Gibt es Leben?

Saturn-Mond Enceladus ist lebensfreundlich – Forschung entdeckt Schlüsselelement für Entstehung von Leben

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Der Saturn-Mond Enceladus ist eine eisige Welt – doch unter dem Eispanzer könnte es Leben geben, sagen Forschende.
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Ein Forschungsteam aus Berlin entdeckt im Ozean des Saturn-Monds Enceladus ein Schlüsselelement für die Entstehung von Leben.

Berlin – Der Saturn-Mond Enceladus ist von einer bis zu 30 Kilometer dicken Eisschicht umhüllt und erscheint deshalb nicht gerade als lebensfreundlicher Ort. Doch unter seiner Oberfläche sieht das anders aus – Enceladus gilt als einer der vielversprechendsten Himmelskörper in unserem Sonnensystem, was die Lebensfreundlichkeit angeht. Mithilfe der Raumsonde „Cassini“ war es der Forschung vor einigen Jahren gelungen, einen Ozean unter der dicken Eishülle aufzuspüren. Außerdem hat „Cassini“ die Gase und Eispartikel analysiert, die Enceladus ins Weltall ausstößt. Entdeckt wurden Hinweise auf Hydrothermalquellen am Grunde des Ozeans.

In einer Studie, die im Fachjournal Nature veröffentlicht wurde, hat ein Team um Studienleiter Frank Postberg von der Freien Universität Berlin nun etwas entdeckt, das vor allem im Zusammenhang mit dem unterirdischen Ozean spannend ist: In „Cassini“-Daten fand die Forschungsgruppe Phosphor in Form von Phosphaten in den Eispartikeln, die von Enceladus ins All geschleudert werden. Phosphate gelten als ein Schlüsselelement für die Entstehung von Leben. Sie sind in jeder bekannten Lebensform verantwortlich für die Bildung der DNA und von Zellwänden.

Auf dem Saturn-Mond Enceladus gibt es wichtige Bausteine des Lebens

„Leben, wie wir es kennen, ist ohne Phosphate einfach nicht möglich“, heißt es in einer Mitteilung zur Studie. „Phosphor ist ein Element, das für die Bewohnbarkeit von Planeten unerlässlich ist, aber bisher wurde es in keinem Ozean außerhalb der Erde nachgewiesen“, schreibt das Forschungsteam in der Studie.

Enceladussechstgrößter Mond des Saturn
Radius252,1 Kilometer
Durchmesseretwa 500 Kilometer
Entdeckung1789
minimale Temperatur−240,3 °C
mittlere Temperatur−198 °C
maximale Temperatur−128 °C

Postberg ordnet die Entdeckung ein: „Die früheren geochemischen Modelle waren gespalten in der Frage, ob Enceladus‘ Ozean überhaupt Phosphate in nennenswerten Mengen enthalten kann. Die ‚Cassini‘-Daten lassen aber nun keinen Zweifel mehr daran, dass erhebliche Mengen dieser wichtigen Substanz im Ozean vorhanden sind.“ Mit dieser neuen Entdeckung erfülle der Ozean des Enceladus „ein Kriterium, welches üblicherweise die Habitabilität von Himmelskörpern am meisten einschränkt“, erklärt Co-Autor Fabian Klenner.

Saturn-Mond Enceladus: In seinem Ozean ist Phosphat als Salz gelöst

Für die biologische Verfügbarkeit ist es wichtig, dass Phosphat nicht im Gestein gebunden, sondern im Ozean als Salz gelöst ist. Die Forschungsgruppe hat auf Enceladus Konzentrationen gemessen, die um das 100- bis 1000-Fache über denen liegen, die in den irdischen Ozeanen vorhanden sind.

Gemeinsam mit einem Forschungsteam aus Japan und den USA haben die Forschenden aus Berlin Laborexperimente durchgeführt, die zeigen, wie Enceladus es schaffen kann, solch hohe Phosphatkonzentrationen zu erzeugen. Nach Angaben der Forschungsgruppe liegt es daran, dass die Phosphate eine erhöhte Löslichkeit haben, „die nicht nur auf Enceladus, sondern generell unter den speziellen Bedingungen im äußeren Sonnensystem gegeben sein sollten“, erläutert Postberg. „Das sind gute Nachrichten für eine ganze Reihe von Ozeanwelten jenseits des Jupiters“, ist der Forscher überzeugt.

Phosphate im Ozean von Saturn-Mond Enceladus machen ihn lebensfreundlich

Die Entdeckung von Phosphaten gilt als der letzte fehlende Baustein, um Enceladus‘ Ozean endgültig als lebensfreundlich bezeichnen zu können. Leben selbst hat die „Cassini“-Raumsonde jedoch nicht gefunden. Im September 2017 wurde die Sonde gezielt auf dem Saturn zum Absturz gebracht, doch die Daten, die die Raumsonde gesammelt hat, werden heute noch ausgewertet, wie die aktuelle Studie zeigt.

Der Saturn-Mond Enceladus ist für die Forschung auch nach dem Ende der „Cassini“-Mission von großem Interesse. Auf einer Astronomie-„Wunschliste“ für die kommenden zehn Jahre ist deshalb auch eine Mission zu Enceladus aufgelistet. Als mögliche Missionsziele sehen die Fachleute, die die Liste erstellt haben, die Erforschung der Gasfahnen, die aus dem Inneren des Mondes aufsteigen, aber auch eine Beantwortung der grundlegenden Frage: Gibt es Leben jenseits der Erde? Und falls nicht: Warum ist das so?

Der Saturn-Mond Enceladus schießt Wasserfontänen ins Weltall. (Archivbild)

Saturn-Mond Enceladus: Es gibt bereits ein Konzept für die Rückkehr

Es gibt bereits ein Missionskonzept für einen sogenannten „Orbilander“, der erst den Saturn-Mond umkreisen und anschließend landen soll. Noch steht eine neue Mission zum Enceladus jedoch in den Sternen. Nozai Khawaja, ein Mit-Autor der aktuellen Studie, findet, dass sich das ändern sollte: „Es ist also höchste Zeit, dass wir zu Enceladus zurückkehren, um zu sehen, ob sich aus den guten Ausgangsbedingungen tatsächlich Leben entwickelt hat.“ (tab)

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