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Jeff Bezos und sein Unternehmen Blue Origin sollen neben SpaceX eine Mondlandefähre für die Nasa entwickeln. Der erste Flug soll 2029 stattfinden.
Washington D.C. – Es muss eine große Enttäuschung für Jeff Bezos, Amazon-Gründer und einer der reichsten Menschen der Welt, gewesen sein: 2021 erhielt Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX von der US-Raumfahrtorganisation Nasa den Auftrag, eine Mondlandefähre für die geplanten „Artemis“-Missionen zu entwickeln. Bezos hatte mit seinem Unternehmen Blue Origin und großen Unternehmen aus der US-amerikanischen Raumfahrt bereits Jahre zuvor eine Allianz geschmiedet, die für die Nasa einen Mondlander bauen wollte.
Doch der „Blue Moon“-Lander von Blue Origin verlor bei der Nasa-Auwahl gegen das „Starship“ von SpaceX – und Bezos war wütend. Er versuchte es mit einem offenen Brief an die Nasa, er bot Geld, legte Beschwerde beim US-Rechnungshof ein und zog vor Gericht. Doch die Nasa führte ihr knappes Budget als Grund dafür an, warum nur ein Vertrag vergeben wurde – für das Jahr 2021 hatte die US-Behörde von der Politik nur etwa ein Viertel der Summe erhalten, die sie für die Mondlande-Pläne braucht.
Nasa-Entscheidung: Auch Jeff Bezos und Blue Origin sollen eine Mondlandefähre bauen
Weil auch in Teilen der Politik die Entscheidung zugunsten eines Unternehmens nicht gut ankam und Konkurrenz gefordert wurde, entschied sich die Nasa dann doch für eine zweite Ausschreibung. Nun hat die Behörde bekannt gegeben, wer den zweiten Vertrag zum Bau eines „Human Landing System“ (HLS) bekommt – und Jeff Bezos kann endlich jubeln. Sein „National Team“, zu dem neben Blue Origin auch die Unternehmen Lockheed Martin, Draper, Boeing, Astrobotic und Honeybee Robotics gehören, hat von der Nasa den Zuschlag bekommen.
Blue Origin soll die Mondlandefähre „Blue Moon“ so ausgestalten, dass er die Nasa-Anforderungen für astronautische Missionen auf der Mondoberfläche und das Andocken an die geplante Raumstation „Gateway“ erfüllt. Im Vertrag, der 3,4 Milliarden US-Dollar wert ist, stehen eine Demonstrations-Mission zur Mondoberfläche, die ohne Crew durchgeführt werden soll, sowie anschließend eine Mondlande-Mission mit Crew im Jahr 2029 („Artemis V“). Zuvor soll SpaceX ebenfalls eine Mission ohne Crew sowie anschließend zwei Mondlandungen mit Personal („Artemis III“ und „Artemis IV“) durchführen.
Mondlander von SpaceX und Blue Origin sollen wiederverwertbar sein
Ein großer Unterschied zu den „Apollo“-Missionen ist vor allem die geplante Wiederverwertbarkeit der beiden Mondlander. „Wir sind in einem goldenen Zeitalter der menschlichen Raumfahrt, die durch kommerzielle und internationale Partnerschaften der Nasa möglich gemacht wird“, betont Nasa-Chef Bill Nelson in einer Mitteilung der Behörde. „Zusammen machen wir ein Investment in die Infrastruktur, die uns den Weg bereiten wird, um die ersten Menschen auf dem Mars zu landen.“
Die Nasa plant, die Infrastruktur um den Mond langfristig dazu zu nutzen, um zum Mars weiterzufliegen. Doch erst einmal steht die nächste Landung von Menschen auf dem Mond im Vordergrund. Nachdem die Mission „Artemis I“ und der Jungfernflug der neuen Nasa-Schwerlastrakete SLS und des Crewmoduls „Orion“ im vergangenen Jahr erfolgreich verlaufen sind, sollen 2024 erstmals wieder Astronautinnen und Astronauten in die Nähe des Mondes kommen. Die Crew wurde von der Nasa bereits bekannt gegeben. Frühestens 2025 sollen wieder Menschen auf dem Mond landen. Ob dieser Termin realistisch ist, wird sich zeigen – schließlich hat das „Starship“ von SpaceX gerade erst seinen ersten Testflug hinter sich gebracht. (tab)

