Raumfahrt

Mars: Forschende wollen Sauerstoff aus dem Boden „ernten“

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Auf dem Mars gibt es keinen Sauerstoff – doch möglicherweise kann man ein Gerät bauen, mit dessen Hilfe Astronaut:innen Sauerstoff aus dem Boden „ernten“ können. (Symbolbild)
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Ein altes und umstrittenes Nasa-Experiment auf dem Mars könnte die Lösung sein für die Produktion von Sauerstoff auf Himmelskörpern wie dem Mond und dem Mars.

Athen – Der Mond und später der Mars sollen die nächsten Ziele für menschliche Erkundungen jenseits der Erde sein. Doch es gibt ein großes Problem, das die menschliche Forschung auf allen Himmelskörpern außer der Erde betrifft: Es gibt dort keinen Sauerstoff, den Raumfahrer:innen atmen können. Da Sauerstoff jedoch zum Überleben notwendig ist, muss er entweder von der Erde mitgebracht werden, oder es müssen Prozesse entwickelt werden, wie das lebenswichtige Gas auf dem besuchten Himmelskörper hergestellt werden kann.

Da der Transport von Sauerstoff in großen Mengen jedoch teuer ist – mehr Gewicht bedeutet unter anderem mehr Treibstoff-Bedarf beim Start – wird derzeit erforscht, wie auf dem Mond und dem Mars Sauerstoff produziert werden kann. Das Gas ist nicht nur lebenswichtig für Menschen, sondern auch eine wichtige Ressource in der Raumfahrt: um vier Astronaut:innen mit einer Rakete von der Mars-Oberfläche abheben zu lassen, benötigt man neben etwa sieben Tonnen Raketentreibstoff auch 25 Tonnen Sauerstoff, hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa vor einiger Zeit vorgerechnet. Während einem Jahr auf dem Mars würden die vier Raumfahrer:innen dagegen alle zusammen nur etwa eine Tonne Sauerstoff verbrauchen.

