- VonKristina Geldtschließen
Die Sonne ist so aktiv, wie sie es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr war. Dies zeigen Messungen, die mehr als 300 Flecken auf ihrer Oberfläche erfassen.
Frankfurt – Die Sonne ist das Zentrum unseres Sonnensystems und ein 1,4 Millionen Kilometer großer Gasball. Es wird vermutet, dass Gasströmungen im Inneren der Sonne ein Magnetfeld erzeugen und damit dunkle Flecken an der Oberfläche verursachen, schreibt das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Diese Sonnenflecken sind auch ein Indikator dafür, wie aktiv die Sonne ist.
Das Space Weather Prediction Center (SWPC) der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) teilt nun mit, ersten Messungen zufolge insgesamt 337 Sonnenflecken für den 8. August 2024 verzeichnet zu haben. Ein Wert, der seit März 2001 nicht mehr gemessen wurde und der zeige, dass die Sonne so aktiv ist, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Sonne so aktiv wie lange nicht mehr: Messungen von Flecken auf ihrer Oberfläche deuten ihre Aktivität an
Dunkle Flecken an der Sonnenoberfläche seien Indikatoren für Sonnenaktivität. Diese ändere sich innerhalb eines etwa elf Jahre langen Zyklus und werde durch das Magnetfeld der Sonne angetrieben. Solche Zyklen können in ihrer Intensität variieren, das heißt manche Zyklen fallen stärker und manche schwächer aus, erklärt space.com. Ungefähr zur Mitte des Zyklus‘ findet ein Polsprung statt, der dessen Höhepunkt kennzeichnet. Aktuell befindet sich die Sonne im Sonnenzyklus 25, der im Dezember 2019 begonnen hat.
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Sonnenflecken werden deshalb zur Messung der Aktivität des Sterns verwendet, weil sie starke magnetische Felder haben, die Sonneneruptionen abfeuern können. Diese wiederum schleudern laut space.com elektromagnetische Strahlungsimpulse in den Weltraum. Diese Explosionen lösen koronale Massenauswürfe aus, welche dann Sonnenstürme auf der Erde zur Folge haben können. Ein Resultat daraus können Polarlichter auf der Erde sein, wie beispielsweise im Mai. Sie wurden von einer Sonnenflecken-Gruppe ausgelöst, die für die stärkste Sonneneruption des aktuellen Zyklus‘ sorgte.
Seit 2002 nicht mehr so hoch gewesen: Vorläufiger Wert liegt bei 299 Sonnenflecken
Viele Flecken auf der Sonnenoberfläche, und damit eine hohe Sonnenaktivität, können also eine erhöhte Strahlenbelastung herbeiführen. Diese könne atmosphärische Schichten der Erde stören, in denen sich Kommunikationssignale und das Global Positioning System (GPS) bewegen, heißt es von Seiten der Nasa. Das kann laut Fachleuten außerdem ein Risiko für Satelliten, Astronauten, aber auch die Stromversorgung auf der Erde darstellen.
Der tägliche Wert von 337 Sonnenflecken, den das SWPC gemessen hat, ist bisher noch ein inoffizieller und geschätzter Wert. Die offizielle Sonnenfleckenanzahl werde nach Angaben des Centers ermittelt vom World Data Center – Sunspot Index and Long-Term Solar Observations (WDC-SILSO) und dem Solar Influences Data Center (SIDC) an der Königlichen Sternwarte von Belgien. Diese haben einen vorläufigen Wert von 299 für den 8. August geschätzt, eine genaue Angabe werde am 1. September veröffentlicht.
„Erweist sich als aktiver als ursprünglich prognostiziert“: Sonnenzyklus 25 übertrifft Erwartungen
Shawn Dahl, Servicekoordinator des SWPC, sagte gegenüber space.com: „Dieser Sonnenzyklus 25 erweist sich als viel aktiver als ursprünglich von den Wissenschaftlern prognostiziert, die den Zyklus etwa 2019 vorhergesagt haben.“ Weil der vorangegangene Zyklus ein schwacher war, mit einem Maximum bei 114 Flecken, prognostizierten Wissenschaftler laut Angaben der Nasa eine ebenso schwache Aktivität für den Sonnenzyklus 25. Nun stellt sich das Gegenteil heraus.
Das zeige sich, wie space.com schreibt, bereits an den „intensiven geomagnetischen Stürmen“, die weltweit mit Polarlichtern, auch an ungewöhnlichen Aussichtspunkten, für Faszination unter der Bevölkerung sorgten. (gel)
Rubriklistenbild: © Nasa/Sdo/Handout/dpa
