Eisberg D-30A

Großer Eisberg rammt Pinguin-Refugium in der Antarktis

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Auf den südlichen Shetlandinseln, zu denen auch Clarence Island gehört, gibt es zahlreiche Zügelpinguine. (Archivbild)
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Ein riesiger Eisberg rammt eine deutlich kleinere Insel im Südpolarmeer. Auf Clarence Island lebt eine große Pinguin-Kolonie.

Clarence Island – Clarence Island, eine der südlichen Shetlandinseln im Südpolarmeer nahe der Antarktis, ist die Heimat von mehr als 100.000 Pinguin-Paaren, die dort leben und gemeinsam ihren Nachwuchs ausbrüten. Doch Anfang September kam es fast zu einem Unglück, wie das Earth Observatory der US-Raumfahrtorganisation Nasa berichtet. Ein großer Eisberg (72x20 Kilometer) ging nämlich auf Kollisionskurs mit der kleineren Insel, die nur etwa 21 Kilometer lang ist.

Bereits Ende August stieß der Eisberg D-30A mit Clarence Island zusammen, zeigen Aufnahmen des Nasa-Satelliten „Aqua“. Anschließend rotierte er bis Mitte September um die Insel herum, bevor er sich Ende September verabschiedete und nach Norden abdriftete. „Wahrscheinlich ist er nicht ‚hängengeblieben‘, weil die Ostseite von Clarence Island ziemlich steil abfällt und das Wasser tief genug ist, dass der Berg hindurchsegeln konnte“, vermutet der Glaziologe Christopher Shuman vom Goddard Space Flight Center der Nasa.

Antarktis: Riesiger Eisberg steuert auf Pinguin-Insel Clarence Island zu

Passiert ist den Zügelpinguinen, die auf Clarence Island heimisch sind, nichts – doch das hat offenbar viel mit Glück zu tun, wie die Ökologin Heather Lynch erklärt: „Das Timing war glücklich, weil die Zügelpinguine, die dort brüten, noch nicht zur Kolonie zurückgekehrt waren.“ Hätte der Eisberg die Insel dagegen im Dezember getroffen, wenn die Pinguine brüten, dann hätte die Situation anders ausgesehen. „Es hätte ernsthafte Folgen haben können, denn schon ein paar Tage, in denen der Zugang zur Kolonie blockiert war, hätten ein erfolgloses Brutjahr bedeuten können“, betont die Wissenschaftlerin.

Der Eisberg D-30A trifft das wesentlich kleinere Clarence Island.

Die Ankunft eines großen Eisbergs an der Küste einer kleinen Insel kann auch noch andere Auswirkungen haben – positive, wie negative. Beispielsweise kann das eisenhaltige Schmelzwasser der Eisberge helfen, das Meerwasser zu düngen, was das Phytoplankton zum Blühen bringt. „Kratzen“ Eisberge zu sehr am Land, können dadurch dramatische Schäden entstehen. „Einzelne Auskolkungen in flachen Gebieten können bis zu 98 Prozent der lokalen Makro- und Megafauna auslöschen“, erklärt Roseanne Smith, eine Forscherin des British Arctic Survey.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Eisberg D-30A hat Clarence Island schnell hinter sich gelassen

Im Fall des Eisbergs D-30A und seinem Zusammenstoß mit Clarence Island ist offenbar alles gerade noch einmal gut gegangen, weil der Eisberg die Insel schnell wieder verlassen hat. Wohin er sich jetzt bewegt, hängt vom Wetter und den Meeresströmungen ab. Die meisten Eisberge in der Region werden vom starken antarktischen Zirkumpolarstrom nach Osten getrieben. Letztendlich landen die Eisberge in der Regel im Südatlantik und schmelzen in der wärmeren Region dort schnell.

Die Antarktis macht der Forschung derzeit Sorgen: Dort wurde nicht nur die intensivste Hitzewelle der bisherigen Aufzeichnung entdeckt, es bildet sich auch zu wenig Eis in der Antarktis. (tab)

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