Klimawandel

Klimawandel: Ursache, Prognose und was Sie tun können

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  • Xenia Pfeifer
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Der Klimawandel betrifft die ganze Welt. Die Ursachen sind menschengemacht. Die Prognosen sind schlecht. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.

Frankfurt – Der menschengemachte Klimawandel hat große Auswirkungen auf unser Leben. Überschwemmungen, Dürre und enorme Hitze sind nur einige der Konsequenzen, die unser Leben schon jetzt mehr und mehr beeinträchtigen. Ohne dedizierte, sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel, werden die düsteren Prognosen der Klimawissenschaftler Realität werden. So warnt etwa die Helmholtz Klima Initiative, dass bereits ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2 Grad im Vergleich zum Niveau vor der Industrialisierung Elemente des Klima- und Erdsystems kippen könnte. Als Beispiele nennt die Initiative etwa, dass sich Wetterphänomene wie El Niño oder der Monsun massiv verändern und intensivieren könnten.

KontinentAnstieg der Durchschnittstemperatur von 1953 bis 2022
Europa+1,4 Grad Celsius (von 7,4 auf 8,8 Grad Celsius)
Asien+1,1 Grad Celsius (von 15,8 auf 16,9 Grad Celsius)
Nordamerika+1,2 Grad Celsius (von 9,8 auf 11 Grad Celsius)
Mittelamerika+0,6 Grad Celsius (von 27 auf 27,6 Grad Celsius)
Afrika+0,8 Grad Celsius (von 20 auf 20,8 Grad Celsius)
Australien+1,2 Grad Celsius (von 19,4 auf 20,6 Grad Celsius)
Weltweit+1,3 Grad Celsius (von 12,4 auf 13,7 Grad Celsius)
Quelle: laenderdaten.info

* In Südamerika gab es für den Betrachtungszeitraum keine Wetterstationen, die durchgehend entsprechende Werte lieferten.

Schon jetzt ist es zunehmend unwahrscheinlich, dass das ursprünglich gesetzte Ziel, einen Temperaturanstieg um 1,5 Grad zu vermeiden, noch umsetzbar ist. Um unseren Lebensstandard und Wohlstand auch in Zukunft erhalten zu können, ist es deshalb essenziell, dass Politik, Wirtschaft, aber auch jeder einzelne zum Klimaschutz und der Verringerung des CO₂-Ausstoßes beiträgt.

Definition und Unterschied zwischen natürlichem und menschengemachtem Klimawandel

Leugner des Klimawandels weisen oft darauf hin, dass Klimawandel ein natürliches Phänomen ist und es schon immer Temperaturschwankungen gab. Diese konnten, etwa im Fall von Eiszeiten, teils auch recht extrem ausfallen. Dieser natürliche Klimawandel zeigt langfristige Veränderungen der Temperatur, des Niederschlags oder des Meeresspiegels und wurden in vielen Studien nachgewiesen.

Wenn umgangssprachlich vom Klimawandel die Rede ist, ist jedoch meist spezifisch der menschengemachte Klimawandel (auch anthropogener Klimawandel) damit gemeint. Dieser setzt mit dem Zeitalter der Industrialisierung ein und führt zu einer Erderwärmung, die deutlich über den regelmäßigen Schwankungen des natürlichen Klimawandels liegt. Ausgelöst wird der menschengemachte Klimawandel größtenteils durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO₂.

Der Klimawandel sorgt für hohe Temperaturen (Symbolbild).

Noch nie hat sich das Klima so schnell erwärmt wie in den letzten Jahrzehnten seit der Industrialisierung. Dieser Klimaanstieg ist menschengemacht und kann auch nur durch die Menschheit aufgehalten werden.

Treibhausgase verstärken den Treibhauseffekt und tragen somit maßgeblich zum Klimawandel bei

Die steigenden Temperaturen hängen mit dem sogenannten Treibhauseffekt zusammen. Auch dieser ist eigentlich ein natürlicher Vorgang, dessen Funktion es ist, die Erde warmzuhalten. Er sorgt dafür, dass ein Teil der auf die Erde treffenden Sonnenstrahlen von den Treibhausgasen in der Luft reflektiert wird und diese somit erwärmt. Gäbe es ihn nicht, würden auf der Erde mittlere Temperaturen von -18 Grad Celsius herrschen, so das Umweltbundesamt.

