Omikron-Abkömmling K.P.3.1.1

Neuer Impfstoff, neue Variante: Corona im Herbst 2024

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Älteren Menschen empfiehlt die Stiko eine Auffrischungsimpfung. Kasper Ravlox/Zoonar/Imago
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Der Omikron-Nachfolger K.P.3.1.1 ist momentan bei Corona auf dem Vormarsch. Der an J.N.1 angepasste Impfstoff von Biontech/Pfizer ist in Deutschland verfügbar.

Frankfurt – In Büros, öffentlichen Verkehrsmitteln, in Geschäften oder im privaten Kreis sind sie gerade wieder häufiger zu hören: Menschen husten, schnäuzen, sprechen mit nasaler oder heiserer Stimme. Seit einigen Wochen – und damit bereits während der eigentlich dafür untypischen Sommermonate – steigt die Zahl der Atemwegsinfekte in Deutschland, wie das Robert Koch Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht mitteilt. Dieser umfasst den Zeitraum vom 2. September bis zum 9. September, der nächste erscheint am Mittwoch (18. September).

Die „Aktivität“ der akuten respiratorischen Erkrankungen liege dabei auf „höherem Niveau“ als es für die Jahreszeit üblich sei, heißt es. Verursacher sind vor allem Rhinoviren (24 Prozent) und Sars-CoV-2 (21 Prozent). Mit einigem Abstand folgen Parainfluenzaviren, Adenoviren und saisonale Coronaviren, die alle grippale Infekte auslösen. Influenzaviren und Respiratorische Synzytialviren (RSV) spielen derzeit kaum eine Rolle. Bei Corona beziffert das Infektionsradar des Gesundheitsministeriums die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz laborbestätigter Fälle auf 6,3 je 1000 Menschen.

Die meisten Atemwegsinfekte verlaufen derzeit mild – auch bei Corona

Eine erfreuliche Nachricht: Die allermeisten Atemwegsinfekte verlaufen derzeit mild, auch bei einer Corona-Infektion. Von einer Million Menschen müssen nur etwa zwei wegen Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt werden. Das dürfte vor allem damit zu tun haben, dass die meisten durch Impfungen und/oder durchgemachte Infektionen eine Grundimmunität besitzen. Dadurch erkrankt man meist nicht schwer, anstecken kann man sich (und andere) allerdings trotzdem.

Dass Sars-CoV-2 ständig mutiert, macht es dem Virus umso leichter, bestehende Immunität zu unterlaufen. In Deutschland und Europa dominiert derzeit die Variante KP.3.1.1 mit einem geschätzten Anteil von mehr als 70 Prozent der Corona-Infektionen. Sie ist ein Abkömmling der im November 2021 erstmals aufgetauchten Omikron-Variante, auf die alle seither vorherrschenden Subvarianten zurückgehen.

Corona-Variante KP.3.1.1 ist noch ansteckender und resistenter gegen Antikörper als die Vorgänger

KP.3.1.1. zählt zu den FLIRT-Varianten, deren Namen sich auf Mutationen am Spike-Protein beziehen, mit dem sich das Virus an Zellen heftet und in sie eindringt. Laut einer im Fachmagazin The Lancet veröffentlichten Studie aus Japan ist KP.3.1.1 noch ansteckender und resistenter gegenüber bestehenden Antikörpern als die Vorgänger XBB.1.5 und JN.1. Hinweise, dass KP.3.1.1 für schwerere Verläufe sorgt, gibt es bislang aber nicht.

Die Mutationsfreudigkeit von Sars-CoV-2 sorgt dafür, dass Impfstoff-Hersteller mit der Entwicklung angepasster Vakzine dem aktuellen Stand des Virus stets hinterherhinken. So ist der neue mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer auf die vor KP.3.1.1 grassierende Variante JN.1 zugeschnitten. Eine Infektion kann er nicht sicher verhindern – wobei der Schutz vor Ansteckung in den ersten Wochen nach der Impfung noch am höchsten ist und dann kontinuierlich abnimmt. Wie die früheren Impfstoffe soll er aber einen schweren Verlauf zuverlässig verhindern können.

In Deutschland ist als aktueller Corona-Booster nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer verfügbar

In Deutschland ist als aktueller Booster seit Ende August ausschließlich der mRNA-Impfstoff „Comirnaty JN.1“ von Biontech/Pfizer verfügbar – in drei verschiedenen Dosierungen: für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren sowie zwei schwächere für Kinder ab sechs Monaten und ab vier Jahren. Das angepasste mRNA-Vakzin des US-Herstellers Moderna ist in Deutschland bislang noch nicht auf dem Markt.

Wer sich boostern, aber kein mRNA-Vakzin spritzen lassen möchte, muss noch etwas warten. Die US-Firma Novavax hat zwar ebenfalls eine neue Version ihres proteinbasierten Impfstoffs „Nuvaxovid“ entwickelt, diese ist in Deutschland bislang jedoch noch nicht verfügbar. Erwartet wird der an JN.1 angepasste Impfstoff von Novavax in Deutschland für den Herbst. In den USA ist er hingegen bereits seit Ende August zugelassen. Die dort verfügbaren aktuellen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind indes nicht wie in Europa auf JN.1, sondern auf die Variante KP2 abgestimmt. Allerdings ist diese in den USA nicht mehr die dominierende Variante, ebenso wenig wie JN.1, sondern wurde von KP.3.1.1 überholt.

