VonRichard Stroblschließen
Der Zölle Deal zwischen Trump und der EU hat für die deutschen Autobauer enorme Folgen. Besonders eine nachgereichte Zusatzvereinbarung.
Turnberry (Schottland) – Donald Trump spricht vom „größten aller Deals“, auch Friedrich Merz lobt das von Ursula von der Leyen ausgehandelte EU-Abkommen, das den Zollstreit ad acta legen soll. Doch die Wirtschaft ist weniger begeistert. Besonders die deutschen Autobauer hatten auf bessere Nachrichten gehofft.
Die Liste der Kröten, die die Europäische Union für einen Zolldeal mit US-Präsident Donald Trump schlucken musste, war bereits am Sonntag lang. Nach Abreise von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus Trumps Golfresort im schottischen Turnberry ist sie noch einmal länger geworden. Besonders für Mercedes, VW, Audi und Co.
Trumps Zölle-Deal mit der EU trifft Autobauer hart
Eine ranghohe EU-Beamtin teilte am Montag in Brüssel mit, dass der Deal mit Trump auch eine Abmachung für den zollfreien Import von US-Autos nach Europa umfasst. Bislang erhebt die EU auf Autoimporte aus den USA einen Zoll in Höhe von zehn Prozent. Für die europäische Autoindustrie bedeutet die Zusage der EU, dass sie künftig mit stärkerer Konkurrenz von US-Herstellern wie Tesla rechnen muss – zumindest dann, wenn sie in den USA gebaut wurde.
Um welche Auto-Zahlen geht es im Zölle-Deal?
Nach Angaben der Vereinigung der europäischen Automobilhersteller (Acea) wurden im vergangenen Jahr knapp 165.000 in den USA hergestellte neue Autos in die EU exportiert. Diese hatten einen Wert von 7,7Milliarden Euro. Von den Exporten waren rund 18.800 E-Autos im Wert von 1,4Milliarden Euro. Laut des Verbands der Automobilindustrie (VDA) entfällt etwa zwei Drittel des Pkw-Exports aus den USA in die EU auf deutsche Hersteller.
Doch schon am Sonntag hatte es keine guten Nachrichten für die Autobauer gegeben: Der neue US-Basiszollsatz für Importe aus der EU in die Vereinigten Staaten soll bei 15 Prozent liegen wird. Er ist damit zwar deutlich niedriger als die 27,5 Prozent, die Trump in den vergangenen Monaten erheben ließ. Aber dennoch viel, viel höher als die 2,5 Prozent, die davor auf Autoimporte aus der EU erhoben wurden.
Trumps Zölle-Deal wohl besonders für deutsche Autobauer eine Hiobsbotschaft
Um was für Dimensionen es geht, machen Acea-Zahlen deutlich. Demnach wurden im vergangenen Jahr 749.170 in der EU hergestellte Neuwagen in die USA exportiert. Diese Exporte hatten einen Gesamtwert von 38,5Milliarden Euro. E-Autos waren davon knapp 111.600 Fahrzeuge, die einen Wert von 5,9Milliarden Euro hatten.
Deutschland wird als Auto-Export-Land Nummer Eins in der EU wohl besonders unter dem Trump-Deal leiden. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnte, der künftig geltende US-Zollsatz von 15 Prozent auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der EU werden den Export belasten und damit auch negative Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher haben. Dies seien beispielsweise steigende Preise, eine eingeschränkte Modellvielfalt und höhere Servicekosten. Der VDA bezifferte die jährlichen Kosten für die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie auf eine Milliardensumme.
Job-Sorgen in deutscher Autobranche nach Trumps Zölle-Deal mit der EU
Und auch Jobs stehen in der Autobranche auf dem Spiel: Nach Einschätzung des deutschen Branchen-Experten Ferdinand Dudenhöffer ist das ein reales Risiko. „Sollten keine Verrechnungen stattfinden, gehen wir von einem mittelfristigen Arbeitsplatz-Export der Autoindustrie von bis zu 10 Prozent aus Deutschland in die USA aus“, schrieb der Direktor des Center Automotive Research in Bochum. In Zahlen seien dies bis zu 70.000 Jobs und das treffe Autobauer und Zulieferer.
Was ist mit Verrechnung gemeint?
Laut Dudenhöffer war bis zuletzt noch unklar, ob es Zoll-Rabatte gibt, wenn deutsche Autobauer in ihren US-Werken hergestellte Fahrzeuge nach Europa exportieren. So könnten die USA zum Beispiel zollfreie Exporte aus Deutschland im Wert von 100 Millionen in die USA zulassen, wenn für 100 Millionen Euro US-Produktion nach Europa exportiert wird.
Wäre es zu keiner Einigung gekommen, hätten ab dem 1. August US-Zölle in Höhe von 30 Prozent gedroht. Die EU wollte eine Eskalation verhindern, da diese den Handel und Arbeitsplätze kurzfristig noch mehr bedroht hätte. Hinzu kam die Sorge, Trump könne im Fall eines verschärften Konflikts neue Drohkulissen aufbauen - beispielsweise indem er erneut die militärische Beistandspflicht innerhalb der Nato infrage stellt oder die Unterstützung für die Ukraine zurückfährt - beides sind äußerst sensible Themen angesichts der Bedrohungen durch Russland.
Wenn die Europäer im Bereich der Verteidigung nicht so abhängig von den USA wären, hätten sie den Deal vielleicht nicht akzeptiert. Wirtschaftlich ist die EU nämlich mit etwa 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern in 27 Ländern eine echte Marktmacht, die den Vereinigten Staaten in einem Handelskonflikt schwer zusetzen könnte. (dpa/rjs)
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