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Der Esa-Satellit „Aeolus“ hat die Wettervorhersage verbessert. Nun stürzte er auf die Erde ab. Die Esa spricht von einem „erfolgreichen Abschlussmanöver“.
Update vom Freitag, 28. Juli, 19.10 Uhr: Der Satellit ist auf der Erde angekommen: Wie die Esa mitteilte, wurde der „Aeolus“-Satellit zunächst von einem Radar des Fraunhoferinstituts in Deutschland erkannt. Analysen zeigten schließlich, dass Aeolus beinahe genau dort gefunden wurde, wo sie auch erwartet wurde. Der genaue Ort wird nicht genannt. Die Esa spricht unterdessen von einem „erfolgreichen Abschlussmanöver“.
Update von Freitag, 28. Juli, 15.30 Uhr: Mittlerweile wurden nach Esa-Angaben die letzten Kommandos zum „Aeolus“-Satelliten geschickt. Er sollte nun auf eine Höhe von etwa 120 Kilometer absinken. Ab dann übernimmt die Schwerkraft. „Alles ab etwa 150, 120 Kilometern stürzt innerhalb eines Tages ab“, erklärte Tim Flohrer, Leiter der Esa-Abteilung für Weltraumrückstände bei einem Mediengespräch. Jens Lerch, Raumschiffbetriebsleiter bei der Esa geht davon aus, dass der Satellit etwa fünf Stunden nach dem letzten Manöver abstürzt.
Esa-Satellit „Aeolus“ soll heute noch abstürzen
Update von Freitag, 28. Juli, 11.00 Uhr: Im Laufe des gestrigen Abends und der Nacht wurden die vier wichtigen Manöver durchgeführt, die den Esa-Satelliten näher an die Erdatmosphäre herangebracht haben. Nach Esa-Angaben sind nach zwischenzeitlichen Problemen alle vier Manöver gelungen, „Aeolus“ befindet sich in weniger als 160 Kilometern Höhe über der Erde und „kratzt“ bereits an der Erdatmosphäre.
Im Laufe des Tages soll es eine Abstimmung darüber geben, ob das letzte geplante Manöver stattfinden kann. Dann wird „Aeolus“ noch einmal weiter in Richtung Erde gesteuert – bis in eine Höhe von etwa 120 Kilometern. Den Rest übernimmt dann die Schwerkraft der Erde: Sie wird den Satelliten nach unten ziehen, ein großer Teil von ihm wird in der Erdatmosphäre über dem Atlantik verglühen. Eventuelle Reste, die es durch die Atmosphäre schaffen, sollen in den Atlantik stürzen.
| Datum | Höhe/Ereignis |
|---|---|
| 20. Juli 2023 | ca. 280 km Höhe |
| 24. Juli 2023 | ca. 250 km Höhe |
| 27. Juli 2023 | vier Manöver sollen Aeolus auf ca. 150 km Höhe bringen |
| 28. Juli 2023 | finales Manöver, Satellit wird auf ca. 120 km Höhe gebracht und stürzt ab |
| Quelle: Esa |
Esa lässt Wind-Satelliten „Aeolus“ abstürzen
Update von Donnerstag, 27. Juli: Der assistierte Absturz des Esa-Satelliten „Aeolus“ ist in vollem Gange. Im Laufe des heutigen Tages (27. Juli) soll der Satellit mittels vier Manövern auf eine Höhe von nur noch 150 Kilometern über der Erde bringen. Am morgigen Freitag soll ein letztes Kommando den Satelliten in eine Höhe von 120 Kilometern manövrieren – innerhalb von fünf Stunden soll „Aeolus“ dann über dem Atlantik abstürzen.
„Aeolus“-Windsatellit soll abstürzen – Esa kontrolliert den Wiedereintritt
Erstmeldung von Donnerstag, 20. Juli: Darmstadt – Der Esa-Satellit „Aeolus“ hat das Ende seiner Betriebszeit erreicht und soll ausrangiert werden. Knapp fünf Jahre nach dem Start des etwa 1,3 Tonnen schweren Satelliten „ist seine Zeit gekommen“, erklärt Tim Flohrer, Leiter der Esa-Abteilung für Weltraumrückstände in einem Gespräch. „Aeolus“ sei eine „unglaublich erfolgreiche Mission“ gewesen, betont Thorsten Fehr, Wissenschaftler in der Esa-Erdbeobachtungsabteilung. Bei „Aeolus“ ist der Name Programm: benannt nach dem griechischen Gott der Winde, war der Satellit ein Prototyp zur Messung von Winden auf dem gesamten Erdball.
Dazu flog er auf einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde: Nur 320 Kilometer trennten ihn von der Erdoberfläche – und diese geringe Höhe hatte ihren Preis: Die Erdatmosphäre „zieht“ immer wieder an niedrig fliegenden Satelliten, Fachleute müssen mit Manövern gegensteuern, was Treibstoff kostet. Deshalb war von Anfang an klar: Irgendwann würde „Aeolus“ seinen Treibstoff verbraucht haben und abstürzen. Und nun ist es so weit. Vor etwa zwei Monaten wurde bereits der wissenschaftliche Betrieb des Satelliten eingestellt, vor zwei Wochen wurde auch der Laser abgeschaltet – eine neue Technologie, die die Winde maß.