Mars: Diese Rover und Raumsonden erforschen den roten Planeten

Der Mars ist der Planet, der von den meisten menschlichen Gerätschaften erforscht wird. Zahlreiche Orbiter umkreisen den roten Planeten und auch auf seiner Oberfläche sind mehrere Rover und andere Forschungsgeräte aktiv.
Der Mars ist der Planet, der von den meisten menschlichen Gerätschaften erforscht wird. Zahlreiche Orbiter umkreisen den roten Planeten und auch auf seiner Oberfläche sind mehrere Rover und andere Forschungsgeräte aktiv. © dpa/Nasa/Hubble
Der Orbiter „2001 Mars Odyssey“ umkreist den roten Planeten seit – sein Name verrät es teilweise – Oktober 2001. Die Nasa-Sonde dient unter anderem als Relaisstation zur Datenübertragung des Nasa-Rovers „Curiosity“ und der Raumsonde „InSight“. „Mars Odyssey“ ist die langlebigste Mars-Mission, der Treibstoff der Sonde soll Nasa-Schätzungen zufolge bis 2025 ausreichen. (Künstlerische Darstellung der Sonde im Mars-Orbit)
Der Orbiter „2001 Mars Odyssey“ umkreist den roten Planeten seit – sein Name verrät es teilweise – Oktober 2001. Die Nasa-Sonde dient unter anderem als Relaisstation zur Datenübertragung des Nasa-Rovers „Curiosity“ und der Raumsonde „InSight“. „Mars Odyssey“ ist die langlebigste Mars-Mission, der Treibstoff der Sonde soll Nasa-Schätzungen zufolge bis 2025 ausreichen. (Künstlerische Darstellung der Sonde im Mars-Orbit) © Imago/agefotostock
Seit Dezember 2003 befindet sich die Raumsonde „Mars Express“ der europäischen Raumfahrtorganisation Esa in einer Umlaufbahn um den Mars. Hauptaufgabe der Sonde war die vollständige Kartografierung des Mars. Außerdem erforscht „Mars Express“ die Atmsophäre und Oberfläche des Mars. An Bord befand sich auch das Landegerät „Beagle 2“, dessen Landung nicht erfolgreich war. Die Mission von „Mars Express“ wurde bereits mehrfach verlängert, bestätigt ist eine Laufzeit bis mindestens Ende 2022, eine Erweiterung bis Ende 2025 scheint möglich. (Stand: Mai 2022)
Seit Dezember 2003 befindet sich die Raumsonde „Mars Express“ der europäischen Raumfahrtorganisation Esa in einer Umlaufbahn um den Mars. Hauptaufgabe der Sonde war die vollständige Kartografierung des Mars. Außerdem erforscht „Mars Express“ die Atmsophäre und Oberfläche des Mars. An Bord befand sich auch das Landegerät „Beagle 2“, dessen Landung nicht erfolgreich war. Die Mission von „Mars Express“ wurde bereits mehrfach verlängert, bestätigt ist eine Laufzeit bis mindestens Ende 2022, eine Erweiterung bis Ende 2025 scheint möglich. (Stand: Mai 2022) © dpa/Esa
„Maven“ (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) heißt die Nasa-Raumsonde, die speziell zur Erforschung der Atmosphäre zum Mars geschickt wurde. Seit September 2014 umkreist „Maven“ den Mars und ist in dieser Zeit vier Mal in die Atmosphäre des roten Planeten hineingetaucht. „Mavens“ Struktur basiert auf ihren Vorgänger-Orbitern „Mars Reconnaissance Orbiter“ und „2001 Mars Odyssey“. Am 6. Dezember 2025 verlor die NASA den Kontakt zur Raumsonde – ob der Kontakt wiederhergestellt werden kann, ist unklar, scheint aber unwahrscheinlich (Stand: März 2026).
„Maven“ (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) heißt die Nasa-Raumsonde, die speziell zur Erforschung der Atmosphäre zum Mars geschickt wurde. Seit September 2014 umkreist „Maven“ den Mars und ist in dieser Zeit vier Mal in die Atmosphäre des roten Planeten hineingetaucht. „Mavens“ Struktur basiert auf ihren Vorgänger-Orbitern „Mars Reconnaissance Orbiter“ und „2001 Mars Odyssey“. © Nasa/Goddard
