Wie Sparer Lockangebote umgehen

Sparer aufgepasst: Bei diesen Banken winken jetzt die höchsten Zinsen

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Für Sparer sind es gute Zeiten: Erstmals seit Jahren gibt es wieder positive Realzinsen (Symbolbild).
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Gute Nachrichten für Sparer: Erstmals seit vielen Jahren gibt es auf Festgeldkonten wieder Zinsen oberhalb der Inflationsrate. Am Ende steht damit ein reales Plus auf dem Konto.

Berlin – Der Markt ächzt unter der hohen Inflation. Die hohe Teuerungsrate ist der Grund, weshalb die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen zuletzt klettern ließ – davon profitieren nun Sparer. Denn nach einer langen Niedrigzinsphase lässt sich mit dem richtigen Sparkonto erstmals wieder ein positiver Realzins erwirtschaften, also Zinserträge über der Inflationsrate. Damit haben Sparer am Ende wieder mehr in der Tasche.

Positive Realzinsen möglich: Das sind die besten Festgeldkonten Deutschlands

Sparer in Deutschland verschenken aktuell 70 Milliarden Euro, weil sie ihr Geld auf den falschen Konten parken. Das geht aus einer Studie des Vermögensverwalters Growney basierend auf der Zinsstatistik der Bundesbank hervor. Das Problem: Das Vermögen der Deutschen liegt auf niedrig verzinsten Konten. Durch ein einfaches Umschichten des Ersparten ließe sich also bares Geld verdienen. Festgeldkonten sind dabei besonders ertragreich. Früher galt die Faustregel: je länger die Laufzeit, desto höher die Zinsen. Das ist heute nicht mehr unbedingt der Fall.

Momentan gibt es bei einer Laufzeit von einem Jahr die besten Erträge. Bis zu 4,75 Prozent Zinsen sind hier möglich, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergab, die Merkur.de vorliegt. Bei einer Anlagefrist von zwei Jahren liegt der Spitzenzins auf dem Markt derzeit bei 4,6 Prozent. Wer 10.000 Euro anlegt, kommt damit insgesamt auf Zinseinnahmen von 941 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Teuerungsrate in der Eurozone lag im September bei 4,3 Prozent im Jahresvergleich. Unterm Strich vermehrt sich das Geld auf dem Festgeldkonto also.

Geld auf Festgeldkonto anlegen: Das gilt es zu beachten

Auf Festgeldkonten ist das Ersparte eine Zeitlang gebunden. Wie lange genau, bestimmen Sparer selbst. Verbraucher sollten niemals ihr gesamtes Erspartes anlegen, sondern immer einen Puffer auf schnell zugänglichen Konten wie Giro- oder Tagesgeldkonto vorhalten. Dieser Art „Notgroschen“ dient der Absicherung für unvorhersehbare Ausgaben, wenn etwa das Auto eine Panne hat oder die Waschmaschine kaputtgeht. Finanzexperten raten zu einem Puffer von zwei bis drei Nettomonatsgehältern.

Festgeld mit 24 Monaten LaufzeitAusgehend von Anlagesumme 10.0000 Euro
BankZinssatzLand der Einlagensicherung
Rietumu Banka 4,60% Lettland
Banca Finint 4,40%Italien
Banca Progetto4,40%Italien
Akf Bank4,18%Deutschland (bestes deutsches Angebot)
Festgeld mit 12 Monaten Laufzeit
BankZinssatzLand der Einlagensicherung
BGFI Bank Europe 4,75% Frankreich
Banco BNI Europa4,50% Portugal
Medicinos Bankas4,50%Litauen
Akf Bank4,15%Deutschland (bestes deutsches Angebot)
Daten: Verivox

Festgeldzinsen: So entgehen Anleger Lockvogelangeboten

Bei den aktuellen Festgeld-Angeboten für einjährige Laufzeiten könnte es sich um Lockvogelangebote handeln, vermutet Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale NRW laut Deutscher Presse-Agentur. Zwar verdienen Verbraucher im ersten Jahr damit gute Zinserträge, doch schon danach könnte es rapide abwärts gehen. Denn zuletzt war die Inflation gesunken, die EZB drückte bei der Zinserhöhung deshalb die Pausetaste. Würde sich die Teuerung dem EZB-Ziel von Zwei-Prozent nähern, sänken die Leitzinsen voraussichtlich wieder.

Wenn das einjährige Angebot ausliefe, würden die dann verfügbaren Festgeldangebote womöglich unter dem aktuellen Bestzins für eine zweijährige Laufzeit von 4,6 Prozent liegen. Entsprechend kann es sich lohnen, jetzt eine längere Laufzeit zu wählen und sich damit die hohen Zinsen länger zu sichern – sofern Verbraucher in dieser Zeit nicht auf das Geld zugreifen müssen. Wie schnell es mit den Zinssenkungen wirklich gehen könnte, ist allerdings fraglich. Es werde erwartet, dass die Inflation weiterhin „zu lange zu hoch“ sein werde, hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in ihrer Begründung des Zinsstopps Ende Oktober gesagt. Das deutet eher auf eine mittelfristige als eine kurzfristige Änderung des Zinsniveaus hin.

TagesgeldAusgehend von Anlagesumme 10.0000 Euro
BankZinssatzLand der Einlagensicherung
Trade Republic 4,00%*Irland / Deutschland
wiLLBe - Liechtensteinische Landesbank3,80% Liechtenstein
Fimbank3 3,70% Malta
J&T Direktbank3,70%Tschechien
Akbank3,05%Deutschland (bestes deutsches Angebot)**
Daten: Verivox

*als Neukunde ** kein klassisches Tagesgeldkonto, sondern Verrechnungskonto zum Wertpapierdepot

Festgeld- und Tagesgeldkonten: Neben dem Zinssatz auch auf Einlagensicherung achten

Generell empfiehlt es sich, den Markt von Zeit zu Zeit zu evaluieren. Über Vergleichsrechner können Sparer sich in wenigen Klicks einen Überblick über die verfügbaren Konditionen verschaffen. Gibt es bessere Angebote, sollten Verbraucher nicht zögern, ihr Geld am Ende der Laufzeit umzuschichten. Neben dem Zinssatz ist bei der Wahl des Angebots auch die Einlagensicherung entscheidend. Die Zeitschrift Finanztest empfiehlt etwa nur Angebote von Banken aus Großbritannien, den EU-Staaten sowie dem europäischen Wirtschaftsraum, sofern das jeweilige Herkunftsland von den drei großen Ratingagenturen eine Topbewertung erhält. Nur dann sei die Einlagensicherung stabil genug und das Geld sicher, so die Finanzexperten.

Tagesgeldkonto: Wenig Aufwand, guter Ertrag

Verbraucher können auf ihr Erspartes auf einem Tagesgeld in der Regel über eine Umbuchung zugreifen. Auf dem Tagesgeldkonto sind Gelder demnach ähnlich schnell verfügbar wie auf dem Girokonto, dabei aber deutlich besser verzinst. Innerhalb nur eines Jahres stiegen die Tagesgeldzinsen laut Verivox von 1,58 Prozent im November 2022 um zwei Prozentpunkte an und liegen aktuell bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro bei 4 Prozent. Mit vergleichsweise geringem Aufwand - der Eröffnung eines neuen Kontos - lassen sich damit ohne Risiko gute Zinserträge erwirtschaften. Diversifikation ist wie immer bei risikoarmen Geldanlagen der Schlüssel zum Erfolg. Im Idealfall legen Sparer einen Teil ihres Vermögens in Festgeld- und einen anderen Teil schnell verfügbar auf Tagesgeldkonten an.

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