Keine einfache Antwort

Venus, Mars oder Merkur – Welcher Planet kommt der Erde am nächsten?

+
Auf einer Grafik wie dieser scheint die Antwort auf die Frage, welcher Planet der Erde am nächsten ist, offensichtlich. Ganz so leicht ist es jedoch nicht.
  • schließen
  • Tanja Banner
    Tanja Banner
    schließen

Die Frage, welcher Planet der Erde am nächsten ist, scheint einfach zu beantworten. Doch die Wahrheit ist komplexer als gedacht.

Frankfurt – Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun – diese Reihenfolge listet die Planeten vom sonnennächsten (Merkur) zum sonnenfernsten (Neptun) auf. Blickt man auf die Auflistung, scheint die Antwort auf die Frage, welcher Planet uns am nächsten ist, auf den ersten Blick offensichtlich: Nur Venus und Mars kommen als mögliche Antworten infrage. Und eine schnelle Google-Suche liefert eine klare Antwort: die Venus. Doch die Sache ist komplizierter als sie scheint.

Die Quelle dieser Information ist die Webseite der European Space Agency (Esa), die jedoch darauf hinweist, dass diese Angabe sich auf den erdnächsten Punkt in der Umlaufbahn des Planeten bezieht. Dies ist der springende Punkt – die Planeten sind ständig in Bewegung, daher gibt es keine universelle Antwort auf die Frage, welcher Planet der Erde am nächsten ist. Vielmehr hängt die Antwort davon ab, welches Kriterium man zugrunde legt.

Welcher Planet der Erde am nächsten ist

Wie bereits erwähnt, ändert sich ständig, welcher Planet der Erde am nächsten ist. Daher ist diese Antwort nicht unbedingt die praktischste, da man jedes Mal die aktuelle Position der Planeten überprüfen muss, um die Frage zu beantworten. Dies kann man beispielsweise auf der Webseite The Sky Live tun. Aktuell (Stand 17. Januar) ist Merkur der erdnächste Planet. Am 17. Oktober 2024 wird es jedoch der Mars sein. Allerdings haben nur wenige Menschen dieses Wissen parat.

PlanetEntfernung zur Erde (in km)
Merkur91.691.000 km
Venus41.400.000 km
Mars78.340.000 km

Eine alternative Antwort auf die Frage könnte sein, welcher Planet der Erde im Durchschnitt am nächsten ist. Auch diese Daten sind auf verschiedenen Webseiten zu finden. Auf theplanets.org sind beispielsweise die durchschnittlichen Entfernungen von Mars, Merkur und Venus zu unserem Heimatplaneten aufgeführt. Auch hier scheint die Antwort eindeutig zu sein. Tatsächlich basieren diese Zahlen jedoch auf einer Vereinfachung.

Merkur, Venus und Mars kommen infrage als erdnächster Planet

„Durch ein Phänomen der Nachlässigkeit, der Unklarheit oder des Gruppendenkens haben Wissenschaftspublizisten Informationen verbreitet, die auf einer fehlerhaften Annahme über die durchschnittliche Entfernung zwischen den Planeten beruhen“, so ein Artikel zum Thema, verfasst von Tom Stockman, Gabriel Monroe und Samuel Cordner und veröffentlicht in Physics Today.

Im Folgenden wird die fehlerhafte Berechnungsmethode kurz erläutert: „Um den durchschnittlichen Abstand zwischen zwei Planeten zu berechnen, subtrahieren (sie) den durchschnittlichen Radius der inneren Umlaufbahn, r1, vom durchschnittlichen Radius der äußeren Umlaufbahn, r2“. Diese Methode berücksichtigt jedoch nicht die relativen Positionen der Planeten zueinander während ihrer Umlaufbahn, erklärt Tom Stockman, Forschungs- und Entwicklungsingenieur am Los Alamos National Laboratory in New Mexico, gegenüber Live Science.

Auch Merkur könnte der erdnächste Planet sein

In dem in Physics Today veröffentlichten Artikel stellen er und seine beiden Co-Autoren eine genauere Alternative vor, die Point-Circle-Method (PCM). Diese berechnet einen Durchschnitt aller Entfernungen zwischen den einzelnen Punkten auf beiden Bahnen, so Stockman. Basierend auf dieser Methode erstellten die drei Wissenschaftler eine Simulation, die sie 10.000 Jahre lang laufen ließen, um auch der Zeitkomponente Rechnung zu tragen und noch genauer zu bestimmen, welcher Planet im Durchschnitt der Erde am nächsten war. Das überraschende Ergebnis: Merkur war über die betrachtete Zeit hinweg der Erde im Durchschnitt am häufigsten am nächsten.

Die drei Planeten, die der Erde am nächsten sind, sind immer wieder Gegenstand von Forschungsarbeiten. So ergab eine Studie beispielsweise, dass Leben auf dem Merkur möglich ist - wenn auch sehr eingeschränkt. Auf der Venus hingegen entdeckten Wissenschaftler Sauerstoff. Auf dem roten Planeten Mars sucht die Forschung nach früherem oder aktuellem Leben. (sp/tab)

Die Redakteurin hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.

Kommentare