Eine weitere Nasa-Raumsonde, die den Mars umkreist, ist MRO, der „Mars Reconnaissance Orbiter“. Sie erreichte im März 2006 ihren Orbit und sollte den Mars kartografieren. Die hochauflösende Kamera an Bord erlaubte es der Nasa auch, interessante Landestellen für nachfolgende Missionen wie den Rover „Curiosity“ zu finden. MRO hat auch ein Radar an Bord, mit dem der Orbiter dicht unter der Mars-Oberfläche nach Wasser und Eis sucht.
Eine weitere Nasa-Raumsonde, die den Mars umkreist, ist MRO, der „Mars Reconnaissance Orbiter“. Sie erreichte im März 2006 ihren Orbit und sollte den Mars kartografieren. Die hochauflösende Kamera an Bord erlaubte es der Nasa auch, interessante Landestellen für nachfolgende Missionen wie den Rover „Curiosity“ zu finden. MRO hat auch ein Radar an Bord, mit dem der Orbiter dicht unter der Mars-Oberfläche nach Wasser und Eis sucht. © Imago/agefotostock
Der Nasa-Rover „Curiosity“ (offiziell: „Mars Science Laboratory“, MSL) ist im August 2012 auf dem Mars gelandet. Er ist weitgehend autonom und hat zehn Instrumente zur Untersuchung von Gestein, Atmosphäre und Strahlung an Bord. Außerdem kann „Curiosity“ Spektrografen, Kameras und meteorologische Instrumente auf dem Mars einsetzen. „Curiosity“ hat etwa die Größe eines Kleinwagens und wiegt etwa 900 Kilogramm. Bei seiner Landung war der Rover das schwerste von Menschen geschaffene Objekt auf dem Mars. Mittlerweile gilt sein Nachfolger, der Rover „Perseverance“, als schwerstes Objekt auf dem Mars.
Der Nasa-Rover „Curiosity“ (offiziell: „Mars Science Laboratory“, MSL) ist im August 2012 auf dem Mars gelandet. Er ist weitgehend autonom und hat zehn Instrumente zur Untersuchung von Gestein, Atmosphäre und Strahlung an Bord. Außerdem kann „Curiosity“ Spektrografen, Kameras und meteorologische Instrumente auf dem Mars einsetzen. „Curiosity“ hat etwa die Größe eines Kleinwagens und wiegt etwa 900 Kilogramm. Bei seiner Landung war der Rover das schwerste von Menschen geschaffene Objekt auf dem Mars. Mittlerweile gilt sein Nachfolger, der Rover „Perseverance“, als schwerstes Objekt auf dem Mars. © Nasa/JPL
erreichte im September 2014 ihre Umlaufbahn um den Mars und hatte damit bereits ihr Hauptziel erfüllt: „Mangalyaan“ sollte erfolgreich in einen stabilen Orbit um den Mars einschwenken. Indien erprobt mit der Sonde weitere Techniken, unter anderem Kommunikation und Navigation, die Durchführung einer interplanetaren Mission sowie die Integration von autonomen Funktionen.
Die indische Raumsonde „Mars Orbiter Mission“ (MOM) wird inoffiziell auch „Mangalyaan“ („Mars-Gefährt“) genannt. Sie erreichte im September 2014 ihre Umlaufbahn um den Mars und hatte damit bereits ihr Hauptziel erfüllt: „Mangalyaan“ sollte erfolgreich in einen stabilen Orbit um den Mars einschwenken. Indien erprobt mit der Sonde weitere Techniken, unter anderem Kommunikation und Navigation, die Durchführung einer interplanetaren Mission sowie die Integration von autonomen Funktionen. Die Mission gilt seit Anfang Oktober 2022 offiziell als beendet, der Kontakt zum Orbiter ist abgebrochen. © Imago/Hindustan Times
