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Zu große Schwankungen bei Bitcoin & Co: Ökonomen fordern Teil-Verbot von Krypto bei Banken

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Krypto-Investitionen werden immer beliebter, doch Fachleute sehen auch Risiken - vor allem für das traditionelle Finanzsystem.

Kryptowerte wie Bitcoin unterliegen gigantischen Schwankungen. Innerhalb kurzer Zeit können die Kurse stark steigen oder fallen. Zu beobachten war das gerade in den vergangenen Wochen. Ende Januar notierte ein Bitcoin über 100 000 Euro, Mitte März dann bei etwa 76 000 Euro. Der Verlust für Anlegerinnen und Anleger betrug zeitweise ein Viertel.

Mitverantwortlich für dieses Auf und Ab waren widersprüchliche Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump. Erst hatte er erklärt, dass der Bitcoin in die staatliche Währungsreserve aufgenommen würde, dann fiel die Transaktion jedoch recht bescheiden aus.

Krypto könnte traditionelle Finanzmärkte in den Abgrund reißen

In den Kursausschlägen, die häufiger und heftiger auftreten als bei konventionellen Kapitalanlagen, sehen manche Wirtschaftsleute eine Gefahr. In Bitcoin und anderen Kryptowerten schlummere das Potenzial, das traditionelle Finanzsystem in den Abgrund zu reißen, befürchtet Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er fordert eine „konsequente Regulierung von Kryptoanlagen“ in Europa: „Finanzinstitutionen sollte es verboten sein, Eigen- oder Fremdkapital in Kryptoassets zu investieren.“ Fratzscher plädiert dafür, konventionelle und Krypto-Märkte „möglichst voneinander abgeschottet“ zu halten.

Denn „große Probleme können entstehen, wenn Krypto- und traditionelle Finanzmärkte miteinander verknüpft werden“, begründet Fratzscher. Zu beobachten war so etwas, als 2022 in den USA die Kryptobörse FTX von Sam Bankman-Fried zusammenbrach und auch Investoren, Staatsfonds und Pensionskassen in Schwierigkeiten brachte, die dort Kapital investiert hatten.

Top-Ökonom fordert strengere Regeln der EU für Bitcoin & Co

Der Wirtschaftsforscher erklärt: „Traditionelle Finanzinstitutionen investieren eigenes oder fremdes Kapital in Kryptoanlagen, verbuchen infolge deren hochvolatiler Kursentwicklung hohe Verluste und können dann ihren Verbindlichkeiten gegenüber Kunden, Vertragspartnern oder Geldgebern nicht mehr nachkommen.“ Denkbar wäre beispielsweise, dass ein in Krypto investierter Fonds die Anteile seiner Anleger nicht mehr auszahlen könne und deshalb stark an Wert verliere. Oder Geschäftsbanken reduzierten als Reaktion auf Kryptoverluste ihre Kreditvergabe an Unternehmen.

Fratzschers Forderung läuft darauf hinaus, die aktuelle Regulierung von Kryptowerten durch die Europäische Union zu verschärfen. Mit ihrer Verordnung von 2024 verfolgt die EU zwei Ziele: Sie will die Weiterentwicklung der Kryptobranche ermöglichen, aber gleichzeitig deren Risiken im Rahmen halten. Diesem zweiten Punkt dienen unter anderem strenge Vorschriften für die Absicherung von Investitionen in Kryptowerte. Steckt eine Bank Geld in Bitcoin oder ähnliche Produkte, muss sie teilweise die komplette Summe mit Eigenkapital unterlegen. Dagegen müssen die Institute für normale Geschäfte nur acht Prozent in Reserve halten. Das heißt: Anlagen in Bitcoin und Co. sind teuer und unattraktiv, aber erlaubt.

Verbot von Krypto-Handel durch Banken?

Die Bundesbank in Frankfurt am Main, hierzulande mit zuständig für Finanzregulierung, fasst den Stand der Dinge so zusammen: „Die Regelungen in der EU-Verordnung 2024/1623 sehen aktuell kein Verbot von Investitionen durch Banken in Kryptowerte vor, sondern legen stattdessen konkrete Regelungen für eine entsprechende Kapitalunterlegung fest.“ Fratzscher dagegen fordert ein Verbot – und nicht nur er. „Die Forderung, den Eigenhandel mit Kryptowerten zu untersagen, geht in die richtige Richtung“, sagt auch Michael Peters von der Organisation Finanzwende, die sich für ein „stabiles Finanzsystem“ einsetzt.

Beim Bitcoin geht es auf und ab.

In der EU-Regulierung geht es um den Eigenhandel von Finanzinstituten, also Transaktionen mit Kapital, das den Banken selbst gehört. Etwas anderes sind Geschäfte im Auftrag von Kundinnen und Kunden, mit deren Mitteln und auf deren Risiko. Auf diesem Feld tut sich bei den Kryptowerten einiges.

Sparkassen erwägen Einstieg in den Krypto-Handel

Zahlreiche Unternehmen und Institute in Deutschland bereiten sich darauf vor, ihren großen und kleinen Kunden auf dem Weg in die Kryptowelt voranzuhelfen. Da geht es um das künftige Angebot von Krypto-Produkten, Plattformen für den Handel und Depots, in denen Privatanleger etwa ihre Bitcoins verwahren können. Die Deka-Bank, das Wertpapierhaus der Sparkassen-Gruppe, verfügt bereits über eine Krypto-Verwahrlizenz der Europäischen Zentralbank und will „institutionellen Investoren die gesamte Wertschöpfungskette bei Kryptowerten anbieten“. Ein Sprecher betont: „Unsere Aktivitäten beschränken sich auf den An- und Verkauf, die Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten im Auftrag unserer institutionellen Kunden.“ Auch die Sparkassen scheinen darüber nachzudenken, Privatkunden Kryptogeschäfte zu ermöglichen.

Finanzwende-Experte Peters ist deshalb skeptisch: „Sparkassen sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Es ist nicht ihre Aufgabe, den Privatkunden risikoreiche Anlageoptionen wie Kryptowerte anzubieten.“ Er erinnert an den Krypto-Crash von 2022: Damals verlor der Sektor zwei Drittel seiner Marktkapitalisierung. Auch Kleinanleger erlitten horrende Verluste.

Rubriklistenbild: © Imago / Zoonar

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