Sonnensystem

Warum der Planet Merkur schrumpfte – und es womöglich heute noch tut

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Der Planet Merkur, Aufnahme der Nasa-Sonde „Messenger“ aus dem Jahr 2011.
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Auf der Oberfläche des Planeten Merkur machen Forscher eine Entdeckung, die vermuten lässt, dass der kleinste Planet des Sonnensystems schrumpft.

Milton Keynes – Der Planet Merkur gehört zu den am wenigsten erforschten Planeten unseres Sonnensystems. Das liegt an seiner Nähe zur Sonne, durch die es technisch äußerst schwierig ist, den Planeten zu erkunden. Auch von der Erde aus ist es schwierig, Merkur ausgiebig zu beobachten, da auch hier die Sonne stört.

Die erste Raumsonde, die den Merkur besuchte, war 1974 die Nasa-Sonde „Mariner 10“. Sie schickte Bilder von dem Planeten zurück, die unter anderem kilometerhohe Steilhänge zeigten, die sich über hunderte Kilometer durch das Gelände zogen. Die Raumsonde „Messenger“, die Merkur von 2011 bis 2015 umkreiste, zeigte noch mehr dieser Steilhänge. Was sich unspektakulär anhört, ist für Geologen jedoch eine wichtige Information. Fachleute können aus diesen Steilwänden nämlich herauslesen, dass der Planet Merkur schrumpft.

Merkur ist der kleinste Planet – er schrumpft seit Milliarden Jahren

Merkur ist bereits der kleinste Planet des Sonnensystems und er schrumpft seit Milliarden Jahren. Trotz seiner großen Nähe zur Sonne kühlt das Innere des Planeten ab und der Stein und das Metall, aus dem der Planet besteht, zieht sich dadurch etwas zusammen – die Steilwände entstehen, weil das Material des Planeten weniger Fläche bedecken muss und sich übereinander schiebt. Die Annahme ist, dass die meisten der Steilwände etwa drei Milliarden Jahre alt sind.

In welchem Maße der Merkur heute noch schrumpft, war lange Zeit unklar, doch ein Forschungsteam hat nun Hinweise entdeckt, dass der Prozess möglicherweise bis heute nicht abgeschlossen ist. In der Studie, die im Fachjournal Nature Geoscience veröffentlicht wurde, zeigt das Team, dass nicht alle Steilwände auf dem Planeten Merkur drei Milliarden Jahre alt sind. „Unser Team hat eindeutige Zeichen dafür gefunden, dass sich viele der Steilwände in geologisch jüngerer Zeit weiterbewegt haben, auch wenn sie vor Milliarden von Jahren entstanden sind“, schreibt David Rothery, ein Mitautor der Studie, auf dem Portal The Conversation.

Steilhänge und Gräben auf Merkur zeigen: Der Planet schrumpft wohl noch

Auf einigen der Steilhänge hätten sie nämlich Gräben entdeckt, ein geologischer Fachbegriff, der ein Stück Boden beschreibt, das zwischen zwei parallelen Verwerfungen abfällt. „Dies geschieht in der Regel, wenn die Kruste gedehnt wird“, erklärt Rothery und fährt fort: „Die Dehnung mag auf dem Merkur überraschen, wo die Kruste insgesamt zusammengedrückt wird, aber Man [ein Co-Autor der Studie, Anm. d. Red.] erkannte, dass diese Gräben entstehen, wenn ein Krustenstück beim Schieben über das angrenzende Terrain verbogen wird. Wenn man versucht, ein Stück Toastbrot zu verbiegen, kann es auf ähnliche Weise brechen.“

Die Gräben sind weniger als einen Kilometer breit und weniger als 100 Meter tief. Solche verhältnismäßig kleinen Strukturen müssen nach Ansicht des Forschungsteams viel jünger sein als die Struktur, auf der sie sich befinden – andernfalls wären sie längst durch Einschläge von Meteoriten verdeckt worden. Rothery schreibt: „Ausgehend von der Geschwindigkeit der Zerstörung durch den Einschlag von Meteoriten haben wir berechnet, dass die meisten Gräben weniger als 300 Millionen Jahre alt sind. Dies lässt darauf schließen, dass die jüngste Bewegung ebenso ‚kürzlich‘ stattgefunden haben muss.“

Planet Merkur wird ab 2026 von der Raumsonde „BepiColombo“ umkreist

Ab Anfang 2026 soll die europäisch-japanische „BepiColombo“-Raumsonde den Planeten Merkur umkreisen und dann weitere Informationen über die Gräben auf dem Planeten sammeln. Die Raumsonde wird allerdings nicht landen, weshalb es nicht möglich sein wird, seismische Daten des Planeten zu sammeln. Allerdings wird die Sonde es wohl ermöglichen, die kleinen Gräben genauer zu untersuchen und aus neuen Daten weitere Rückschlüsse zu ziehen. (tab)

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