Der „ExoMars Trace Gas Orbiter“ (TGO) ist die zweite europäische Raumsonde, die den Mars umkreist. Im Oktober 2016 ist der Orbiter, der eine Zusammenarbeit zwischen Esa und der russischen Roskosmos darstellt, im Mars-Orbit angekommen. Er untersucht die Mars-Atmosphäre im Allgemeinen und blickt speziell auf Spurengase wie Methan, die eine biologische oder geologische Ursache haben könnten. Der Orbiter hatte den Lander „Schiaparelli“ dabei, dessen Landung auf dem Mars jedoch scheiterte. „TGO“ sollte auch dabei helfen, mögliche Landestellen für den europäischen ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ zu finden. Dieser Rover sollte im Herbst 2022 zum Mars starten, doch die Zusammenarbeit zwischen Esa und Russland wurde wegen des Ukraine-Kriegs auf Eis gelegt. Was mit „Rosaldin Franklin“ geschieht, ist noch unklar. (Stand: Mai 2022)
Der „ExoMars Trace Gas Orbiter“ (TGO) ist die zweite europäische Raumsonde, die den Mars umkreist. Im Oktober 2016 ist der Orbiter, der eine Zusammenarbeit zwischen Esa und der russischen Roskosmos darstellt, im Mars-Orbit angekommen. Er untersucht die Mars-Atmosphäre im Allgemeinen und blickt speziell auf Spurengase wie Methan, die eine biologische oder geologische Ursache haben könnten. Der Orbiter hatte den Lander „Schiaparelli“ dabei, dessen Landung auf dem Mars jedoch scheiterte. „TGO“ sollte auch dabei helfen, mögliche Landestellen für den europäischen ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ zu finden. Dieser Rover sollte im Herbst 2022 zum Mars starten, doch die Zusammenarbeit zwischen Esa und Russland wurde wegen des Ukraine-Kriegs auf Eis gelegt. Was mit „Rosaldin Franklin“ geschieht, ist noch unklar. (Stand: Mai 2022) © Imago/ZUMA Wire
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben eine eigene Mars-Mission: Die „The Emirates Mars Mission“ besteht aus dem Mars-Orbiter „Hope“, der seit Februar 2021 den roten Planeten umkreist. Mit der Ankunft der Raumsonde im Mars-Orbit wurden die VAE zum erst fünften Land überhaupt, das den Mars erreicht hat. Der Name „Hope“ soll „eine optimistische Nachricht an Millionen junger Araber schicken“, hieß es vor dem Start.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben eine eigene Mars-Mission: Die „The Emirates Mars Mission“ besteht aus dem Mars-Orbiter „Hope“, der seit Februar 2021 den roten Planeten umkreist. Mit der Ankunft der Raumsonde im Mars-Orbit wurden die VAE zum erst fünften Land überhaupt, das den Mars erreicht hat. Der Name „Hope“ soll „eine optimistische Nachricht an Millionen junger Araber schicken“, hieß es vor dem Start. © Imago/Kyodo News
Im Jahr 2021 ist China ein Doppelerfolg gelungen: Der Orbiter „Tianwen-1“ erreichte im Februar des Jahres den Mars. An Bord: Ein Rover, der drei Monate später auf dem Mars landete. Die Raumsonde „Tianwen-1“ umkreist den Mars und schickt nicht nur wissenschaftliche Daten zur Erde, sondern auch so manches Selfie aus dem Mars-Orbit, das auf der Erde für Aufsehen sorgt.
Im Jahr 2021 ist China ein Doppelerfolg gelungen: Der Orbiter „Tianwen-1“ erreichte im Februar des Jahres den Mars. An Bord: Ein Rover, der drei Monate später auf dem Mars landete. Die Raumsonde „Tianwen-1“ umkreist den Mars und schickt nicht nur wissenschaftliche Daten zur Erde, sondern auch so manches Selfie aus dem Mars-Orbit, das auf der Erde für Aufsehen sorgt. © Imago/Xinhua
Das Jahr 2021 war ein Mars-Jahr: Auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat es sich nicht nehmen lassen, in diesem Jahr einen Rover auf dem roten Planeten zu landen. „Mars 2020“ heißt die Mission, zu der der Rover „Perseverance“ gehört. Er ist im Februar 2021 im Jezero-Krater auf der nördlichen Marshalbkugel gelandet und hat von dort bereits bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert – unter anderem, dass er tatsächlich wie vermutet in einem ausgetrockneten Mars-See gelandet ist. „Perseverance“ soll nach Spuren früheren Lebens auf dem Mars suchen und gleichzeitig Gesteinsproben für einen späteren Transport zur Erde einlagern. Mit dabei hatte der Rover den kleinen Hubschrauber „Ingenuity“ (siehe nächstes Bild).
