VonTanja Bannerschließen
Das „Starliner“-Raumschiff ist längst auf der Erde, während die dazugehörige Crew immer noch auf der ISS auf den Rückflug wartet. Der verzögert sich erneut.
Washington D.C. – Eigentlich sollten Barry „Butch“ Wilmore und Sunita „Suni“ Williams nur einige Tage an Bord der Internationalen Raumstation ISS bleiben. Doch nun befinden sie sich bereits mehr als ein halbes Jahr im Erdorbit. Und die Zeit in der Schwerelosigkeit wird auch nicht so bald enden: Der Aufenthalt der Nasa-Astronautin und ihres Kollegen verlängert sich nämlich noch bis mindestens Ende März.
Später einmal können Williams und Wilmore eine spannende Geschichte erzählen: Wie sie die Boeing-Raumkapsel „Starliner“ Anfang Juni 2024 für einige Tage an der Internationalen Raumstation testen sollten. Wie die Kapsel wegen technischer Probleme nur ohne Crew zur Erde zurückkehren durfte und das Duo an Bord der Raumstation zurückließ. Wie zwar eine SpaceX-Raumkapsel ankam und Platz für die beiden hatte – der Rückflug aber erst für Februar 2025 angesetzt war.
„Starliner“-Astronauten sitzen weiter auf der ISS fest
Und aus diesem Rückflug wird nun auch nichts: Weil die Ankunft der nächsten Crew-Kapsel sich auf Ende März verschiebt, müssen Williams und Wilmore bis dahin weiter an Bord der Raumstation ausharren. Denn die Nasa plant immer großzügige Übergabezeiten ein, wenn ein Team die ISS verlässt und ein anderes Team dort ankommt. Also müssen Williams und Wilmore gemeinsam mit den beiden Astronauten, die mit der SpaceX-Kapsel Ende September zur ISS gekommen sind, weiter auf die Rückkehr zur Erde warten.
Währenddessen wartet die nächste ISS-Crew auf der Erde sicherlich schon sehr gespannt auf ihren eigenen Flug ins Weltall. Der wurde verschoben, da für die Mission ein neues „Crew Dragon“-Raumschiff eingesetzt werden soll, das mehr Vorbereitungszeit benötigt. Anschließend sind von der Nasa fünf Tage für die Übergabe zwischen den Astronaut:innen eingeplant. Dieses Verfahren soll einen reibungslosen Übergang für die laufenden wissenschaftlichen Arbeiten und Wartungen gewährleisten und es ermöglichen, wertvolle Erfahrungen und Informationen an die neue Crew weiterzugeben.
Verzögerter Rückflug ist kein Problem: Nahrung, Wasser und Sauerstoff sind ausreichend vorhanden
Aus technischer Sicht stellt die weitere Verzögerung kein Problem dar: Im Notfall können die Astronaut:innen jederzeit mit ihrem Raumschiff zur Erde zurückkehren. Zudem gibt es auf der ISS genügend Vorräte für die Crew. Zwei Versorgungsflüge haben kürzlich weitere Nahrung, Wasser, Kleidung und Sauerstoff zur Raumstation gebracht.
Wie sich jedoch ein so langer Aufenthalt im Weltraum ohne vorherige Planung und Vorbereitung auf den Menschen auswirkt, können wohl nur Williams und Wilmore beantworten. Wenn sie tatsächlich Ende März zur Erde zurückkehren können, haben sie dann etwa zehn Monate in der Schwerelosigkeit verbracht. (tab)