Ein gewisser Anteil an Treibhausgasen in der Luft ist also normal und für das Überleben der Menschen sogar notwendig. Allerdings handelt es sich hier um ein empfindliches Gleichgewicht, das der Mensch zunehmend beeinflusst. Denn durch verschiedene Faktoren gelangt immer mehr CO₂ in die Erdatmosphäre, was den Treibhauseffekt anheizt. Das Resultat: Die Temperaturen weltweit steigen.

Das sind die Ursachen für steigende CO₂-Werte:

  • Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas
  • Abholzung von Wäldern (Bäume tragen durch Aufnahme von CO₂ zur Klimaregulierung bei)
  • Massentierhaltung

Treibhauseffekt und Klimawandel: Welche Rolle Kohlenstoffdioxid spielt

Über viele Jahrzehnte war der Kohlenstoffdioxid-Wert (CO₂), eines der wichtigsten Treibhausgase, in der Erdatmosphäre stabil, genau wie das Klima auf unserem Planeten. Durch die Industrialisierung und die damit einhergehende Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Braunkohle, Steinkohle, Erdöl) gelangte die doppelte Menge CO₂ in die Atmosphäre. Der CO₂-Wert ist heute um 45 Prozent höher als die Jahrtausende zuvor.

Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas und der Verkehr durch Autos und Flugzeuge sorgt für einen hohen CO₂-Ausstoß in die Atmosphäre. Die meisten CO₂-Emissionen werden in der Energiewirtschaft freigesetzt. Zahlen des Umweltbundesamtes zufolge ist diese für 37 Prozent der Emissionen verantwortlich. So wurden 2022 in Deutschland 247 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt. 

Die Lunge der Erde, unsere Wälder, könnten die erhöhten Kohlenstoffwerte ausgleichen, wenn wir diese erweitern. Die Pflanzen atmen das CO₂ ein und wandeln es in Sauerstoff um. Doch die Lage sieht gerade anders aus, die Wälder werden immer weiter abgeholzt, nicht nur wegen des Holzes, sondern auch um für die Industrie und Massentierzucht Platz zu machen.

Klimawandel: Wie ist der aktuelle Stand?

Das letzte Jahrzehnt von 2011 bis 2020 war bisher das weltweit wärmste seit den Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur war 2019 um 1,1 Grad höher als vor dem industriellen Zeitalter. Zurzeit erhöht sich die Temperatur alle 10 Jahre um 0,2 Grad.

Das sind die Folgen des Klimawandels:

  • Dürre & Waldbrände
  • Überschwemmungen
  • Anstieg des Meeresspiegels
  • Artensterben
  • Sinkende Lebensmittelversorgung

Dieser Temperatur-Anstieg ist jedes Jahr spürbarer. Die Winter sind milder und in manchen Regionen fällt kaum noch Schnee. Die Sommer werden immer heißer. So kommt es in vielen Teilen Europas zu Dürre und Waldbränden, was zu hohen Verlusten in der Landwirtschaft führt.

Prognose des Klimawandels bis 2030

Expert:innen gehen davon aus, dass der Klimawandel weiter voranschreitet, wenn nichts unternommen wird. Nach einem WMO-Bericht könnte bis 2026 die Temperatur erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Die Wahrscheinlichkeit liege dabei bei 93 Prozent.

Wenn die 1,5 Grad Marke dauerhaft überschritten wird, gehen die Klimaexpertinnen und Klimaexperten der WMO von einem hohen Anstieg der Todesfälle durch Hitze aus. Europa wird zudem mit hohen Verlusten bei der landwirtschaftlichen Produktion und somit Nahrungsknappheit rechnen müssen. Auch Wassermangel wird durch den Temperaturanstieg ein immer akuteres Thema. So wird bei einer Erderwärmung von zwei Grad etwa ein großer Teil der Bevölkerung in Südeuropa an Wasserknappheit leiden.

Die Politik im Kampf gegen den Klimawandel

Die Politik in Deutschland und anderen Teilen der Welt erkennt das Problem des Klimawandels an und hat versprochen, mit Gesetzen dagegen vorzugehen. Am 24. Juni 2021 beschloss der Deutsche Bundestag ein neues Bundes-Klimaschutzgesetz. Das Ziel ist es, die Treibhausgase in Deutschland bis 2030 um 65 Prozent zu mindern, bis 2040 um 88 Prozent und bis 2045 eine verbindliche Treibhausneutralität zu erreichen.

Es wurde zudem ein verbindliches Ziel für das natürliche Senken des CO₂-Ausstoßes festgelegt, also das Binden von CO₂ durch Wälder und Moore. So könnte der Treibhausausstoß weiter ausgeglichen werden.