Das Jahr 2021 war ein Mars-Jahr: Auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat es sich nicht nehmen lassen, in diesem Jahr einen Rover auf dem roten Planeten zu landen. „Mars 2020“ heißt die Mission, zu der der Rover „Perseverance“ gehört. Er ist im Februar 2021 im Jezero-Krater auf der nördlichen Marshalbkugel gelandet und hat von dort bereits bedeutende wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert – unter anderem, dass er tatsächlich wie vermutet in einem ausgetrockneten Mars-See gelandet ist. „Perseverance“ soll nach Spuren früheren Lebens auf dem Mars suchen und gleichzeitig Gesteinsproben für einen späteren Transport zur Erde einlagern. Mit dabei hatte der Rover den kleinen Hubschrauber „Ingenuity“ (siehe nächstes Bild). © Nasa/JPL
Auch der kleine Helikopter „Ingenuity“ erforscht den Mars. Die Drohne ist gemeinsam mit dem Nasa-Rover „Perseverance“ auf dem roten Planeten gelandet und erkundet den Mars seit dem ersten Flug im April 2021 aus der Luft. Angedacht als Technologiedemonstration, für die bis zu fünf Flüge geplant waren, übertrifft „Ingenuity“ alle Erwartungen. Mehr als 20 Flüge über den Mars hat der Hubschrauber bereits absolviert und erkundet mittlerweile für den Rover „Perseverance“ künftige Strecken.
Auch der kleine Helikopter „Ingenuity“ erforscht den Mars. Die Drohne ist gemeinsam mit dem Nasa-Rover „Perseverance“ auf dem roten Planeten gelandet und erkundet den Mars seit dem ersten Flug im April 2021 aus der Luft. Angedacht als Technologiedemonstration, für die bis zu fünf Flüge geplant waren, übertrifft „Ingenuity“ alle Erwartungen. Mehr als 20 Flüge über den Mars hat der Hubschrauber bereits absolviert und erkundet mittlerweile für den Rover „Perseverance“ künftige Strecken. © Nasa/JPL
Er ist derzeit der neueste Forscher auf dem Mars: Der chinesische Rover „Zhurong“ ist im Mai 2021 gelandet, nachdem er seit Februar 2021 gemeinsam mit der Raumsonde „Tianwen-1“ den Mars umkreiste. „Zhurong“ ist der erste chinesische Rover auf dem Mars. Zu seinen Missionszielen gehört die Untersuchung von Strukturen unterhalb der Marsfläche, auch die chemische Zusammensetzung des Oberflächenmaterials interessiert die beteiligten Forschenden. Der Rover arbeitet zusammen mit der Raumsonde „Tianwen-1“ an der Suche von Mineralien, die durch Interaktion mit Oberflächenwasser entstanden sind.
Der chinesische Rover „Zhurong“ ist im Mai 2021 gelandet, nachdem er seit Februar 2021 gemeinsam mit der Raumsonde „Tianwen-1“ den Mars umkreiste. „Zhurong“ ist der erste chinesische Rover auf dem Mars. Zu seinen Missionszielen gehört die Untersuchung von Strukturen unterhalb der Marsfläche, auch die chemische Zusammensetzung des Oberflächenmaterials interessiert die beteiligten Forschenden. Der Rover arbeitet zusammen mit der Raumsonde „Tianwen-1“ an der Suche von Mineralien, die durch Interaktion mit Oberflächenwasser entstanden sind. Seit Mai 2022 befindet er sich in einem Winterschlaf, aus dem er bisher (Stand: Ende April 2023) nicht erwacht ist. Geplant war, dass er im Dezember 2022 wieder erwacht. © Imago/ZUMA Press