Esa-Satellit „Aeolus“ soll kontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten
Derzeit befindet sich der Satellit noch in einer Höhe von etwa 280 Kilometern – wo die Atmosphäre noch kräftiger an „Aeolus“ zieht. Nach Esa-Angaben sinkt der Satellit jeden Tag etwa einen Kilometer ab, dieses Absinken beschleunigt sich ständig. Mehrere gezielte Manöver in den kommenden Tagen sollen nun dafür sorgen, dass der Satellit kontrolliert auf die Erde stürzt – an einem Ort, an dem für Menschen möglichst wenig Gefahr droht. „Das Risiko am Boden ist durch Wiedereintritte sehr klein“, betont Flohrer. „Bis heute ist niemand am Boden dadurch zu Schaden gekommen.“ Trotzdem wolle man „das Restrisiko durch einen kontrollierten Wiedereintritt minimieren“.
Geplant ist, den Satelliten in mehreren Schritten immer weiter abzusenken. Am Montag (24. Juli) soll er sich nach aktuellen Berechnungen auf 250 Kilometern Höhe befinden, am Donnerstag (27. Juli) sollen vier Manöver „Aeolus“ in eine Höhe von etwa 150 Kilometern über der Erde bringen. Am Freitag (28. Juli) ist ein finales Manöver geplant, das den Satelliten bis auf 120 Kilometer absenkt. „Etwa fünf Stunden später kommt der Satellit runter“, erklärt Jens Lerch, Raumschiffbetriebsleiter bei der Esa. Sein Kollege Flohrer ergänzt: „Alles ab etwa 150, 120 Kilometern stürzt innerhalb eines Tages ab.“ Ganz genau können die Fachleute den Absturz nicht vorhersagen, da dabei auch schwer vorherzusagende Sonnenaktivitäten eine große Rolle spielen.
Letzter Orbit von Esa-Satellit „Aeolus“ soll über Wasser führen
Weil die Fachleute den Eintrittsort des Satelliten nicht kontrollieren können, soll der letzte Orbit von „Aeolus“ größtenteils über Wasser führen. Erreicht der Satellit eine Höhe von 80 Kilometern, wird er zu großen Teilen verglühen. Wenige Fragmente könnten den Wiedereintritt überstehen und zur Erde fallen – und dann sehr wahrscheinlich im Atlantik landen.
Für Satelliten, die heute ins Weltall geschossen werden, gibt es bestimmte Regeln, was die Entsorgung am Ende ihrer Lebenszeit angeht: Entweder müssen sie aus einem Material gefertigt werden, das beim Wiedereintritt in die Atmosphäre komplett verglüht, oder sie müssen am Ende ihrer Lebenszeit einen kontrollierten Wiedereintritt durchführen. Große Satelliten im geostationären Orbit dagegen werden in einen höher gelegenen „Friedhofsorbit“ gebracht, da ein Absturz zu viel Treibstoff kosten würde.
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Für den Esa-Satelliten „Aeolus“ gelten die Entsorgungs-Regeln noch nicht
Als „Aeolus“ in den späten 1990er Jahren geplant wurde, gab es solche Regeln zur Vermeidung von Weltraumschrott noch nicht, weshalb es auch nicht vorgesehen war, den Satelliten kontrolliert abstürzen zu lassen. „Dieser unterstützte Wiedereintrittsversuch geht weit über die Sicherheitsvorschriften für die Mission hinaus, die Ende der 1990er Jahre geplant und konzipiert wurde“, erklärt Flohrer. „Sollte alles nach Plan verlaufen, würde ‚Aeolus‘ den aktuellen Sicherheitsvorschriften für Missionen entsprechen, die heute entworfen werden.“ Gelingt der Plan nicht, wird „Aeolus“ unkontrolliert abstürzen – genau so, wie es ursprünglich angedacht war.
Der Versuch der Esa, den Wind-Satelliten bei einem kontrollierten Wiedereintritt zu entsorgen, soll laut Mitteilung einen neuen Präzedenzfall für Missionen schaffen, die zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung nicht unter diese Vorschriften fielen, aber nachträglich angepasst werden könnten. Das ist jedoch nicht bei jedem Satelliten möglich, wie die Fachleute betonen. Schließlich brauche man noch genügend Treibstoff, Triebwerke mit genug Schub und müsse die Ausrichtung des Satelliten kontrollieren können, um ihn gezielt in die Erdatmosphäre zu steuern. Bei „Aeolus“ gehe man „an die Grenzen“, betont Lerch. „Bleibt der Satellit stabil? Er hat noch nie solche Manöver durchgeführt. Nach jedem Manöver muss nachjustiert werden.“
Daten von Wettersatellit „Aeolus“ werden der Meteorologie fehlen
Egal, wie der Wiedereintritt verläuft – eines steht fest: Spätestens Anfang August wird „Aeolus“ Geschichte sein. Das ist auch ein Verlust für die Meteorologie: „Windmessungen fallen für die nächsten Jahre aus“, sagt Fehr. Es gebe aber andere Möglichkeiten, Winde durch Wolkenverlagerungen zu messen. Der Verlust von „Aeolus“ werde die Wettervorhersage „nicht in die Steinzeit“ zurückbefördern.
Trotzdem werden die „Aeolus“-Daten der Meteorologie fehlen: Die Daten hätten direkt zur Verbesserung der Wettervorhersage beigetragen und seien unter anderem vom Deutschen Wetterdienst (DWD) genutzt worden, weiß Fehr. „Bis zum Schluss wurden die Daten in Wettervorhersagen verwendet.“ An einer Nachfolge-Mission wird deshalb bereits gearbeitet: „Aeolus 2“ soll in einigen Jahren starten. (tab)
