„Die frühe Erforschung des antarktischen Kontinents offenbarte ein überraschendes Ergebnis, eine 3500 km lange Gebirgskette mit Gipfeln über 4500 m, die das antarktische Festland durchquert“, erklärt Paulsen, Hauptautor der Studie, die in der Fachzeitschrift Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht wurde. Diese Kette, bekannt als das Transantarktische Gebirge, hält heute den ostantarktischen Eisschild zurück, während er von der Ostantarktis zu niedrigeren Höhen im Rossmeer fließt.
Forschungsteam will Antarktis-Wissenslücke schließen
Bislang gab es im Wissen über die geologische Geschichte der Antarktis eine erhebliche Lücke. „Wir haben die junge und alte Geschichte des Kontinents untersucht, aber es gibt eine Lücke in unserem Verständnis dessen, was in der Antarktis zwischen diesen beiden Zeiträumen geschah“, erläutert Paulsen im Discover Magazine. Die alte Geschichte reicht etwa 500 Millionen Jahre zurück, während die jüngere Geschichte etwa 100 Millionen Jahre alt ist.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierte das Forschungsteam die Chemie von Mineralkörnern aus Gesteinsproben des Transantarktischen Gebirges. Diese Proben stammten aus dem Polar Rock Repository am Byrd Polar and Climate Research Center der Ohio State University, einer Art „Gesteins-Bibliothek“ mit mehr als 60.000 Proben aus der Antarktis.
Unter der heutigen Antarktis gab es dynamische Landschaften
Die Ergebnisse waren überraschend: „Unsere neuen Resultate deuten darauf hin, dass die Grundgebirgsgesteine des Transantarktischen Gebirges mehrere punktuelle Gebirgsbildungs- und Erosionsereignisse erlebten, wodurch Oberflächen entstanden, an denen alte Gesteine fehlen“, erklärt Paulsen. „Diese Ereignisse stehen interessanterweise in Zusammenhang mit größeren plattentektonischen Veränderungen an den Rändern der Antarktis.“
Die Daten zur Gesteinsabkühlung zeigen, dass diese Abkühlungsphasen zeitlich mit Erosionsereignissen und bekannten geologischen Veränderungen in anderen Teilen der Antarktis zusammenfallen. Dies deutet auf dynamische Landschaften hin, die durch Zyklen von Krustenverformung und möglicherweise auch Vergletscherung entlang des pazifisch-gondwanischen Randes beeinflusst wurden, heißt es in der Studie.
Verborgene Gebirgslandschaften prägen die Antarktis unter dem Eis
„Die Antarktis sollte in dieser Zeit eigentlich sehr ruhig sein, mit wenig Aktivität bis vor etwa 150 Millionen Jahren, als das Transantarktische Gebirge aufstieg“, sagt Paulsen dem Discover Magazine. Aber die analysierten Gesteinsproben zeigten Anzeichen von Abkühlungsereignissen, die auf eine viel dynamischere Geschichte hindeuten.
Diese Entdeckung hat weitreichende Implikationen für unser Verständnis der antarktischen Landschaft und ihrer Wechselwirkung mit den Eisschilden. „Die antarktischen Eisschilde bedecken und maskieren die Geologie des Grundgesteins der Antarktis“, erklärt Jeff Benowitz, Co-Autor der Studie in einer Mitteilung. „Die zeitlich-thermische Entwicklung der transantarktischen Grundgebirgsgesteine kann wichtige Hinweise zum Verständnis der Entwicklung der unter dem Eis liegenden Grundgebirgstopografie der Antarktis liefern.“
Geologische Vergangenheit der Antarktis ist komplex
Sein Kollege Paulsen ergänzt: „Das deutet darauf hin, dass es eine ältere Geschichte der Landschaft gibt, die wahrscheinlich die heutige Landschaft der Antarktis beeinflusst hat.“ Die Studienergebnisse legen nahe, dass die geologische Vergangenheit der Antarktis komplexer ist als bisher angenommen und dass die alten, längst verschwundenen Gebirgsketten möglicherweise einen erheblichen Einfluss auf die Klimageschichte der Erde hatten. Diese Erkenntnisse könnten auch für das Verständnis der aktuellen Klimaveränderungen von Bedeutung sein. (tab)