VonKilian Bäumlschließen
Der Klimawandel verändert ganze Landschaften. Besonders deutlich ist das in der Arktis, die womöglich in zehn Jahren im Sommer kein Eis mehr hat.
Frankfurt – Dürre-Sommer und Extrem-Wetter: Um die Folgen des Klimawandels festzustellen, reicht mittlerweile oft bereits ein Blick aus dem Fenster. In Europa führt der Klimawandel vor allem zu extremer Hitze, die immer häufiger und heftiger werden soll. Andere Orte der Welt verändern sich noch drastischer. Dass die steigenden Temperaturen das Eis der Arktis schmelzen lassen, ist bekannt. Laut einer Studie geht das jedoch deutlich schneller als bisher angenommen. In der Arktis könnte sich demnach im schlimmsten Fall bereits in zehn Jahren im Sommer kein Eis mehr befinden.
| Arktis. | Polargebiet am Nordpol |
|---|---|
| Ereignis: | Klimawandel |
| Auswirkung: | Eisschmelze |
| Zeitraum: | Laut der Studie zehn Jahre früher als bisher angenommen |
Eis der Arktis schmilzt laut Studie deutlich schneller als bisher angenommen – in zehn Jahren eisfrei
In einer Studie werteten Forschende die Satellitendaten aus über 40 Jahren aus, die den Rückgang der Eisfläche auf dem Meer in der Region des Nordpols beobachteten und kommen zu einem erschreckenden Schluss: Die Arktis könnte selbst bei niedrigen CO₂-Emissionen bereits ein Jahrzehnt früher im Sommer ohne Eis sein, als bisher angenommen wurde.
„Die Ergebnisse lassen erkennen, dass sich unabhängig von Emissionsszenarien der erste meereisfreie September schon in den 2030er bis 2050er Jahren einstellt“, schreiben die Autorinnen und Autoren um den südkoreanischen Forscher Min Seung Ki von der Pohang-Universität für Wissenschaft und Technologie im Fachblatt Nature Communications. Bereits seit Jahrzehnten schrumpft der Eisbestand der Arktis und befand sich im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand, der bisher gemessen wurde.
Arktis schon in zehn Jahren im Sommer eisfrei – Forschende werten Daten aus 40 Jahren aus
Die Forschenden werteten für ihre Prognose die Daten für jeden Kalendermonat zwischen 1979 und 2019 aus und verglichen sie zunächst mit simulierten Veränderungen. Die arktischen Eisbestände erreichen dabei im September ihren niedrigsten Stand. „Das arktische Meereisgebiet ging in den vergangenen Jahrzehnten jedes Jahr rapide zurück, mit einer immer stärkeren Abnahme seit 2000“, äußert sich das Team, in dem sich auch der Klimaforscher Dirk Notz von der Universität Hamburg befindet.
Neue Studie zur Eisschmelze der Arktis geht über den Klimarat hinaus – eisfreie Arktis in zehn Jahren
Laut dem jüngsten Sachstandsbericht des Weltkllimarats (IPCC) wird die Arktis in einem Szenario von mittleren und hohen Treibhausgas-Emissionen Mitte dieses Jahrhunderts im Monat September praktisch eisfrei sein. Die Ergebnisse der Studie gehen jedoch darüber hinaus.
Die Forschenden folgern aus ihrer Prognose „dass wir in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten ein noch nie dagewesenes eisfreies arktisches Klima erleben könnten, unabhängig vom Emissionszenario“. Die Auswirkungen einer eisfreien Arktis beschränken sich nicht nur auf die Umgebung des Nordpols, sondern sind weltweit in Ökosystemen spürbar. Laut den Forschenden sei es deshalb jetzt wichtig, sich auf eine saisonal eisfreie Arktis vorzubereiten und entsprechend zu planen. Nicht nur die Arktis ist vom Klimawandel betroffen, er ist laut Robert Koch-Insitut (RKI) sogar die größte Herausforderung der Menscheit. (kiba/dpa)
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