VonTanja Bannerschließen
Das Weltraumwetter birgt ein ernstes, wenn auch seltenes Risiko für das Eisenbahnsignalsystem. Experten aus Großbritannien warnen vor den Folgen.
Lancaster – Die Sonne wird aktiver und schickt häufiger geladenes Plasma in Richtung Erde. Trifft das Plasma auf das irdische Magnetfeld, entstehen geomagnetische Stürme, die nicht nur wunderschön buntes Polarlicht verursachen, sondern auch eine Gefahr für die Infrastruktur darstellen können, wie Fachleute regelmäßig warnen. Auch vor einer „Internet-Apokalypse“ wird im Zusammenhang mit dem Weltraumwetter gewarnt.
Ein Forschungsteam aus Großbritannien hat nun ebenfalls eine Warnung veröffentlicht, bei der es um einen speziellen Teil der Infrastruktur geht: den Zugverkehr. Ein geomagnetischer Sturm könnte die Signalanlagen auf Eisenbahnstrecken von Rot auf Grün oder umgekehrt umschalten. Diese Erkenntnis stammt von Cameron Patterson und seinem Team von der Lancaster University, die zwei britische Eisenbahnstrecken modellierten und dann simulierte geomagnetische Stürme darauf anwendeten.
Forscher warnen: Sonnenstürme könnten Bahnsignale von Rot auf Grün schalten
Patterson erläutert in einer Mitteilung zur im Fachjournal Space Weather veröffentlichten Studie: „Entscheidend ist, dass unsere Forschung zeigt, dass Weltraumwetter in der Lage ist, ein Signal in beide Richtungen umzukehren und ein rotes Signal grün oder ein grünes Signal rot werden zu lassen“. Patterson warnt, dass Sonnenstürme, die solche gefährlichen Störungen verursachen könnten, alle paar Jahrzehnte zu erwarten seien.
Die Studie zeigt, dass das fehlerhafte Umschalten von Rot auf Grün bei einer geringeren geoelektrischen Feldstärke auftreten kann als das weniger gefährliche Umschalten von Grün auf Rot. Das bedeutet: Ein schwächerer geomagnetischer Sturm kann leichter dazu führen, dass die Signale auf Eisenbahnstrecken fälschlicherweise von Rot auf Grün umgeschaltet werden – dies könnte also häufiger passieren als das Umschalten in die andere Richtung.
Weltraumwetter sorgt für „erhebliche Fehlfunktion von Signalen“
„Wenn wir ein schweres Weltraumwetter erleben, wie es alle paar Jahrzehnte vorkommt, oder ein extremes Weltraumwetter, wie es alle ein bis zwei Jahrhunderte vorkommt, dann besteht die Möglichkeit einer erheblichen Fehlfunktion von Signalen, was sich natürlich auf die Sicherheit auswirkt“, betont Patterson. Das Weltraumwetter ist ein „ernstes, wenn auch relativ seltenes Risiko für das Eisenbahnsignalsystem“ und kann „kritische Auswirkungen auf die Sicherheit“ verursachen, fügt der Forscher hinzu.
Er ist der Meinung: „Diese natürliche Gefahr muss ernst genommen werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass Ereignisse mit großer Auswirkung und geringer Häufigkeit schwer zu planen sind, aber sie zu ignorieren ist selten die beste Lösung“. Sein Co-Autor, Jim Wild von der Lancaster University, warnt: „Andere Industriezweige wie die Luftfahrt, die Stromerzeugung und -übertragung sowie der Raumfahrtsektor prüfen die Risiken für ihren Betrieb und untersuchen, wie diese gemildert werden können. Es ist wichtig, dass der Eisenbahnsektor in diese Planung einbezogen wird“.
Sonnenstürme als Gefahr für den Zugverkehr: Weltraumwetter-Vorhersage soll helfen
Der Wissenschaftler schlägt vor, dass die Vorhersage des Weltraumwetters in Zukunft eine Rolle spielen könnte. Bei Erwartung eines extremen Sonnensturms könnte der Bahnbetrieb vorübergehend eingeschränkt werden – „so, wie dies derzeit bei meteorologischen Vorhersagen der Fall ist“, vergleicht Wild.
Die Sonne nähert sich derzeit dem Maximum ihres elfjährigen Aktivitätszyklus. Die Folge sind mehr und heftigere Sonneneruptionen, bei denen geladenes Plasma in Richtung Erde geschleudert wird. (tab)
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