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Ein riesiger Asteroid namens Apophis wird der Erde näher kommen als geostationäre Satelliten. Ein seltenes Ereignis, das Forscher weltweit fasziniert.
München – Der Asteroid „Apophis“ ist berüchtigt, denn lange Jahre berechneten Forscher eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er bald die Erde treffen könnte. Diese Wahrscheinlichkeiten wurden jedoch 2021 ausgeräumt – mindestens in den kommenden 100 Jahren soll „Apophis“ die Erde verfehlen. Das gilt auch für den 13. April 2029, den Tag, an dem der Asteroid, der nach dem altägyptischen „Gott des Chaos“ benannt wurde, der Erde unglaublich nahe kommen wird. Nur rund 30.000 Kilometer sollen dann für kurze Zeit zwischen „Apophis“ und der Erde liegen – der Ring geostationärer Satelliten ist weiter von der Erde entfernt.
| Name: | (99942) Apophis |
|---|---|
| Typ: | Asteroid (Aten-Typ) |
| Durchmesser: | ca. 350 Meter |
| Umlaufzeit: | 324 Tage |
| Entdeckung: | 19. Juni 2004 |
| Entdecker: | Roy Tucker, David J. Tholen und Fabrizio Bernardi (Kitt-Peak-Nationalobservatorium) |
| Besonderheit: | nähert sich der Erde am 13. April 2029 bis auf rund 30.000 km an |
Asteroid „Apophis“ nähert sich der Erde 2029 bis auf rund 30.000 Kilometer
Doch auch an diesem Tag soll „Apophis“ die Erde nicht treffen, sind sich Fachleute sicher. Der Tag – ausgerechnet ein Freitag, der 13. – soll für die Forschung dagegen ein „Glückstag“ sein. Schließlich kommt ein so großer Asteroid („Apophis“ hat einen Durchmesser von 350 Metern) nur alle 1000 Jahre der Erde nahe, berichtet spacenews.com. In der Vergangenheit sind Forschungsmissionen viele Millionen Kilometer ins All gereist, um Asteroiden zu erforschen. Zuletzt hat die Nasa-Raumsonde „Osiris Rex“ Proben vom Asteroiden „Bennu“ zur Erde gebracht.
Dieses Mal scheint es einfacher zu sein, einen Asteroiden zu untersuchen, da man keine weite Strecke zurücklegen muss. Daher überlegt die Wissenschaft, wie „Apophis“ mithilfe verschiedener Missionen erforscht werden kann.
Nasa schickt Raumsonde „Osiris-Apex“ zum Asteroiden „Apophis“
Die Mission „Osiris-Apex“ ist bereits im Gange. Dabei handelt es sich um die Raumsonde „Osiris Rex“, die nach dem Ende ihrer Reise zu „Bennu“ einen neuen Namen erhalten hat und nun dem Asteroiden „Apophis“ folgt. Die Nasa-Raumsonde soll kurz nach der größten Annäherung an die Erde bei dem Asteroiden ankommen und beobachten, wie sich dessen Oberfläche verändert. „Die nahe Annäherung an die Erde ist ein großartiges natürliches Experiment“, so Dani Mendoza DellaGiustina, leitende Forscherin für „Osiris-Apex“ an der Universität von Arizona in Tucson.
Es gibt weitere geplante Missionen zum Asteroiden „Apophis“, obwohl noch unklar ist, ob sie durchgeführt werden können. Das Problem ist, dass die Entwicklung einer Raumsonde, die rechtzeitig vor dem nahen Vorbeiflug an der Erde bei „Apophis“ ankommen soll, sofort beginnen müsste. Es gibt jedoch noch keine Klarheit über die Finanzierung. Während die Nasa angibt, dass sie kein Budget für eine weitere „Apophis“-Mission hat, denkt die europäische Raumfahrtorganisation Esa über zwei Konzepte nach.
Esa kann sich zwei Missionen zu „Apophis“ vorstellen – Finanzierung noch unklar
Die „Satis“-Mission wäre eine kleinere Cubesat-Mission, die „Apophis“ treffen und verschiedene Techniken demonstrieren könnte. Eine zweite Mission, die in Betracht gezogen wird, ist „Ramses“, die die Technologie und Expertise der „Hera“-Mission der Esa nutzen würde. Dies würde Entwicklungszeit und Geld sparen.
Auch in Deutschland werden „Apophis“-Missionen entwickelt
Auch in Deutschland wird intensiv an Konzepten für eine Mission zum sich nähernden Asteroiden gearbeitet. Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) untersucht mit Unterstützung von Fördergeldern des Bundeswirtschaftsministeriums, wie man „Apophis“ erforschen könnte. Im Rahmen des Projekts „NEAlight“ werden derzeit drei Konzepte entwickelt:
- Das erste Konzept sieht vor, dass ein Kleinsatellit den Asteroiden „Apophis“ zwei Monate lang auf seinem Weg zum erdnächsten Punkt und einige Wochen danach begleitet. Die Veränderungen des Asteroiden sollen fotografisch dokumentiert und mit verschiedenen Messungen untersucht werden. Die Herausforderung besteht darin, dass der Kleinsatellit eine große Entfernung zurücklegen und weitgehend autonom funktionieren muss.
- Das zweite Konzept beinhaltet eine Beteiligung an der geplanten „Ramses“-Mission der Esa. Einer der Kleinsatelliten der „Ramses“-Mission könnte aus Würzburg stammen und den Asteroiden gemeinsam mit anderen Satelliten erforschen. Der technische Aufwand wäre geringer, der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn größer, so die JMU. Allerdings ist noch unklar, ob die „Ramses“-Mission finanziert wird.
- Das dritte Konzept ist das einfachste: Ein Kleinsatellit fliegt kurz an „Apophis“ vorbei und macht Fotos, wenn er der Erde am nächsten ist. Dies würde demonstrieren, dass eine solche Mission auch mit günstigen Kleinsatelliten möglich ist. Die Mission bietet jedoch keine großen Vorteile: Sie wäre günstig, aber die Beobachtungszeit wäre kurz und der Erkenntnisgewinn vermutlich eher gering, so die JMU. Ein Vorteil ist dagegen, dass der Kleinsatellit nur wenige Tage vor dem Eintreffen von „Apophis“ starten muss.
Private Raumfahrt will zu Asteroid „Apophis“ fliegen
Auch die private Raumfahrt denkt über die Erforschung des Asteroiden „Apophis“ nach. Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos, schlägt die Raumsonde „Blue Ring“ vor, die bis zu 13 verschiedene Frachten zu „Apophis“ bringen könnte – und das rechtzeitig, bevor der Asteroid der Erde nahekommt. Die Kosten für den Transport mit „Blue Ring“ sind derzeit jedoch noch nicht bekannt, zudem ist das Raumschiff bisher noch nie geflogen.
Welche Missionen tatsächlich zum Asteroiden „Apophis“ starten werden, wird bald entschieden werden, denn die Zeit drängt. „Wir müssen gestern anfangen“, zitiert spacenews.com den Esa-Mitarbeiter Paolo Martino. (tab)
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