Helles Aufleuchten von T CrB

Fachleute erwarten seltenes Himmelsereignis: Nova im Sternbild Corona Borealis

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Im Mittelalter wurde die Nova im Sternbild Corona Borealis erstmals erwähnt – nun soll die „Zündung“ des weißen Zwergs erneut bevorstehen, erwarten Fachleute.

Baton Rouge – Himmelsphänomene wie eine Sonnen- oder Mondfinsternis oder aber auch ein Sternschnuppen-Strom lassen sich von der Astronomie genau vorhersagen und finden jedes Jahr mehrfach statt. Andere Ereignisse kann man nur zufällig sehen – den Eintritt eines kleinen Asteroiden oder anderen Gesteinsbrocken in die Erdatmosphäre etwa oder eine Supernova, wie die, die in der Feuerrad-Galaxie entdeckt wurde.

Manche Himmelsereignisse lassen sich einigermaßen genau vorherberechnen, wenn man die Vorzeichen kennt. Ein solches ist eine wiederkehrende Nova im Sternbild Corona Borealis (nördliche Krone). Sie wurde zuletzt in den Jahren 1866 und 1946 beobachtet und tritt etwa alle 80 Jahre auf. Ursprünglich erhielten alle Helligkeitsausbrüche am Himmel, bei denen scheinbar ein „neuer Stern“ aufleuchtete, den Namen „Nova“. Mittlerweile nennt man nur noch die explosive Zündung auf der Oberfläche eines weißen Zwergsterns Nova.

Nova im Sternbild nördliche Krone soll 2024 zu sehen sein

Und genau ein solches Ereignis bahnt sich gerade wieder an: Ein Doppelsternsystem im Sternbild Corona Borealis besteht aus einem roten Riesenstern und einem kompakten weißen Zwergstern, die sich in relativ engem Abstand umkreisen. Der weiße Zwergstern erhält dabei Materie aus der Gashülle des roten Riesen. Ist eine bestimmte Grenze überschritten, beginnen Fusionsprozesse auf dem weißen Zwerg abzulaufen – es können explosionsartige Helligkeitsausbrüche zu sehen sein, die Nova T CrB.

Wenn ein weißer Zwerg genug Material von seinem Begleitstern erhalten hat, zündet die Kernfusion auf seiner Oberfläche und es kommt zu Explosionen – eine Nova entsteht. (Symbolbild)

Bei den letzten beiden Ausbrüchen in den Jahren 1866 und 1946 erreichte die Nova eine Helligkeit von 2,0 mag und war damit mit bloßem Auge zu sehen. Ähnliches erwarten Fachleute nun für das Jahr 2024 wieder. Die Expertinnen und Experten, die T CrB beobachten, konnten bereits verräterische Aktivität beobachten und schätzen, dass die Nova bereits Anfang 2024 zu sehen sein könnte. Die Schätzungen sind derzeit noch nicht ganz genau – sie reichen von Januar bis August 2024.

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Nova T Corona Borealis ist gut dokumentiert

Die letzten beiden Nova-Ausbrüche im Sternbild Corona Borealis sind gut dokumentiert und der US-Astronom Bradley Schaefer (Louisiana State University) hat nun weiter in die Vergangenheit geschaut, um die Nova genauer zu dokumentieren.

„Da T CrB eine der hellsten Novae aller Zeiten ist, die etwa alle achtzig Jahre hell leuchtet, würden wir erwarten, dass frühere Ausbrüche von vielen Beobachtern in vielen Jahrhunderten auf der gesamten Nordhalbkugel in den letzten zwei Jahrtausenden entdeckt worden wären“, schreibt Schaefer in einer Studie, die auf dem Preprint-Server ArXiv zu lesen ist und im Fachjournal Journal for the History of Astronomy veröffentlicht werden soll.

Im Sternbild Corona Borealis (Nördliche Krone) soll im Jahr 2024 eine Nova zu sehen sein. (Künstlerische Darstellung)

Nova in der nördlichen Krone wurde bereits im Mittelalter beobachtet

Schaefer fährt fort: „Die Aufgabe ist es, herauszufinden, ob eine dieser unvermeidlichen Entdeckungen zu einem Bericht geführt hat, der bis in die Neuzeit überlebt hat, und zu prüfen, ob solche Berichte überzeugend sind.“ Und tatsächlich wurde der Astronom fündig: Der englische Astronom Francis Wollaston berichtete im Dezember 1787 vom plötzlichen Aufleuchten eines Sterns im Sternbild nördliche Krone – sämtliche Daten passen laut Schaefer ganz genau zu einer Nova von T CrB.

Im Jahr 1217 hat Schaefer eine weitere Erwähnung aufgespürt: Der deutsche Mönch Burchard aus dem Kloster Ursberg bei Augsburg. Burchard berichtete von einem „ursprünglich schwachen Stern, der eine Zeit lang sehr hell leuchtete und dann wieder zu seiner ursprünglichen Schwäche zurückkehrte“, schreibt Schaefer und ordnet ein: „Dies ist genau das, was wir von einem mittelalterlichen Bericht über eine alte Eruption von T Cr erwarten würden.“ (tab)

Rubriklistenbild: © imago images/YAY Images

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