Gibt es Leben auf dem roten Planeten?

Nasa-Rover findet organisches Material auf dem Mars

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Mars-Rover Perservance (hier eine Illustration der Nasa) ist am 18. Februar 2021 sicher auf dem Mars gelandet.
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Es ist nicht das erste Mal, dass ein Nasa-Rover organisches Material auf dem Mars findet. Doch die neuen Funde sind besonders wichtig.

Pasadena – Gibt es auf dem Mars Leben? Das ist eine der grundlegenden Fragen, die sich die Forschung stellt und an deren Beantwortung Forscherinnen und Forscher mithilfe verschiedener Rover arbeiten. Nun ist der Nasa-Rover „Perseverance“ auf etwas gestoßen, das in diesem Zusammenhang spannend ist: Der Rover hat in der Mars-Region, in der er unterwegs ist, eine Vielzahl organischer Moleküle entdeckt.

Gemeint sind damit Moleküle, die aus Kohlenstoff bestehen und häufig andere Elemente wie Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Phosphor oder Schwefel beinhalten. „Sie sind ein aufregender Hinweis für Astrobiologen, da sie oft als Bausteine des Lebens angesehen werden“, erläutert die Planetenforscherin Sunanda Sharma vom California Institute of Technology gegenüber dem Portal Space.com.

Nasa-Rover „Curiosity“ wurde auf dem Mars ebenfalls fündig

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Nasa-Rover organische Moleküle auf dem Mars entdeckt: „Curiosity“ war das bereits vor einigen Jahren im Gale-Krater auf dem roten Planeten gelungen. Der Fund organischer Moleküle in einer anderen Region auf dem Mars – „Perseverance“ befindet sich im Jezero-Krater – deutet den Fachleuten zufolge darauf hin, dass die Bausteine des Lebens weit über den Mars verteilt sein und vor allem durch verschiedene Mechanismen entstanden sein könnten.

Sharma und ihr Team haben eine Studie zu dem Fund im Fachjournal Nature veröffentlicht. Dafür analysierten die Forscherinnen und Forscher Daten des SHERLOC-Instruments von „Perseverance“. Das Instrument besteht unter anderem aus einem UV-Laser, der Moleküle zum Fluoreszieren anregt. Die Wellenlänge, bei denen die Moleküle fluoreszieren, können der Forschung dabei helfen, sie zu identifizieren. SHERLOC kann außerdem die räumliche Verteilung von organischem Material in Steinen kartieren und diese mit den Mineralien in Verbindung bringen, die dort gefunden wurden. So kann die Forschung besser verstehen, in welcher Umgebung die gefundenen organischen Verbindungen entstanden.

„Perseverance“ analysiert für die Nasa Bodenproben vom Mars

Das Forschungsteam hat sich Daten von zwei Orten auf dem Mars vorgenommen: Máaz und Séitah. In allen zehn Proben, die der Nasa-Rover an den beiden Orten genommen hat, konnten die Forscherinnen und Forscher organisches Material nachweisen. Die Funde „deuten auf die Möglichkeit hin, dass die Bausteine des Lebens für eine lange Zeit auf der Oberfläche des Mars vorhanden gewesen sein könnten“, sagt Sharma.

