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Tektonische Platten unter Gibraltar könnten einen atlantischen Feuerring auslösen. Die Folgen? Ein völlig veränderter Atlantik.
Lissabon/Mainz – Als vor rund 180 Millionen Jahren der Superkontinent Pangaea in kleinere Kontinente zerfiel, entstand der Atlantik. Für die Menschheit wirkt es, als wäre er schon immer da und würde auch in Zukunft immer da sein. Doch das ist ein Irrglaube: Ozeane werden „geboren“, expandieren und schließen sich wieder. Dieser „Wilson-Zyklus“ erstreckt sich über mehrere hundert Millionen Jahren.
Eine entscheidende Rolle dabei spielen sogenannte Subduktionszonen. Sie sind Gebiete, in denen eine tektonische Platte unter eine andere absinkt. Das führt zu Verbiegung und Brüchen der tektonischen Platte – ein brutaler Prozess. Subduktionszonen sind oft mit Erdbeben oder vulkanischer Aktivität verbunden, wie der pazifische Feuerring zeigt. Dieser umschließt den Pazifik von drei Seiten. Forschung hat gezeigt, dass eine tektonische Platte im Pazifik zerrissen wird.
Subduktionszone soll zu einem „atlantischen Feuerring“ führen
Eine aktuelle Studie weist nun darauf hin, dass eine Subduktionszone unter der Straße von Gibraltar in Zukunft in den Atlantik wandern wird – eine sogenannte „Subduktionsinvasion“. Dies könnte zur Entstehung einer Art „atlantischer Feuerring“ führen, glaubt ein portugiesisch-deutsches Forschungsteam, das dazu 3D-Modelle erstellt hat. Aus geologischer Sicht wird dies laut der Forschungsgruppe „bald“ passieren – in etwa 20 Millionen Jahren.
Die Studie unter der Leitung von João Duarte (Universität in Lissabon) wurde im Fachjournal Geology veröffentlicht. Der betont, wie wichtig neue technische Möglichkeiten für die Arbeit waren. „Die Subduktionsinvasion ist von Natur aus ein dreidimensionaler Prozess, der fortschrittliche Modellierungswerkzeuge und Supercomputer erfordert, die vor einigen Jahren noch nicht verfügbar waren. Wir können jetzt die Entstehung des Gibraltar-Bogens sehr detailliert simulieren und auch, wie er sich in der entfernten Zukunft entwickeln könnte“, erklärt Duarte.
Gibraltar-Bogen wandert in den Atlantik – und könnte ihn schließen
Die Ausdehnung des Gibraltar-Bogens in westlicher Richtung hat sich in den letzten fünf Millionen Jahren verlangsamt, was bei vielen Forschenden zu der Annahme führte, dass seine Bewegung möglicherweise vollständig zum Stillstand gekommen ist. „Diese Einschätzung teilen wir so nicht“, betonen jedoch die Forscher Boris Kaus und Nicolas Riel von der Universität Mainz in einer Mitteilung. „Mit unseren Computersimulationen können wir die Entwicklung des Gibraltar-Bogens auf physikalisch korrekte Weise nachvollziehen und einschätzen, welches Schicksal ihn in Zukunft erwartet“, so die beiden Co-Autoren der Studie.
Das internationale Forschungsteam geht davon aus, dass sich das Expansionstempo des Gibraltar-Bogens zunächst weiter verlangsamt und in etwa 20 Millionen Jahren fast zum Stillstand kommt. Dann soll allerdings eine Beschleunigung einsetzen. Die Subduktionszone soll sich halbkreisförmig in den Atlantik hinein ausbreiten und dort ein neues atlantisches Subduktionssystem, ähnlich dem pazifischen Feuerring bilden. Da Subduktionszonen ozeanische Kruste in den Erdmantel zurückführen, vermutet das Forschungsteam, dass dies der Beginn der Schließung des Atlantiks sein könnte.
An der Ostseite des Atlantiks könnte die Subduktionszone dann Ozeankruste in den Erdmantel ziehen. Wenn diese Subduktion schneller vonstattengeht als die Bildung neuer Ozeankruste am mittelatlantischen Rücken, sollte der Atlantik beginnen, zu schrumpfen. Die Konsequenz: Am östlichen Rand des Atlantik entsteht eine Zone deutlicher vulkanischer und seismischer Aktivität.
Mechanismus, der Subduktion in Ozeanen auslöst
„Es gibt zwei weitere Subduktionszonen auf der anderen Seite des Atlantiks – die Kleinen Antillen in der Karibik und den Scotia-Bogen in der Nähe der Antarktis. Diese Subduktionszonen sind jedoch vor mehreren Millionen Jahren in den Atlantik eingedrungen. Die Untersuchung von Gibraltar ist von unschätzbarem Wert, denn sie ermöglicht die Beobachtung des Prozesses in seinen frühen Stadien, wenn er gerade stattfindet“, sagt Studienleiter Duarte.
Geologischer Blick in die Zukunft der Erde
Eines Tages wird es auf der Erde wieder einen Superkontinent geben, sagt die Forschung. Doch Pangäa Ultima wird wohl nicht lebensfreundlich sein, so die Befürchtung. Außerdem gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Kontinent Afrika eines Tages in zwei Teile zerrissen wird – so könnte ein neuer Ozean entstehen.
Die Studie deutet darauf hin, dass die Subduktionsinvasion wahrscheinlich ein üblicher Mechanismus ist, der die Subduktion in Ozeanen auslöst und somit eine grundlegende Rolle in der geologischen Entwicklung unseres Planeten spielt. (tab)
Die Redakteurin hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.
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