VonMarkus Hofstetterschließen
Solarenergie überholt erstmals Braunkohle in Deutschland. Doch um die Klimaziele zu erreichen, ist weiteres Wachstum unerlässlich.
München – Nach einer Prognose des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) wird in Deutschland im Jahr 2025 erstmals mehr Strom aus Sonne als aus Braunkohle erzeugt. Im Jahr 2024 lag die Braunkohle mit einer Stromerzeugung von 72,8 Terawattstunden (TWh) noch knapp vor der Solarenergie mit 72,6 TWh.
Solarstromerzeugung boomt: Es werden immer mehr Photovoltaikanlagen installiert
Mit diesen Zahlen liegt der BSW nahe an den aktuellen Auswertungen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) beim Umweltbundesamt (UBA). Danach stieg die Solarstromerzeugung im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf insgesamt 74,1 TWh.
Windenergieanlagen lieferten 138,9 TWh Ökostrom, was einem leichten Rückgang von zwei Prozent entspricht. Hinzu kommen Wasserkraft (22,2 TWh, plus zwölf Prozent), Biomasse (48,6 TWh, minus zwei Prozent) und Geothermie (0,2 TWh). Insgesamt wurden 2024 284 TWh Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, drei Prozent mehr als 2023. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch stieg damit von 52,9 auf 54,4 Prozent.
Grund dafür ist laut UBA der starke Ausbau der Photovoltaik (PV) in den Jahren 2023 und 2024. Insgesamt stieg die Leistung des PV-Anlagenbestands in den vergangenen zwölf Monaten um rund 20 Prozent, die installierte Gesamtleistung erreichte Ende 2024 99,8 Gigawatt (GW).
Solarstromerzeugung boomt: Vor allem Balkonkraftwerke sind gefragt
Auch der BSW verzeichnet ein beachtliches Wachstum. Im Jahr 2024 installierte die Solarbranche hierzulande nach Verbandsangaben mit 17,5 GW 14 Prozent mehr Photovoltaik-Leistung als 2023. Unter Berücksichtigung der Zahlen der Bundesnetzagentur geht der Verband davon aus, dass in Deutschland derzeit Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von rund 105 GW in Betrieb sind.
Rund 38 Prozent der Gesamtleistung entfallen auf das Segment Privathaushalte, rund 29 Prozent auf das Segment Gewerbedächer, 32 Prozent auf Freiflächenanlagen und knapp ein Prozent auf Steckersolargeräte, die so genannten Balkonkraftwerke.
Für dieses Jahr rechnet der Verband mit einem Zubau in etwa der gleichen Größenordnung wie 2024. Verantwortlich dafür sind die Balkonkraftwerke, für die eine Verdoppelung der Nachfrage erwartet wird. Bei der Errichtung von ebenerdigen Solarparks und Solarstromanlagen auf Firmendächern wird zumindest ein leichtes Wachstum erwartet. Die PV-Nachfrage im Eigenheimsegment soll sich auf hohem Niveau stabilisieren.
Solarstromerzeugung boomt: Ausbau könnte sich verlangsamen
Im Jahr 2030 sollen nach den Plänen der Bundesregierung in Deutschland 215 GW Solarstromleistung in Betrieb sein. Das bedeutet, dass jedes Jahr mindestens 20 GW hinzukommen müssten. Doch ob das gelingt, ist offen.
So ist die Bundesregierung der Forderung der Netzbetreiber nachgekommen, Solarstromerzeugern in Zeiten negativer Börsenstrompreise keine Vergütung mehr zu zahlen. Damit soll verhindert werden, dass an sonnigen Tagen und bei geringem Verbrauch ein Überschuss an Solarstrom die Netze destabilisiert.
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Bundesnetzagentur: Solaranlagenbesitzer könnten künftig mehr Netzkosten tragen
Ein Vorhaben der Bundesnetzagentur könnte sich auch auf den Ausbau der Solarenergie auswirken. In einem am Montag (12. Mai) veröffentlichten Diskussionspapier zur Bildung der Stromnetzentgelte werden mögliche Anpassungsoptionen vorgestellt.
Dazu gehört die Verbreiterung der Finanzierungsbasis durch eine Beteiligung der Einspeiser an den Netzkosten. Hintergrund ist, dass laut Bundesnetzagentur der Ausbau der erneuerbaren Energien ein wesentlicher Kostentreiber im Netz ist. Gleichzeitig zahlen Einspeiser in Deutschland keine Netzentgelte, diese werden allein von den Endverbrauchern im Netz getragen.
Die Bundesnetzagentur kann sich auch vorstellen, dass die Netzentgelte nicht mehr nach Stromverbrauch abgerechnet werden. „Ein zusätzlicher pauschaler Grundpreis könnte die Kosten sachgerechter reflektieren“, heißt es in dem Papier. Hintergrund ist, dass Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach, vor allem in Verbindung mit Batteriespeichern, ihren Besitzern eine weitgehende Selbstversorgung mit Strom ermöglichen. Weil sie weniger Strom aus dem Netz beziehen, zahlen sie weniger Netzentgelte. Für den Fall, dass der selbst erzeugte Strom nicht ausreicht, muss das Netz jedoch weiterhin bereitgehalten werden.
Bundesnetzagentur: Netzentgelte könnten sich nicht mehr am Verbrauch orientieren
Die Netzagentur will auch über dynamische Netzentgelte diskutieren. Diese sollen sich an der aktuellen Auslastung des Netzes orientieren. Beispielsweise könnten die Netzentgelte steigen, wenn an sonnigen Tagen mehr Strom aus PV-Anlagen produziert wird, die Netze aber bereits stark ausgelastet sind. Dies könnte Solaranlagenbesitzer dazu veranlassen, Strom zu speichern und erst dann ins Netz einzuspeisen, wenn die Netzlast geringer ist. Diese Lösung bedürfe jedoch „zahlreicher technischer Voraussetzungen wie einer nahezu vollständigen Digitalisierung von Netz und Netznutzern“, schränkt die Bundesnetzagentur ein.
Die Bundesnetzagentur betont, die verschiedenen Optionen „ergebnisoffen und in einem stetigen und engen Austausch“ mit allen Beteiligten diskutieren zu wollen. Stellungnahmen zu dem Papier können bis zum 30. Juni 2025 abgegeben werden.
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