Elfjähriger Sonnenzyklus

Maximum der Sonnenaktivität soll früher kommen – Vorhersage wird aktualisiert

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Die Sonne wird aktiver und wird ihr Aktivitätsmaximum vermutlich deutlich früher als erwartet erreichen. Das könnte für Probleme sorgen.

Frankfurt – Das Maximum des aktuellen Sonnenzyklus kommt früher und wird wahrscheinlich länger andauern als bisher erwartet. Das sagen Fachleute vom Zentrum für Weltraumwettervorhersage (SWPC) der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA. Im April 2019 hatten sich die SWPC-Fachleute noch darauf festgelegt, dass der Sonnenzyklus schwach werden würde. „Wir erwarten einen weiteren eher schwachen Zyklus, dem ein langes, tiefes Minimum vorausgeht“, erklärte die Wissenschaftlerin Lisa Upton damals.

Der Sonnenzyklus sollte laut der Vorhersage von 2019 mit einer maximalen Sonnenfleckenzahl von 115 im Juli 2025 seinen Höhepunkt finden. Es gab jedoch im aktuellen Jahr bereits Tage mit mehr als 200 Sonnenflecken – ein Wert, der in den kommenden Monaten noch weiter ansteigen könnte. Schließlich erwarten die Fachleute das Sonnenzyklus-Maximum in ihrer aktualisierten Vorhersage nun bereits zwischen Januar und Oktober 2024.

Die Sonne wird aktiver. (Archivbild)

Neue Sonnenzyklus-Vorhersage: Maximum kommt früher und dauert länger

„Wir gehen davon aus, dass unsere neue experimentelle Vorhersage viel genauer sein wird als die Vorhersage des Panels für 2019, und im Gegensatz zu früheren Vorhersagen für den Sonnenzyklus wird sie kontinuierlich auf monatlicher Basis aktualisiert, wenn neue Sonnenfleckenbeobachtungen verfügbar werden“, betont Mark Miesch vom SWPC in einer Mitteilung. „Das ist eine ziemlich bedeutende Veränderung.“

Der Begriff Sonnenzyklus steht für eine etwa elf Jahre dauernde Periode, in der sich die Aktivität der Sonne beständig verändert. Sichtbar wird das durch die Anzahl der Sonnenflecken auf der Sonnenoberfläche. Eine aktivere Sonne bedeutet auch, dass von ihr häufiger und heftiger Plasma ins Weltall geschleudert wird, das dann auch die Erde treffen kann. Ein sogenannter Sonnensturm verursacht auf der einen Seite wunderschöne und farbige Polarlichter – kann jedoch auch zu Problemen und Schäden führen.

Polarlicht - Farbenzauber am Nachthimmel

Polarlicht - Farbenzauber am Nachthimmel: Himmel über Faskrudsfjordur auf Island im März 2012. Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde zufliegen und Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten anregen. Ein Sonnensturm, der damals die Erde traf, störte auch den Funkverkehr in der Nordpolarregion.
Polarlicht - Farbenzauber am Nachthimmel: Himmel über Faskrudsfjordur auf Island im März 2012. Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde zufliegen und Sauerstoff- und Stickstoffatome zum Leuchten anregen. Ein Sonnensturm, der damals die Erde traf, störte auch den Funkverkehr in der Nordpolarregion. © dpa/ AP
Hier tanzt das Nordlicht über das Dorf Ruby in Alaska.
Hier tanzt das Nordlicht über das Dorf Ruby in Alaska. © dpa/ AP
Lichtphänomen in Lappland: Wenn Sonnenpartikel auf die Erdatmosphäre treffen, ist das im Norden Skandinaviens hunderte Kilometer weit zu sehen.
Lichtphänomen in Lappland: Wenn Sonnenpartikel auf die Erdatmosphäre treffen, ist das im Norden Skandinaviens hunderte Kilometer weit zu sehen. © dpa/ Visit Finland
Hoch im Norden soll das Polarlicht in diesem Jahr so gut zu sehen sein wie schon lange nicht mehr.
Hoch im Norden soll das Polarlicht in diesem Jahr so gut zu sehen sein wie schon lange nicht mehr. © dpa/ Visit Finland/Antti Pietikäinen
Am 30. Oktober 2003 leuchtete der Himmel in der Nähe von Weilheim Rot und Grün.
Am 30. Oktober 2003 leuchtete der Himmel in der Nähe von Weilheim Rot und Grün. © AP
Nordlicht am Lake Elora in Nord Minnesota am 15.Juli 2012.
Nordlicht am Lake Elora in Nord Minnesota am 15.Juli 2012. © AP

Sonnenstürme können für Probleme mit Satelliten und Schäden an Stromnetzen sorgen

Bekannt ist, dass bei Sonnenstürmen Satelliten Probleme bekommen können – unter anderem funktionieren Navigationssysteme dann nicht mehr richtig, auch mit dem Funk kann es schwierig werden. Im vergangenen Jahr hat SpaceX gleich 40 „Starlink“-Satelliten durch einen Sonnensturm verloren. Astronautinnen und Astronauten sowie Menschen an Bord von Flugzeugen sind bei einem Sonnensturm einer erhöhten Menge Strahlung ausgesetzt.

Trifft ein besonders heftiger Sonnensturm die Erde, kann auch die Infrastruktur beschädigt werden – beispielsweise gilt das für Stromnetze und Geräte, die an diese angeschlossen sind, aber auch für die Internet-Infrastruktur. Die Vorhersage des Sonnenzyklus und die genaue Beobachtung der Sonne sollen dazu beitragen, solche Risiken rechtzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Dazu gibt es unter anderem mehrere Raumsonden, die die Sonne dauerhaft beobachten. (tab)

Rubriklistenbild: © dpa/Solar Dynamics Observatory/NASA

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