Diese Dinge wurden auf dem Mars entdeckt – sie gehören dort nicht hin

Mars
Der Mars ist immer wieder für eine Überraschung gut. So fotografieren die Nasa-Rover auf dem roten Planeten gelegentlich Dinge, die dort überhaupt nicht sein dürften. © UIG/Imago
Der Nasa-Rover „Perseverance“ hat auf dem Mars einen „Frosch“ entdeckt. Tatsächlich handelt es sich um eine Steinformation.
Der Nasa-Rover „Perseverance“ hat auf dem Mars einen „Frosch“ entdeckt. Tatsächlich handelt es sich um eine Steinformation. © Nasa/JPL-Caltech/ASU
Ein Bild, das der Mars-Rover "Curiosity" aufgenommen hat, zeigt einen schwebenden Löffel. Jedenfalls will das das menschliche Auge dem Gehirn weismachen.
Ein Bild, das der Mars-Rover "Curiosity" aufgenommen hat, zeigt einen schwebenden Löffel. Jedenfalls will das das menschliche Auge dem Gehirn weismachen. © NASA/JPL-Caltech/MSSS
Wer genau hinschaut, kann auf diesem schwarz-weißen Bild, das die Nasa-Raumsonde „Viking“ im Jahr 1976 von der Mars-Oberfläche aufgenommen hat, ein „Gesicht“ erkennen. Tatsächlich handelt es sich um natürliche Bodenformationen auf dem Mars und Schatten auf Bergen, die das „Gesicht“ erscheinen lassen. (Archivbild)
Wer genau hinschaut, kann auf diesem schwarz-weißen Bild, das die Nasa-Raumsonde „Viking“ im Jahr 1976 von der Mars-Oberfläche aufgenommen hat, ein „Gesicht“ erkennen. Tatsächlich handelt es sich um natürliche Bodenformationen auf dem Mars und Schatten auf Bergen, die das „Gesicht“ erscheinen lassen. (Archivbild) © Nasa/JPL (Montage)
Ein heller Fleck am Horizont des Mars, zu sehen auf einem Bild, das der Nasa-Rover „Curiosity“ am 3. April 2014 mit seiner rechten Navigationskamera gemacht hat, sorgte nach der Aufnahme für Aufsehen. Beobachtende wollen ein Ufo erkannt haben oder etwas anderes, das auf außerirdische Wesen hindeutet. Da auf einem Bild, das die linke Navigationskamera zur gleichen Zeit gemacht hat, der Fleck nicht zu sehen ist, wurde diese Theorie schnell ausgeschlossen. Es handelt sich wohl um kosmische Strahlung, die nur eine der beiden Kameras traf.
Ein heller Fleck am Horizont des Mars, zu sehen auf einem Bild, das der Nasa-Rover „Curiosity“ am 3. April 2014 mit seiner rechten Navigationskamera gemacht hat, sorgte nach der Aufnahme für Aufsehen. Beobachtende wollen ein Ufo erkannt haben oder etwas anderes, das auf außerirdische Wesen hindeutet. Da auf einem Bild, das die linke Navigationskamera zur gleichen Zeit gemacht hat, der Fleck nicht zu sehen ist, wurde diese Theorie schnell ausgeschlossen. Es handelt sich wohl um kosmische Strahlung, die nur eine der beiden Kameras traf. © Nasa/JPL
Der Nasa-Rover „Perseverance“ hat dieses mysteriöse Objekt auf dem Mars fotografiert. Die Nasa hat eine Erklärung, worum es sich bei dem seltsamen Zylinder handelt.
Der Nasa-Rover „Perseverance“ hat dieses mysteriöse Objekt auf dem Mars fotografiert. Die Nasa hat eine Erklärung, worum es sich bei dem seltsamen Zylinder handelt. © Nasa/JPL-Caltech/ASU
Der Nasa-Rover „Curiosity“ hat auf dem Mars dieses Gebilde fotografiert, das an eine Blume oder Koralle erinnert. Es handelt sich um eine sogenannte Konkretion. Auch die runden Gebilde daneben sind Konkretionen.
Der Nasa-Rover „Curiosity“ hat auf dem Mars dieses Gebilde fotografiert, das an eine Blume oder Koralle erinnert. Es handelt sich um eine sogenannte Konkretion. Auch die runden Gebilde daneben sind Konkretionen. © Nasa/JPL
Der Nasa-Rover „Perseverance“ und der Stein „Rochette“, den der Rover einige Tage nach dieser Aufnahme anbohren wird. Einen Twitter-Nutzer erinnert die Aufnahme an „teilweise vergrabene Skelette“.
Der Nasa-Rover „Perseverance“ und der Stein „Rochette“, den der Rover einige Tage nach dieser Aufnahme anbohren wird. Einen Twitter-Nutzer erinnert die Aufnahme an „teilweise vergrabene Skelette“. © Imago
Wer hat dieses Tor auf dem Mars in Stein gehauen? Vermutlich war ein Erdbeben am Werk, dazu kommt das psychologische Phänomen der Pareidolie.
Wer hat dieses Tor auf dem Mars in Stein gehauen? Vermutlich war ein Erdbeben am Werk, dazu kommt das psychologische Phänomen der Pareidolie. © NASA/JPL-Caltech/MSSS
„Dieses Marsgestein könnte wie ein Oberschenkelknochen aussehen. Die Mitglieder des Wissenschaftsteams der Mission glauben, dass seine Form wahrscheinlich durch Erosion, entweder durch Wind oder Wasser, entstanden ist“, heißt es bei der Nasa. Aufgenommen hat es der Mars-Rover „Curiosity“ im August 2014.
„Dieses Marsgestein könnte wie ein Oberschenkelknochen aussehen. Die Mitglieder des Wissenschaftsteams der Mission glauben, dass seine Form wahrscheinlich durch Erosion, entweder durch Wind oder Wasser, entstanden ist“, heißt es bei der Nasa. Aufgenommen hat es der Mars-Rover „Curiosity“ im August 2014. © Nasa/JPL

Mithilfe von SHERLOC fanden die Forscherinnen und Forscher viele verschiedene Klassen organischer Moleküle, die in verschiedenen Mustern auftraten – meist gemeinsam mit Mineralien, die in Verbindung mit Wasser stehen. Doch genau identifizieren konnten die Fachleute die Moleküle nicht. „Um das Vorhandensein von organischen Stoffen und deren spezifische Arten zu bestätigen, müssten wir die Proben zur Erde zurückbringen“, weiß Sharma. „Das ist unser Ziel.“ Tatsächlich wurden einige Proben, die SHERLOC analysiert hat, für eine künftige Rückhol-Mission zur Erde auf dem Mars deponiert – sie könnten in Zukunft auf der Erde noch viel genauer untersucht werden.

Forschung will Mars-Gestein auf der Erde analysieren

Die Forschung wartet bereits lange darauf, Mars-Gestein endlich auf der Erde analysieren zu können, denn aus der Ferne kann niemand sagen, worum es sich bei den organischen Molekülen genau handelt – sind sie Hinweise auf früheres oder aktuelles Leben auf dem Mars? Nicht unbedingt, wie Sharma betont: „Wichtig ist, dass sie durch Prozesse entstehen können, die nichts mit dem Leben zu tun haben.“ Die Forscherin gibt sich gegenüber dem Portal Sciencealert.com überzeugt: „Dies ist ein wichtiges Teil des Puzzles, das wir über das Vorhandensein, die Verteilung und die Art der organischen Stoffe auf dem Mars erstellen.“ (tab)

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