Ein Instrument im Rover „Perseverance“ testet auf dem Mars die Produktion von Sauerstoff. Nun ist dem Toaster-großen „Moxie“ ein neuer Rekord gelungen.
Washington D.C. – In ferner Zukunft sollen Menschen auf dem Planeten Mars leben und arbeiten – und bereits heute wird an verschiedenen Fronten daran gearbeitet, diese Zukunftsvision möglich zu machen. Am sichtbarsten ist das riesige wiederverwendbare Raumschiff „Starship“, das das private Raumfahrtunternehmen SpaceX derzeit testet und das langfristig dafür gedacht ist, den Mars zu kolonisieren. Aber auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa ist bereits seit einiger Zeit damit beschäftigt, den Grundstein für die künftige menschliche Erforschung des Mars zu legen.
Ein besonders spannender Aspekt dieser Grundlagenarbeit hat mit Sauerstoff auf dem Mars zu tun. Von dem gibt es auf dem roten Planeten nämlich nur sehr wenig – der Sauerstoffgehalt der Luft auf dem Mars beträgt nur 0,13 Prozent, verglichen mit 21 Prozent auf der Erde, heißt es bei der Nasa. Ausreichend Sauerstoff ist für Astronautinnen und Astronauten auf dem Mars jedoch nicht nur wichtig, um atmen zu können. Auch für den Antrieb von Raketen wird Sauerstoff benötigt.
Nasa-Instrument „Moxie“ produziert Sauerstoff auf dem Mars
„Um eine menschliche Mission zum Mars zu unterstützen, müssen wir eine Menge Dinge von der Erde mitbringen – wie Computer, Raumanzüge und Unterkünfte. Aber Sauerstoff? Wenn man ihn dort produziert, ist man dem Spiel weit voraus“, erklärt Jeff Hoffman, der für die Nasa am Instrument „Moxie“ arbeitet. Dabei handelt es sich um ein Instrument auf dem Mars-Rover „Perseverance“, das auf dem Mars die Sauerstoffproduktion erproben soll.
Das Instrument „Moxie“ ist etwa so groß wie ein Toaster und befindet sich im Inneren des Nasa-Rovers „Perseverance“. Auf dem Mars extrahiert es Sauerstoff aus der Luft. (Archivbild)
„Moxie“ (Mars Oxygen In-Situ Resource Utilization Experiment) extrahiert Sauerstoff aus der dünnen Atmosphäre des Mars. Erstmals gelungen ist das bahnbrechende Experiment am 20. April 2021. Damals hat das etwa Toaster-große Gerät etwa fünf Gramm Sauerstoff produziert – diese Menge würde eine Astronautin oder ein Astronaut in etwa zehn Minuten verbrauchen. Im Kalenderjahr 2021 ist das Instrument insgesamt siebenmal gelaufen und konnte beweisen, dass ihm die unterschiedlichen Bedingungen auf dem Mars nichts ausmachen.
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Mars-Instrument hat so viel Sauerstoff produziert wie nie zuvor
Seitdem sind die Forscherinnen und Forscher, die „Moxie“ betreuen, etwas wagemutiger geworden. Mittlerweile hat „Moxie“ etwa 1000 Minuten lang Sauerstoff produziert, wie Space.com berichtet. „Es war ein aufregender Ritt“, erklärt der für das Instrument maßgebliche Wissenschaftler, Michael Hecht (Massachusetts Institute of Technology) gegenüber dem Portal. Im Laufe des Juni hat „Moxie“ nun einen neuen Rekord geschafft: Das kleine Instrument im Mars-Rover „Perseverance“ hat doppelt so viel Sauerstoff produziert wie zuvor. „Wir haben großartige Ergebnisse bekommen“, freut sich Hecht, betont aber auch: „Das war der riskanteste Durchlauf, den wir gemacht haben. Das hätte schiefgehen können.“
Konkret war „Moxie“ am 6. Juni 2023 für 58 Minuten aktiv und hat dabei nach Angaben von Hecht 12 Gramm Sauerstoff pro Stunde produziert. Vorgabe für die Technologiedemonstration war, sechs Gramm Sauerstoff pro Stunde auf dem Mars zu extrahieren. „Wir haben ein bisschen gewürfelt, dann haben wir den Atem angehalten und geschaut, was passiert“, erinnert sich der Forscher.
Ein großes „Moxie“-Instrument wäre nötig, um Menschen auf dem Mars zu versorgen
Die Sauerstoff-Mengen, die „Moxie“ auf dem Mars produziert, reichen natürlich noch lange nicht aus für eine menschliche Crew. Um vom Mars wieder abzuheben, benötigt eine kleine menschliche Besatzung etwa 25 bis 30 Tonnen Sauerstoff, hat die Nasa berechnet. Noch gibt es keine konkreten Pläne, ein großes „Moxie“-Instrument zu bauen, doch Gedankenspiele gibt es bereits: Etwa alle 26 Monate öffnet sich ein gutes Fenster für einen Start zum Mars. Idealerweise ist bereits alles, was die Crew braucht, vor dem Start auf dem roten Planeten verfügbar – das heißt, ein großes „Moxie“ müsste ein Startfenster vor der Crew zum Mars geschickt werden.
Um vor der Ankunft einer menschlichen Crew genügend Sauerstoff für deren kompletten Mars-Aufenthalt zu produzieren, müsste das große „Moxie“-Instrument 2000 bis 3000 Gramm Sauerstoff pro Stunde produzieren – und zwar Tag und Nacht, ohne Pause für 20 Monate. Es müsste also im Startfenster vor der menschlichen Crew bereits zum Mars gebracht werden und dann 20 Monate durcharbeiten. Die US-Raumfahrtorganisation geht davon aus, dass ein großes Gerät, das ausreichend Sauerstoff produzieren kann, etwa so groß ist wie ein kleiner Gefrierschrank und ungefähr eine Tonne wiegt. Doch bis es so weit ist und Menschen erstmals den Mars betreten, dürften noch viele Jahre vergehen. (tab)