Weltall: Raumfahrt zum Mond und Mars – Wie Sauerstoff vor Ort hergestellt werden könnte

Doch wie produziert man Sauerstoff auf Himmelskörpern wie dem Mond oder dem Mars? Forschende aus Griechenland haben sich bei frühen Mars-Missionen Inspiration geholt: Die beiden „Viking“-Sonden der Nasa landeten 1976 auf dem Mars und führten dort mehrere Experimente durch. Das Ergebnis des sogenannten „Labeled Release“-Experiments ist bis heute umstritten. Dabei wurde eine flüssige Mikronährstofflösung auf eine Mars-Bodenprobe aufgebracht – die daraufhin große Mengen Sauerstoff freisetzte. Für manche galt dieses Ergebnis als Beweis für mikrobielles Leben auf dem Mars, dagegen sprach jedoch, dass die Sauerstoffproduktion auch nach einer Sterilisation bei 160 Grad Celsius weiterging.

„Die heute gängige Interpretation ist, dass die Ergebnisse auf eine abiotische chemische Reaktion zurückzuführen sind“, zitiert die europäische Raumfahrtorganisation Esa den Forscher Elias Chatzitheodoridis aus dem Fachbereich Geologische Wissenschaften der Nationalen Technischen Universität Athen. „Die Sauerstoff-Produktion wurde durch eine reaktive Sauerstoffspezies verursacht, die mit dem Wasser in der Nährflüssigkeit reagiert“, erklärt Christos Georgiou aus dem Fachbereich Biologie der Universität Patras gegenüber der Esa und fährt fort: „Solche reaktiven Spezies können aus Metallsalzen von Superoxiden, Peroxiden oder Perchloraten stammen – letztere wurden 2008 von der Nasa-Landeeinheit ‚Mars Phoenix‘ in der Mars-Arktis nachgewiesen.“

Diesen Mechanismus wollen sich die Forschenden zunutze machen, um künftige Raumfahrer:innen auf dem Mars oder Mond mit Sauerstoff zu versorgen. Ihre Idee, das Experiment der „Viking“-Sonde als eine Art „Detektor“ für die reaktive Sauerstoffspezies zu nutzen, stieß bei der Esa auf Interesse. „Der spannende Aspekt ist, dass diese Technik für mehr als das Finden von Superoxiden genutzt werden kann“, erklärt die Esa-Materialforscherin Malgorzata Holynska.

Mars und Mond: Forschende wollen Sauerstoff aus dem Boden „ernten“

Das griechische Forschungsteam arbeitet nun an einem Detektor, der kleiner als ein Taschenbuch sein soll. Aber auch ein erstes Design für einen groß angelegten Reaktor, der dem Boden regelmäßig Sauerstoff entzieht („Sauerstoff-Ernte“), soll im Rahmen eines Projekts, das von der Esa gefördert wird, erstellt werden. „Durch solare UV-Bestrahlung wird der Sauerstoffvorrat innerhalb weniger Stunden wieder aufgefüllt“, erklärt Chatzitheodoridis. Er schätzt, dass eine Fläche von 1,2 Hektar genug Sauerstoff liefern sollte, um einen Menschen auf dem Mond oder Mars am Leben zu halten.

Der „Viking“-Lander der Nasa hat 1976 ein Experiment mit umstrittenem Ergebnis auf dem Mars durchgeführt – es dient als Inspiration für die Idee der Forschenden, Sauerstoff auf dem Boden von Mond und Mars zu „ernten“. (künstlerische Darstellung)

Nutzung der vor Ort vorhandenen Ressourcen: Ansatz für den Mond und Mars

Derzeit werden auch andere Methoden erforscht, wie auf dem Mond oder Mars Sauerstoff hergestellt werden kann. Die obersten zehn Meter der Mondoberfläche könnten genug Sauerstoff liefern, um alle acht Milliarden Menschen auf der Erde für etwa 100.000 Jahre zu versorgen, haben Forschende beispielsweise berechnet.

Und auch auf dem Mars tut sich etwas: Der Rover „Perseverance“ hat das Experiment „MOXIE“ mit zum roten Planeten transportiert. Dort produziert das Instrument, das etwa so groß ist wie ein Toaster, testweise Sauerstoff, indem es Kohlendioxid aus der Mars-Atmosphäre mithilfe von Hitze und Strom spaltet. Dabei entsteht Sauerstoff – der gespeichert wird – und Kohlenmonoxid, das in die Mars-Atmosphäre abgegeben wird. Im ersten Anlauf hat „MOXIE“ etwa fünf Gramm Sauerstoff produziert – eine Menge, die ein Astronaut oder eine Astronautin innerhalb von etwa zehn Minuten verbrauchen würde.

Der Ansatz, wie „MOXIE“ vor Ort etwas zu produzieren, statt es dorthin zu transportieren, wird als „in-situ resource utilization“ (ISRU, „Nutzung der vor Ort vorhandenen Ressourcen“) bezeichnet. Diese Methode soll künftige menschliche Flüge zum Mond oder Mars erleichtern, da weniger Ressourcen transportiert werden müssen. (Tanja Banner)

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