Stiko empfiehlt Auffrischungsimpfung gegen Corona Menschen ab 60 Jahren

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bleibt bei ihrer Empfehlung, dass für Menschen, die 60 Jahre und älter sind, eine Auffrischungsimpfung mit dem neuen Impfstoff sinnvoll ist. Außerdem rät sie allen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben, zu einem Booster. Dazu zählen unabhängig vom Alter Menschen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, chronischen Herz-Kreislauf-, Leber und Nierenleiden wie mit COPD oder einer Schwäche des Immunsystems. Auch Menschen mit Trisomie 21 sollten sich ein weiteres Mal impfen lassen. Das gleiche gilt für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, medizinisches und pflegerisches Personal sowie Angehörige und enge Kontaktpersonen, bei denen nach einer Covid-Impfung nicht mit einer schützenden Immunantwort zu rechnen ist.

Keine Empfehlung spricht die Stiko für gesunde Menschen zwischen 18 und 59 Jahren aus, für sie reiche die „Grundimmunisierung“. Darunter versteht man mindestens drei „immunologische Ereignisse“ (Impfung oder Infektion); mindestens eines davon solle eine Impfung sein.

Corona: Kinder mit Grunderkrankungen sollten regelmäßig geboostert werden

Gesunde Kinder und Jugendliche benötigen laut Stiko keine Corona-Impfung. Babys ab sechs Monaten sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die wegen bestimmter Grunderkrankungen zur Risikogruppe zählen, sollten geimpft und regelmäßig geboostert werden, rät das Gremium.

Grundsätzlich empfiehlt die Stiko, die Corona-Auffrischungsimpfung alle zwölf Monate zu wiederholen, am besten im Herbst. Wer eine Covid-Infektion hinter sich gebracht hat, sollte mit der Impfung mindestens drei Monate warten.

Symptome einer Infektion

Die KP.3.1.1-Variante löst im Wesentlichen keine andere Symptome aus als frühere Omikron-Subvarianten. Dazu zählen Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit, verstopfte Nase, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber. Auch Beschwerden des Magen-Darm-Trakts können auftreten, etwa Übelkeit oder Erbrechen; Durchfall kann als frühes Symptom auf eine Infektion hinweisen. Störungen des Geruchs- und Geschmackssinnes sind möglich, bei Omikron-Varianten aber seltener als bei früheren Varianten.

Wer wissen will, ob eine Corona-Infektion vorliegt, kann einen Antigen-Schnelltest zu Hause machen. Diese sollen auch bei KP.3.1.1 anspringen – mit den Unsicherheiten, die bei früheren Varianten schon bestanden haben, etwa ein falsch-negatives Ergebnis bei geringer Viruslast.

Impfung gegen Grippe und Corona

In Sachen Grippe-Impfung gelten ähnliche Empfehlungen: Sie sei sinnvoll vor allem für über 60-Jährige, für Menschen mit Grunderkrankungen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie für medizinisches und pflegerisches Personal, außerdem für Schwangere sowie Personen, die beruflich mit vielen Menschen zu tun oder regelmäßig Kontakt zu Risikogruppen haben.

Wer sich gegen Covid und Grippe impfen lassen möchte, benötigt zwei verschiedene Impfungen. Ein zeitlicher Abstand ist laut Stiko nicht notwendig. Unangenehme Impfreaktionen können dann allerdings heftiger ausfallen, wer dazu neigt, wartet unter Umständen lieber einige Wochen.

Moderna hat einen kombinierten Corona-Grippe-Impfstoff mit mRNA-Technologie entwickelt, der bald auf den Markt kommen könnte. Eine einzige Dosis soll vor beiden Erkrankungen schützen. In einer klinischen Phase-3-Studie sollen sich laut einer Pressemitteilung des Unternehmens bei den meisten der 8000 Teilnehmenden schützende Antikörper gebildet haben. Der Impfstoff sei so effizient wie Vakzine, die nur gegen eine der beiden Krankheiten schützen. Die Nebenwirkungen bezeichnet Moderna als moderat.

Novavax plant ebenfalls , einen kombinierten Corona-Grippe-Impfstoff – auf Proteinbasis – auf den Markt zu bringen und hat dafür einen Lizenzvertrag mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi vereinbart. Dieser stellt seit Jahren die üblichen Grippe-Impfstoffe her.

Schützt die Corona-Impfung vor Long Covid?

Ob eine Impfung vor Long Covid schützt, ist nicht eindeutig geklärt. Studien liefern widersprüchliche Ergebnisse. Das RKI tendiert zu der Einschätzung, dass die Wahrscheinlichkeit für Long Covid bei Geimpften um bis zu 60 Prozent geringer ist. Allerdings kann in seltenen Fällen auch die Impfung selbst zu Beschwerden führen, wie sie auch bei Long Covid auftreten.

Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen gehören derzeit der Vergangenheit an. Fachleute raten aber insbesondere Menschen mit Risiko für einen schweren Verlauf, sich bei steigenden Infektionszahlen mit dem Tragen einer Maske selbst zu schützen – vor allem in Innenräumen, wo viele Menschen zusammenkommen, oder auch in Bus und Bahn. (pam)

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