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Sarah Neumeyerschließen
Erstmals zeigt die Nasa das Material vom Asteroiden „Bennu“ der Öffentlichkeit. Eine erste Analyse der Proben fördert gleich zwei Überraschungen zutage.
Update vom 12. Oktober 2023, 13.00 Uhr: Warum holt man eigentlich für viel Geld Material von einem Asteroiden zur Erde, statt mit den Meteoriten zu arbeiten, die von alleine zur Erde gestürzt sind? Diese und viele weitere Fragen beantwortet der Forscher Frank Brenker, der von der Nasa in Kürze Bodenproben vom Asteroiden „Bennu“ erhalten wird, im Interview.
Nasa findet Wasser und Kohlenstoff in Asteroid „Bennu“
Update vom 11. Oktober 2023, 18.49 Uhr: In dem Material von Asteroid „Bennu“, das mit der Raumsonde „Osiris-Rex“ zur Erde gebracht wurde, hat die Nasa Spuren von Wasser und Kohlenstoff nachgewiesen – und damit die Bausteine für das Leben auf der Erde. „Die Moleküle von Kohlenstoff und Wasser sind genau die Arten von Material, die wir finden wollten“, sagte der Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Bill Nelson, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im texanischen Houston.
„Es sind entscheidende Elemente bei der Entstehung unseres Planeten“, fügte Nelson hinzu. „Und sie werden uns helfen, den Ursprung von Elementen zu bestimmen, die zu Leben geführt haben könnten.“ Vor rund drei Wochen war die Kapsel mit den Geröllproben über der Wüste des US-Bundesstaats Utah abgeworfen worden. Im Anschluss wurden diese in Nasa-Labore in Texas gebracht. Dort untersuchen rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Material mit 60 verschiedenen Methoden.
Nasa teilt erste Ergebnisse nach Untersuchung von Asteroiden-Material mit
In einem Live-Stream teilte die Nasa nun die Ergebnisse der ersten Untersuchungen der Proben mit. Diese müssten jedoch mit vielen weiteren Analysen vertieft werden, teilt die Nasa mit. Es handelt sich um die erste erfolgreich zur Erde gebrachte Probe eines Asteroiden in der Geschichte der US-Raumfahrtbehörde - und die größte jemals entnommene solche Probe überhaupt. Vor rund drei Jahren hatte „Osiris-Rex“ die Probe von dem Himmelskörper mit einem komplizierten Manöver eingesammelt.
Die Probe bestehe aus Staub sowie Geröllstückchen verschiedenster Größen und wiege insgesamt etwa 250 Gramm, also etwa so viel wie ein Päckchen Butter, hieß es von der Nasa. Anders als erwartet fanden die Nasa-Wissenschaftler auch auf und an der Kapsel zusätzliches Material vom Asteroiden „Bennu“, weswegen die Untersuchung zunächst länger dauerte als geplant.
Öffnen der Kapsel vom Asteroiden: Nasa will Material erstmals zeigen
Update vom 11. Oktober 2023: Seit Wochen beschäftigt sich ein Team der US-Raumfahrtorganisation Nasa mit dem Material, das die Raumsonde „Osiris-Rex“ vom Asteroiden „Bennu“ geholt hat. Nun will die Nasa der Öffentlichkeit das Material zeigen, um das es geht – und von dem offenbar viel mehr gesammelt wurde, als geplant war. Heute um 17 Uhr (MESZ) will die Raumfahrtorganisation die Asteroiden-Probe im Livestream zeigen. Bereits gestern (10. Oktober) hatte ein Termin mit beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stattgefunden. In den kommenden Wochen sollen erste Proben des Asteroiden an teilnehmende Labore verschickt werden.
