VonNadja Orthschließen
Einschläge von Asteroiden zählen zu den größten Gefahren für die Erde. Ein Forschungsteam will eine Kollision im Ernstfall mit einer Atombombe abwehren.
Washington D.C. - Ein Forschungsteam in den USA hat die bislang abstrakte Möglichkeit, die Erde mithilfe einer Atombombe vor Asteroiden zu schützen, erstmals genauer untersucht und ist dabei auf ein klares Ergebnis gekommen: Bei ausreichender Vorwarnzeit und mit exakter Berechnung könnte es gelingen, einen Asteroiden mithilfe nuklearer Sprengköpfe zu zerstören. Das schreiben die Forscherinnen und Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins The Planetary Science Journal im Dezember. Bislang galt die Idee als kritisch, da die Konsequenzen eines solchen Einsatzes nicht eindeutig geklärt waren.
Einsatz von Atombomben könnte Erde vor Zusammenstoß mit Asteroiden schützen
„Im Falle eines potenziell katastrophalen Asteroideneinschlags [...] bleibt der Einsatz eines nuklearen Geräts eine wirksame Option zur Planetenverteidigung“, schreibt das Team in seinen Ergebnissen für das Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL). Dies sei besonders der Fall, wenn sich „andere Abwehrmaßnahmen als unzureichend erweisen“. Jedoch gebe es eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz: die richtige Berechnung.
Um genau zu berechnen, welche Auswirkungen eine nukleare Waffe im Einsatz gegen Asteroiden hätte, haben die Forschenden unter der Leitung der Wissenschaftlerin Mary Burkey ein ausgeklügeltes Modell entwickelt. Damit soll physikalisch bis ins kleinste Detail simuliert werden, wie die Strahlungen unter verschiedenen Umständen in den Asteroiden eindringen und welche „Materialablation“, also Materialabtragung, daraus folgt.
Der Einsatz einer nuklearen Waffe könnte demnach einen derart großen explosiven Schub auslösen, dass der Asteroid von seinem Kurs – auf die Erde – abkommt und ein Teil von ihm dabei verdampft. „Das Modell umfasst eine Vielzahl möglicher Ausgangsbedingungen für die Mission“, heißt es in dem Bericht weiter.
Atombombe als Schutz gegen Asteroiden? Forschungsteam will Modell weiter ausbauen
Leiterin Mary Burkey schrieb zu den Ergebnissen: „Wenn wir genügend Vorwarnzeit haben, könnten wir möglicherweise einen nuklearen Sprengsatz abschießen und ihn Millionen von Meilen weit weg zu einem Asteroiden schicken, der auf die Erde zufliegt.“ Doch das Modell hat einen Haken, wie das Team selbst zugibt. In der Studie habe man mit allgemeinen asteroidähnlichen Materialien gearbeitet. Diese müssten in Zukunft mit „detaillierteren Darstellungen der Zusammensetzung von Asteroiden und Kometen in Verbindung“ gebracht werden. In anderen Worten: Es müssen noch mehr Daten über Asteroiden gesammelt werden.
Das neue Modell stellt die bislang zweite Lösung für den Ernstfall dar, dass irgendwann ein Asteroid auf die Erde zu rast. Ende 2022 startete die NASA erstmals die Mission „Dart“, bei der eine Raumsonde auf einen kleineren Asteroiden gelenkt wurde. Durch den Zusammenprall „schubste“ er den Asteroiden aus seiner Umlaufbahn. Die Mission galt als bahnbrechender Fortschritt in der Frage, wie die Erde vor einem Einschlag geschützt werden kann. (nz)
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