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In Kürze soll die chinesische Mondmission „Chang‘e 6“ ihr Ziel erreichen. Dort hat die Raumsonde eine wichtige Aufgabe – und einen bislang unbekannten Begleiter.
Peking – In den vergangenen Jahren hat kein Land so viele erfolgreiche Mondmissionen durchgeführt wie China. Derzeit ist mit „Chang‘e 6“ erneut eine chinesische Raumsonde auf dem Weg zum Mond. Die Raumsonde, die nach einer chinesischen Mondgöttin benannt ist, soll auf der Rückseite des Mondes landen und dort Bodenproben nehmen. Die sollen anschließend zur Erde zurückgebracht werden, wo sie von der Wissenschaft bereits sehnlichst erwartet werden. Gelingt der Plan, landet China bereits zum zweiten Mal auf der Rückseite des Mondes und bringt ebenfalls zum zweiten Mal Bodenproben vom Mond zur Erde.
Bisher war bekannt, dass „Chang‘e 6“ aus vier Teilen besteht:
- einem Lander, der auf der Mondoberfläche landen und Gestein einsammeln soll
- einer Aufstiegsstufe, die die Proben zurück in die Mondumlaufbahn bringen soll
- einem Orbiter, der den Mond umkreist und an den die Aufstiegsstufe andockt
- eine Wiedereintrittskapsel, die die Proben zur Erde zurückbringt.
Chinas Mondmission „Chang‘e 6“ fliegt zur Rückseite des Mondes
Am 3. Mai 2024 ist die Raumsonde an Bord einer „Langer Marsch 5“-Rakete ins Weltall gestartet und soll am 8. Mai in die Mondumlaufbahn eintreten. Erst einige Zeit nach dem Start veröffentlichte der Hersteller der Raumsonde, die China Academy of Space Technology (CAST) eine Aufnahme der Raumsonde, die eine Überraschung zeigte: Offenbar befindet sich auch ein kleiner Rover auf dem Weg zum Mond. Zumindest ist auf der Aufnahme ein kleines Gerät zu sehen, das über vier Räder verfügt und am Lander befestigt ist.
Yeah, okay. That looks like a previously undisclosed mini rover on the side of the Chang'e-6 lander lol. Via CAST: https://t.co/gS0Jy5L9hw pic.twitter.com/9vvTnribpl
— Andrew Jones (@AJ_FI) May 3, 2024
Das ist überraschend, weil der Rover von offiziellen chinesischen Stellen bisher nicht erwähnt wurde. Außerdem handelt es sich bei „Chang‘e 6“ um ein Backup-Raumschiff von „Chang‘e 5“, der Raumsonde, die 2020 auf der erdzugewandten Seite des Mondes landete und erstmals Bodenproben zur Erde brachte. „Chang‘e 5“ hatte keinen Rover an Bord. Da die Mission erfolgreich verlaufen war – Forschende in aller Welt arbeiten bis heute mit dem Mondmaterial, das zur Erde gebracht wurde – wurde „Chang‘e 6“ für die deutlich ambitioniertere Mission zur Rückseite des Mondes genutzt.
Offenbar hat „Chang‘e 6“ auch einen kleinen Mond-Rover dabei
Wie der auf die chinesische Raumfahrt spezialisierte Journalist Andrew Jones bei spacenews.com berichtet, soll es nur eine Erwähnung des Rovers gegeben haben. Diese deutet an, dass das kleine Fahrzeug ein Infrarot-Bildspektrometer dabei hat. Damit könnte beispielsweise die Zusammensetzung von Boden und Gestein auf der Mondoberfläche untersucht oder nach Wasser gesucht werden.
Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten




Wasser auf dem Mond ist ein wichtiges Thema der Forschung, das auch an der „Chang‘e 6“-Mission nicht vorübergeht. Die Sonde soll schließlich am Südpol des Mondes, am südlichen Ende des Apollo-Basins landen. Das Basin gehört zum Südpol-Aitken-Becken, dem größten und ältesten Einschlagkrater auf dem Mond. Der Südpol des Mondes steht im Fokus der Raumfahrt, denn dort soll es Wasser geben – eine Ressource, die für die Raumfahrt wichtig ist. Allerdings würden Missionen mit Crew auf der erdzugewandten Seite des Mondes landen – im Gegensatz zu „Chang‘e 6“.
Mission auf der Rückseite des Mondes: Erschwerte Kommunikation
Eine Mission auf der Rückseite des Mondes ist alleine schon herausfordernder, weil der abgelegene Ort die Kommunikation schwieriger macht. Um Kontakt mit dem Mondlandegerät aufzunehmen, ist eine direkte Sichtverbindung nötig. Da die Rückseite des Mondes jedoch immer von der Erde abgewandt ist, ist das nicht direkt möglich. China griff dafür zu einem Trick und schickte bereits vor einigen Monaten den Satelliten „Quequiao-2“ zum Mond. Er dient als Relaisstation, der die Kommunikation zwischen der Erde und „Chang‘e 6“ ermöglicht.
Der genaue Ablauf der chinesichen Probenrückhol-Mission auf der Rückseite des Mondes ist nicht bekannt, Fachleute rechnen jedoch auf Grundlage der bisherigen chinesischen Mondmissionen mit folgendem Vorgehen:
| Geschätzter Zeitplan Chang'e 6: | |
|---|---|
| ca. 8. Mai 2024 | Eintritt in die Mond-Umlaufbahn |
| ca. 2. Juni 2024 | Landung im Apollo-Basin auf dem Mond |
| ca. 4. Juni 2024 | Aufstiegsstufe startet vom Mond |
| ca. 20. Juni 2024 | Rückreise zur Erde beginnt |
| ca. 25. Juni 2024 | Landung der Wiedereintrittskapsel in der Inneren Mongolei |
Rückseite des Mondes übt eine Faszination auf die Forschung aus
Die Bodenproben von der Rückseite des Mondes werden von Forscherinnen und Forschern auf der Erde bereits erwartet. Die erdabgewandte Seite des Mondes ist für die Forschung bisher eher unbekanntes Terrain, da dort vor „Chang‘e 6“ erst eine Raumsonde gelandet ist. „Die Rückseite des Mondes ist ganz anders als die erdnahe Seite“, zitiert CNN Li Chunlai von der chinesischen nationalen Raumfahrtorganisation CNSA. „Die ferne Seite besteht im Wesentlichen aus alter Mondkruste und Hochland, daher gibt es dort eine Menge wissenschaftlicher Fragen zu beantworten.“
Renu Malhotra, Professorin an der University of Arizona in Tucson erklärt die Faszination der Mondrückseite so: „Es gibt eine gewisse Asymmetrie zwischen der Seite, die uns zugewandt ist, und der anderen Seite.“ Die Wissenschaftlerin fährt fort: „Was genau hat diese Asymmetrien verursacht? Was sind diese Asymmetrien eigentlich? Darüber wissen wir nur wenig. Das ist eine große wissenschaftliche Frage.“
Beobachtungen aus der Mondumlaufbahn zeigen, dass die erdzugewandte Seite des Mondes eine dünnere Kruste und mehr vulkanische Ablagerungen hat als die Rückseite des Erdtrabanten. Warum das so ist, ist bisher unklar – doch die Untersuchung von Bodenproben könnten Aufschluss darüber geben. (tab)
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