„Osiris-Rex“ brachte viel Material vom Asteroiden „Bennu“
Erstmeldung vom 5. Oktober 2023: Houston – Seit dem 24. September befindet sich eine Gesteinsprobe des Asteroiden „Bennu“ auf der Erde und wird derzeit von Forscherinnen und Forschern der US-Raumfahrtorganisation Nasa untersucht. Doch die Öffnung der Kapsel, die das Asteroiden-Material beinhaltet, geht langsamer vonstatten, als gedacht – und zwar „aus dem besten Grund“, wie es bei der Nasa selbst heißt. Die Kapsel quillt quasi über vor Asteroiden-Material. Es befindet sich so viel Staub des Asteroiden in der Kapsel, dass der darin befindliche Wissenschaftsbehälter mit dem eigentlichen Asteroiden-Gestein noch gar nicht geöffnet wurde.
Die Kapsel selbst, die von der Nasa-Raumsonde „Osiris-Rex“ über der Wüste von Utah abgeworfen wurde, schützt den sogenannten TAGSAM-Kopf, der im Oktober 2020 auf dem Asteroiden Proben genommen hat. Dabei half auch der Rockstar und Astrophysiker Brian May. In dem wissenschaftlichen Behälter befindet sich der Großteil des Asteroiden-Materials. Doch um dort hinzukommen, müssen sich die Forscherinnen und Forscher offenbar erst einmal durch das Material arbeiten, das sich außerhalb des TAGSAM-Kopfes in der Kapsel befindet.
Nasa-Mission „Osiris-Rex“: Mehr Asteroiden-Material als gedacht
Für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das eine Überraschung. Zwar hat man laut Nasa damit gerechnet, dass man außerhalb des wissenschaftlichen Behälters Asteroiden-Material findet. Doch die Menge, die dort nun tatsächlich vorhanden ist, erstaunt die Forschenden dennoch. „Das beste ‚Problem‘ ist, dass es so viel Material gibt, dass es länger dauert, als wir erwartet haben, es zu sammeln“, freut sich Nasa-Mitarbeiter Christopher Snead. „Es gibt viel reichhaltiges Material außerhalb des TAGSAM-Kopfes, das auch für sich genommen interessant ist. Es ist wirklich spektakulär, all dieses Material dort zu haben.“
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Derzeit führen Fachleute erste Schnellanalysen des Asteroiden-Materials durch, das sich außerhalb des wissenschaftlichen Behälters befindet. Geplant ist, so ein erstes Verständnis für das Material des Asteroiden „Bennu“ zu erhalten. Außerdem wollen die Forscherinnen und Forscher herausfinden, was sie von der Hauptprobe erwarten können. „Wir verfügen über alle mikroanalytischen Techniken, die wir einsetzen können, um die Probe wirklich zu zerlegen, fast bis auf die atomare Ebene“, betont Lindsay Keller vom „Osiris-Rex“-Probenanalyseteam in einer Mitteilung der Nasa.
Nasa will die eigentliche Asteroiden-Probe bald der Öffentlichkeit zeigen
In den kommenden Wochen soll die eigentliche Asteroiden-Probe mitsamt des TAGSAM-Kopfes in einen speziellen Handschuhkasten gelegt werden, der hermetisch nach außen abgeschlossen ist. Dann wird der wissenschaftliche Behälter vorsichtig geöffnet, um die eigentliche Gesteinsprobe herauszuholen. Am 11. Oktober will die Nasa die Asteroiden-Probe erstmals öffentlich zeigen, dann liegt viel Arbeit vor den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
Die Forschung erhofft sich von den „Bennu“-Proben viel – schließlich gelten Asteroiden als Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, die in der Kälte des Weltalls konserviert wurden. Im Raum stehen einige der ganz großen Fragen der Menschheit: Haben Asteroiden einst das Wasser auf die Erde gebracht? Und sind sie vielleicht sogar dafür verantwortlich, dass einige der Bausteine des Lebens auf die Erde gelangt sind? Zahlreiche Forschungsteams werden sich in den kommenden Monaten und Jahren mit diesen Fragen und den Proben des Asteroiden „Bennu“ beschäftigen. (tab)
Rubriklistenbild: © Nasa/AFP