Klimawandel-Proteste: #FridaysForFuture, Letzte Generation und Extinction Rebellion

Auch wenn die Politik den Klimawandel stoppen will, geht es vielen jungen Menschen, aber auch Expertinnen und Experten nicht schnell genug. Die Klimaziele der Länder, die im Klima-Abkommen von Paris festgelegt wurden, werden eher zögerlich verfolgt. So stellte sich im Sommer 2018, während in großen Teilen Europas eine Dürre- und Hitzewelle herrschte, Greta Thunberg mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor den schwedischen Reichstag in Stockholm und rief zum Streik auf.

Ab dem 20. August 2018 war sie, drei Wochen vor der Wahl zum schwedischen Reichstag, jeden Tag vor Ort, nach den Wahlen jeden Freitag. Schnell wurde über sie berichtet und sie fand Unterstützung. Zunächst in Schweden und schon bald auch in Australien, Belgien, Frankreich, Finnland und Dänemark bildeten sich Demonstrationsgruppen von jungen Menschen. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture versammelten sie sich jeden Freitagvormittag, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Greta Thunberg mahnt mehr Engagement für den Klimaschutz an. (Archivbild)

Die jungen Leute wollten mit ihren Protesten die Politik zum Handeln bewegen. Die Fridays-for-Future-Bewegung möchte eine wirkungsvolle Politik, die ausreichende Pläne zur Umsetzung der Klimapolitik präsentiert. Ziel ist es die 1,5 Grad Grenze nicht zu überschreiten und die Politik steht für sie in der Verantwortung, die Klimaziele umzusetzen. Solange das Ziel nicht erreicht ist, sollen die Streiks weitergehen.

Inzwischen gibt es noch weitere Protestbewegungen, die die Politik durch aufsehenerregende Protestaktionen zum Handeln bewegen wollen. Allen voran ist das in Deutschland und Österreich die Letzte Generation, deren Mitglieder schon mehrfach Straßen blockierten, indem sie sich auf dem Asphalt festklebten. Auch bemalen sie immer wieder historische Gebäude als Protestaktion mit oranger Farbe.

Weniger im Auge der Öffentlichkeit ist die Extinction Rebellion. Sie bedient sich einer ähnlichen Strategie wie die Letzte Generation – Demonstrationen und Protest durch zivilen Ungehorsam – und fordert ebenfalls mehr Klimaschutz von der Politik ein.

Was können Sie tun, um den Klimawandel zu stoppen?

Laut der WMO ist es noch nicht zu spät, den Klimawandel aufzuhalten. Und auch wenn im Bereich des systemischen Wandels primär Politik und Wirtschaft in der Pflicht sind, kann auch jeder einzelne aktiv etwas tun, um den Klimawandel zu bekämpfen. Oft reichen dafür schon kleine Änderungen im Alltag:

  • Zu Fuß gehen, Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel statt des Autos nutzen.
  • Carsharing oder Fahrgemeinschaften bilden.
  • Reisen mit dem Flugzeug reduzieren.
  • Bevorzugt regionale und saisonale Produkte sowie nachhaltige Lebensmittel im Supermarkt kaufen, da diese eine bessere CO₂-Bilanz haben.
  • Weniger Fleisch essen.
  • Nachhaltige Kleidung statt Fast Fashion kaufen.
  • Geräte, Möbel und Kleidung reparieren, anstatt neue zu kaufen.
  • Gute Wärmedämmung des eigenen Hauses sicherstellen, um weniger Heizen zu müssen – das spart Geld und ist gut fürs Klima.
  • Zu Ökostrom wechseln.
  • In Büro und Homeoffice möglichst papierfrei arbeiten und Recycling-Papier statt Papier aus neuem Zellstoff nutzen.
  • Nutzung von Plastik, vor allem Einwegplastik wie Einkaufstaschen oder Wattestäbchen, vermeiden. Stattdessen auf nachhaltigere, wiederverwendbare Alternativen setzen.
  • Elektrogeräte ganz ausschalten, anstatt nur den Standby-Modus zu nutzen.

Wenn mehr Menschen Klimafreundlichkeit in ihrem Alltag und bei ihren Kaufentscheidungen stärker priorisieren, sendet das zugleich ein Signal an Wirtschaft und Politik. (Xenia Pfeifer)

Rubriklistenbild: © Michael Weber/Imago

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