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Etwa 90 Minuten nach dem Start einer SpaceX-Rakete kann man ein rotes Leuchten am Himmel beobachten. Ob das Phänomen Auswirkungen hat, ist noch unklar.
Boston – Startende Raketen können vorübergehend Löcher in die obere Ionosphäre reißen, das weiß die Forschung bereits seit vielen Jahren. Dabei entsteht ein rotes Licht, ähnlich wie Polarlichter (Fachbegriff: Aurora). Seit einigen Jahren starten Raketen von SpaceX, die für ein anderes Phänomen am Himmel sorgen – die sogenannte „SpaceX-Spirale“. Jetzt machen Forscher jedoch auf ein weiteres Phänomen aufmerksam, das sie den SpaceX-Raketen zuschreiben: „SpaceX-Auroras“.
Das Phänomen ist ein rotes, etwa kugelförmiges Leuchten, das bis zu zehn Minuten mit bloßem Auge am Himmel zu sehen ist. „Wir sehen jeden Monat zwei bis fünf davon“, erklärt Stephen Hummel von der McDonald-Sternwarte in Texas gegenüber Spaceweather.com. Das rote Leuchten tritt etwa 90 Minuten nach dem Start einer SpaceX-Rakete auf, weil dann etwas Wichtiges passiert: Die zweite Raketenstufe der SpaceX-Rakete zündet ihr Triebwerk etwa zwei Sekunden lang, um ihre Umlaufbahn zu verlassen und im Atlantik abzustürzen – der sogenannte „de-orbit burn“.
SpaceX-Rakete setzt Abgase in der Atmosphäre frei – das sorgt für rotes Leuchten
„Während der Zündung setzt das Triebwerk etwa 400 Pfund Abgase frei, hauptsächlich Wasser und Kohlendioxid. All dies geschieht in einer Höhe von ca. 300 km, nahe der Spitze der Ionosphäre, sodass ein großes Loch entsteht“, erklärt Jeff Baumgarder, Weltraumphysiker an der Boston University, bei Spaceweather.com. Der Treibstoff sorgt dafür, dass sich ionisierte Sauerstoffatome in der Erdatmosphäre in normale Gasmoleküle verwandeln – dabei wird rotes Licht abgegeben. In der Ionosphäre entsteht so vorübergehend ein Loch, das nach einigen Minuten wieder geschlossen wird.
Astronom Hummel erklärt: „Die entstehenden Auroras können sehr hell und leicht mit bloßem Auge zu sehen sein. Sie sind viel heller als ‚Starlink‘-Satelliten, aber nur für ein paar Sekunden.“ Bleibt die Frage: Sind die „SpaceX-Auroras“ gefährlich oder gar etwas Gutes? Die beiden Wissenschaftler sind sich uneinig.
Auswirkungen der SpaceX-Raketenstarts auf die Astronomie sind noch nicht klar
„Die Häufigkeit dieser roten Wolken könnte zunehmen, wenn SpaceX in Zukunft mehr Starts plant“, betont Hummel, der sich mitsamt seiner Sternwarte für einen dunklen Nachthimmel einsetzt. „Ihre Auswirkungen auf die astronomische Wissenschaft werden noch bewertet. Die ‚Starlink‘-Satelliten sind ein bekanntes Problem, aber die Auswirkungen der Raketenstarts selbst sind ein wachsender Bereich der Aufmerksamkeit.“
Der Weltraumphysiker Baumgarder dagegen sieht es anders: „Wir sind begeistert von den Raketenstarts. Sie geben uns die Möglichkeit, zu erforschen, wie der Weltraumverkehr die Ionosphäre beeinflusst. Die Dichte der Ionosphäre ist von Nacht zu Nacht unterschiedlich, sodass wir durch die Beobachtung vieler Ereignisse etwas über die Effizienz der Chemie lernen können.“
SpaceX startet immer mehr Raketen ins Weltall
Im Jahr 2023 hat SpaceX bisher 87 Raketen gestartet (Stand: 29.11.2023), im Jahr 2021 waren es nur 31 Starts. Bis zum Jahresende 2023 dürften noch einige Raketenstarts dazukommen, es wird außerdem erwartete, dass die Zahl der SpaceX-Starts in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Es dürfte also auch mehr „SpaceX-Auroras“ am Himmel zu sehen geben. (tab)
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