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Was tun gegen das Verlangen?

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Die Lust auf ein Glas Wein zur Entspannung am Abend kann übermächtig werden.
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Fachleute der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beantworteten Fragen unserer Leserinnen und Leser zum Thema Alkohol.

Oft nehme ich mir vor, abends nichts zu trinken. Aber die Lust auf ein Glas Wein ist meistens stärker. Wie kommt man dagegen an?

Der Appetit auf Alkohol erscheint mitunter als übermächtig. Doch kommt unerwartet etwas dazwischen, stellt man einige Zeit später oft überrascht fest, dass das Verlangen vorüber ist. Darin liegt eine Chance: Wenn Sie beim nächsten Mal etwas finden, das Sie ablenkt, kommen Sie vielleicht über den kritischen Moment. Das kann etwas sein, das Ihnen Freude macht oder etwas, das Sie schon längst einmal erledigen wollten. Schreiben Sie am besten für den Fall der Fälle ein paar passende Ablenkungsmanöver auf.

Eigentlich wollte ich mal für vier Wochen eine Alkoholpause einlegen. Aber ich wurde regelrecht unleidlich. Kommt die miese Stimmung vom Alkoholverzicht?

Das ist möglich, denn Alkohol aktiviert die Ausschüttung von Glückshormonen. Bei regelmäßigem Alkoholkonsum merkt sich unser Gehirn die Verbindung zwischen Alkohol und Wohlfühlen und es signalisiert, dass man sich gleich besser fühlen wird, wenn man etwas Alkoholisches zu sich nimmt. Ohne Alkohol wird dagegen die Ausschüttung der Glückshormone gedrosselt. Bleibt man eine Zeitlang abstinent, normalisiert sich der Hormonhaushalt wieder.

Muss man ganz auf Alkohol verzichten, um etwas für die Gesundheit zu tun? Oder kann man ab und zu ein Gläschen trinken?

Das ist Ihre Entscheidung. Grundsätzlich gilt: Je weniger Alkohol Sie trinken, desto besser für Ihre Gesundheit. Wollen Sie nicht ganz auf Alkohol verzichten, können Sie die Grenzen des sogenannten risikoarmen Konsums beachten. Für Frauen bedeutet das, nicht mehr als ein Standardglas pro Tag, für Männer zwei Standardgläser. In die Standardgläser passt nicht viel hinein: Das Bierglas umfasst ein Viertelliter, das Weinglas ein Achtelliter, das Schnapsglas 40 Milliliter. Risikoarmer Konsum heißt auch, mindestens zwei Tage pro Woche ganz auf Alkohol zu verzichten.

Mein Mann trinkt jeden Abend. Meine Einwände wischt er vom Tisch. Ist er schon Alkoholiker?

Das ist schwer zu sagen. Denn der Übergang von starker Gewöhnung bis zur Abhängigkeit ist fließend. Überlegen Sie, ob Sie bereit sind, das Verhalten Ihres Mannes noch länger zu ertragen. Wenn nicht, dann fordern Sie Veränderung, je konkreter desto besser. Suchen Sie für das Gespräch eine Zeit, in der er nüchtern ist. Wenn Sie so nicht weiterkommen, wäre eine Frauenberatungsstelle für Sie vielleicht hilfreich. Adressen stehen beispielsweise unter www.dajeb.de.

Zurzeit habe ich viele Sorgen, sowohl privat als auch beruflich. Ein, zwei Gläser Rotwein am Abend helfen mir, abzuschalten. Kann ich dabei bleiben?

Es ist nachvollziehbar, dass Sie einen schnellen Weg zu Entspannung und Wohlbefinden suchen. Fakt ist aber, dass Alkohol die Energie raubt, die man eigentlich gut gebrauchen könnte, um die Probleme grundlegend anzugehen. Packen Sie das Übel an der Wurzel. Zögern Sie nicht, sich Unterstützung bei Frauen- und Familienberatungsstellen zu holen.

kONTAkte

Für alle, die bei der Telefonaktion keine freie Leitung erwischt haben oder sich unabhängig davon informieren wollen, hier noch einige Kontaktmöglichkeiten:

Sucht-Beratungstelefon der BZgA: 0221/892031, Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Kostenlose Info-Materialien: www.bzga.de/Infomaterialien

Hilfreiche Seiten im Internet: www.null-alkohol-voll-power.de (für unter 16-Jährige), www.kenn-dein-limit.info (für 16-20 Jährige), www.kenn-dein-limit.de (für Erwachsene).

Ich habe gerade erfahren, dass ich schwanger bin. Muss ich jetzt völlig auf Alkohol verzichten?

Alkohol ist ein Zellgift. Schon in kleinen Mengen kann es den Fötus beeinträchtigen. Verzichten Sie deshalb unbedingt auf Alkohol, am besten auch während der Stillzeit. Vielleicht fällt Ihnen das zu Anfang schwer. Beratung gibt es zum Beispiel mit dem BZgA-Programm „IRIS“ unter www.iris-plattform.de kostenlos, anonym und persönlich von erfahrenen Therapeuten.

Ich bin der Meinung, dass mir ein, zwei Bier am Abend helfen, besser einzuschlafen. Meine Frau sagt dagegen, das Bier stört den Schlaf. Wer hat Recht?

Alkohol am Abend führt tatsächlich dazu, dass man schneller einschläft. Denn Alkohol setzt die Hirntätigkeit herab. Die Gedanken kreisen nicht mehr endlos. Die nötige Bettschwere stellt sich ein. Doch der Schlaf wird nicht erholsam. Mit Alkohol im Körper schläft man unruhig. Man wacht häufiger auf. Am nächsten Morgen fühlt man sich oft wie gerädert. Wenn Sie Alkohol regelmäßig als Einschlafhilfe nutzen, riskieren Sie zudem, in eine Abhängigkeit zu geraten.

Bei Familienfeiern kam es immer gar nicht gut an, dass ich Alkohol mehrmals rigoros ablehnte. Was kann man da machen?

Zum einen nimmt oft Freundlichkeit einer Ablehnung die Schärfe, zum Beispiel: „Danke, dass du an mich gedacht hast, aber ich bleibe heute bei Wasser.“ Oder Sie finden einen Grund, der akzeptiert wird, zum Beispiel, dass Sie am nächsten Tag fit sein müssen. Oder Sie bieten dem Gastgeber gleich eine Alternative: „Nein danke, aber ich nehme gern einen Orangensaft“.

Meine Mutter meint, ich solle weniger Alkohol trinken, wenn ich abnehmen will. Aber im Alkohol stecken doch nur leere Kalorien ...

Man spricht nur aus einem Grund von „leeren Kalorien“ im Alkohol: weil diese Kalorien überhaupt keinen Nährwert haben. Sie enthalten also keinerlei Stoffe, die unser Körper braucht, um zu funktionieren. Aber sie machen genauso dick wie andere Kalorien. In einem kleinen Glas Weißwein (0,2 Liter) stecken so viele Kalorien wie in einem Wiener Würstchen. Ein Glas Sekt (0,1 Liter) enthält die gleiche Menge an Kalorien wie ein halbes Vollkorn-Brötchen mit Butter.

Ich würde ja gern mal eine länger Alkoholpause einlegen. Aber um ehrlich zu sein – ich befürchte, dass ich mich an den abendlichen Wein schon gewöhnt habe …

Vielleicht bringt Ihnen ein Selbsttest zum Alkoholkonsum mehr Klarheit. Er steht unter www.kenn-dein-limit.de/alkohol-tests/alkohol-selbsttest/.

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