Urenkel von Firmengründer Johann Weck. Zusammen mit seinem Geschäftspartner und Nachfolger Georg von Eyck hob dieser Anfang 1900 den Einmachglas-Hersteller aus der Taufe. Wenig später wurde das „Einwecken“ bereits an Kochschulen gelehrt – und die Gläser zu einem der ersten Markenartikel in Deutschland.

Die Nachfrage nach den wiederverschließbaren Glasbehältern boomte in den Folgejahren – vor allem in Zeiten der Not, etwa während des I. und II. Weltkriegs. Die Menschen waren darauf angewiesen, Lebensmittel haltbar zu machen. Der Weck-Firmenchronik zufolge wurden bis Ende des Zweiten Weltkriegs Hunderte Millionen Gläser produziert.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Kühlschränken und Tiefkühltruhen veränderte sich in der Nachkriegszeit auch das Geschäft von Weck. Obwohl das Haltbarmachen von Lebensmitteln wieder im Trend liegt und die Gläser auch in der Gastronomie Anklang finden, machen sie heute nur noch einen Bruchteil der Produktpalette aus. Seitdem stellt das Familienunternehmen auch Verpackungen aus Glas für die Lebensmittelindustrie her – zum Beispiel für Gurken und Senf.

Weckgläser für den Haushalt nur kleiner Teil des Geschäfts

Deshalb ist die Kultmarke trotz Auftragsbooms noch nicht gerettet, wie der Insolvenzverwalter gegenüber dem SWR erklärte. Zum einen könne es sein, dass die Aufträge nur wenig später wieder zurückgehen. Zum anderen betreffe die aktuell große Nachfrage nur die Weckgläser für den Haushalt. „Die sind nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Das Hauptgeschäft sind Gläser, die in die Lebensmittelindustrie gehen“, sagte Braun dem SWR. Diese seien von dem Auftragsboom nicht betroffen und genau dort sei aber zuletzt die Nachfrage stark eingebrochen.

Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Jan Zawadil/Imago

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